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Immobilien-Irrsinn in München: 1,1 Millionen für 40-Quadratmeter

Kein Normalverdiener kann sich das mehr leisten: Für über eine Million Euro steht eine Ein-Zimmer-Wohnung in München Haidhausen gerade zum Verkauf. Entspannung ist beim Immobilienmarkt kaum in Sicht.

München - Es sind luxuriöse Wohnungen: „Johannisplatz wird auf lange Zeit Exklusivität in Haimhausen definieren“, bewirbt das Unternehmen Legat Living vier Eigentumswohnungen am Johannisplatz in einem Online-Immobilienportal zum Verkauf. Die Architektur sei „repräsentativ und dezent historisierend“, im Mittelpunkt stehe „helles und modernes Wohnen“, die Ausstattung sei hochwertig.

München Immobilienmarkt: „Die Preise sind der absolute Wahnsinn“

Doch: Das ist auch der Preis. Ein City-Appartement mit rund 40 Quadratmetern Wohnfläche und Terrasse kostet 1.095.000 Euro, und für eine Dreizimmer-Wohnung mit circa 75 Quadratmetern sind schon 2.095.000 Euro fällig. Für die 132 Quadratmeter große Vier-Zimmer-Wohnung mit Blick über den Johannisplatz muss man 4,3 Millionen Euro hinblättern. Bezugstermin ist voraussichtlich im Sommer 2024.

„Die Preise sind der absolute Wahnsinn“, sagt Jörg Spengler, Vorsitzender des Bezirksausschusses Au-Haidhausen. „Die Menschen im Viertel haben gar nichts davon. Leider ist so aber der Trend bei vielen Neubauten.“

München: Experte prophezeit für Immobilienmarkt weiter steigende Preise

Die Wohnungen am Johannisplatz im Münchner Stadtteil Haidhausen* werden an prominenter Stelle gegenüber der Kirche und direkt neben dem Johannis-Café liegen, einer Kult-Kneipe. Jetzt ein Haus mit superteuren Wohnungen – und damit Gentrifizierung, die das Viertel weiter verändert? „Je mehr man zahlt, desto höher sind natürlich auch die Ansprüche“, sagt Rudolf Stürzer von Haus und Grund München. Er sieht die Entwicklung differenziert. Einerseits profitieren Eigentümer natürlich davon, wenn die Preise steigen. „Aber es ist bedauerlich, dass sich inzwischen fast niemand mehr eine Immobilie zur Altersvorsorge leisten kann. Das ist ein großes Problem.“ In Deutschland sei die Eigentumsquote sowieso schon sehr niedrig. Stürzer rechnet nicht damit, dass sich bald etwas an der Situation ändert: „Die Preise werden in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren nicht fallen“, prophezeit er.

Das ist auch die Einschätzung von Stephan Kippes vom Maklerverband Immobilienverband Deutschland. „Die letzten zehn Jahre sind die Preise durchgehend angestiegen“, erklärt er. Und: „Corona hat das nicht gestoppt.“ Die Preise für die Wohnungen am Johannisplatz seien zwar „tendenziell eher am allerobersten Preissegment“, doch teurer geworden ist es überall auf dem Immobilienmarkt

München: Kaufpreise steigen noch schneller als Mieten

Nach der IVD-Statistik kosten in München* neugebaute Eigentumswohnungen mit einer Größe von 80 Quadratmetern mit sehr gutem Wohnwert und in sehr guter Lage im Schnitt 17.100 Euro pro Quadratmeter. Im Frühjahr lagt der Quadratmeterpreis noch bei 15.300 Euro. Als sehr gute Lage bewertete der IVD die Stadtteile Nymphenburg, Alt-Schwabing, Herzogpark, Bogenhausen, Haidhausen, Altstadt-Lehel und Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt. Doch auch bei mittlerem und gutem Wohnwert sind die Kaufpreise angestiegen. Sie haben sich in den letzten Jahren sogar noch stärker erhöht als die Mieten. „Die Preise für Baugrund und Baumaterialien ziehen an, und die Kapazitäten von Baufirmen sind knapp“, erklärt Kippes. „Das spielt alles zusammen.“

Hinzu kommen der Zuzug nach München und die niedrigen Zinsen, ergänzt Rudolf Stürzer. Und: „Der Wohnflächenverbrauch pro Kopf steigt jedes Jahr. Das Homeoffice kurbelt die Nachfrage noch weiter an.“ *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA