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in Polen - Hier wird weiter nach deutschen Soldaten gesucht

Breslau – Seit 76 Jahren und acht Monaten lag Johannes R. mit acht weiteren Männern 1,2 Meter tief unter der Erde, doch nun schiebt ein Bagger die Betonplatten, die einst die Terrasse eines Restaurants waren, über ihren Köpfen zur Seite. Dann tragen die Mitarbeiter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge vorsichtig die Erde ab, bis zunächst die Schuhe und dann die sterblichen Überreste zu sehen sind. Auch fast acht Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird noch immer nach seit dem Krieg vermissten Soldaten gesucht. BILD begleitete diese Suche.

Es dauerte Jahre, bis man dieses Massengrab gefunden hatte. Kurz nachdem die Kämpfe in der Umgebung der heutigen westpolnischen Stadt Paczkow im März 1945 vorbei waren, begruben die Anwohner die Wehrmachtssoldaten hier. Als zwei Jahre später die Deutschen aus Schlesien vertrieben wurden, ging das Wissen über den Standort verloren.

Schädel, Rippen, Schulterblatt: die Helfen haben diese menschlichen Überreste der toten Soldaten in einer Schale gesammelt
Schädel, Rippen, Schulterblatt: die Helfer haben diese menschlichen Überreste der toten Soldaten in einer Schale gesammeltFoto: Andreas Thelen

In der Nachkriegszeit wurde aus dieser Gegend in Polen ein Naherholungsgebiet. Über den Köpfen der toten Soldaten wurde ein Restaurant mit einer Terrasse gebaut. Doch nun liegt das Gelände brach. Ein Anwohner, der vor 76 Jahren die Bestattung mitbekam, gab den Experten vom Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge den entscheidenden Tipp, wo sie ihre Suche beginnen können.

„Mit einem Georadar haben wir dann die genaue Lage der menschlichen Überreste unter der Erde gefunden“, sagt Mitarbeiter des Volksbundes Artur Berger (33). „Anschließend arbeiteten wir uns mit einem Bagger vor.“

Ein Einsatz, der Fingerspitzengefühl und Respekt verlangt: Die Mitarbeiter der Kriegsgräberfürsorge in Paczkow (v.li.n.re.): Artur Berger (33) und Thomas Schock (57) und Umbetter Tomasz Czababski (63
Ein Einsatz, der Fingerspitzengefühl und Respekt verlangt: Die Mitarbeiter der Kriegsgräberfürsorge in Paczkow (v.li.n.re.): Artur Berger (33) und Thomas Schock (57) und Umbetter Tomasz Czababski (63)Foto: Andreas Thelen

Im Grab finden die Experten neben persönlichen Gegenständen der Toten, wie Tabakspfeifen, und Kerzen, auch eine Erkennungsmarke. Durch die eingravierte Nummer stellen die Umbettenr fest, dass es sich bei dem Gefallenen um den 31-jährigen Soldaten Johannes R. aus einem Panzergrenadierregiment handelt. Man wird nun versuchen, seine Angehörigen zu finden, um sie über den Fund zu informieren.

Pfeifen, Streichholzschachteln, Knöpfe: Auch diese persönlichen Gegenstände der toten Soldaten werden aus der Erde geborgen
Pfeifen, Streichholzschachteln, Knöpfe: Auch diese persönlichen Gegenstände der toten Soldaten werden aus der Erde geborgenFoto: Andreas Thelen

„Oft trugen die Soldaten in den Unterlagen die Kontaktdaten ihrer Familien ein. Manchmal versuchen wir über das Einwohnermeldeamt noch lebende Angehörige zu finden. Nach so vielen Jahren ist es natürlich eine schwierige Suche“, sagt Artur Berger. „Die Toten werden von uns auf einem Soldatenfriedhof bestattet oder werden in seltenen Fällen den Angehörigen übergeben. Sie können dann nach so vielen Jahren endlich abschließen und haben einen Trauerort.“

Ortswechsel: Auch 270 Kilometer von dem Massengrab in Paczkow entfernt, nicht weit von der Grenze zwischen Polen und Tschechien neben der Stadt Bielsko-Biala, laufen ebenfalls Exhumierungsarbeiten. An diesem Ort legte bereits die Wehrmacht für während des Krieges in Südpolen gefallenen Soldaten einen Friedhof an.

Der polnischer Umbetter Matti Milak (50) sichtet in t Bielsko-Biala vorsichtig die Funde
Der polnische Umbetter Matti Milak (50) sichtet in Bielsko-Biala vorsichtig die Funde Foto: Andreas Thelen
Die Mitarbeiter bei ihrem Einsatz
Die Mitarbeiter bei ihrem Einsatz Foto: Andreas Thelen

In der Nachkriegszeit wurde der Friedhof zerstört. Heute befindet sich an diesem Ort ein Campingplatz, auf dem noch im letzten Sommer Familien ihren Urlaub verbrachten. Dabei lagen genau unter ihren Füßen Hunderte Gebirgsjäger des 98 und 99 Regiments.

Gedenktafel für die toten Soldaten in Bielsko-Biala
Gedenktafel für die toten Soldaten in Bielsko-BialaFoto: Andreas Thelen

Da die Erde auf dem Campingplatz aus Lehm besteht und feucht ist, finden die Umbetter in den Särgen der Getöteten gut erhaltenen Gegenstände. Ihre Schuhe, Stahlhelme werden nun aus der Erde geholt. Zusammen mit den sterblichen Überresten sollen sie ebenfalls auf einem Soldatenfriedhof ihre letzte Ruhe finden.