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Insolventer Waschmittelproduzent: Zwölf Mitarbeiter beenden die Produktion von Thurn

Wir gehen durch menschenleere Hallen. Ware steht überall herum, doch niemand ist da, um sie zu verladen. Die letzte Schicht bei Thurn ist angelaufen. Die Maschinen werden wegen der Insolvenz für immer abgestellt. Im Bergischen wird nun endgültig kein Spül- und Waschmittel mehr produziert.

Axel Wild hat das Thurn-Werk in Neunkirchen als Ingenieur mit aufgebaut, und nun wickelt er mit zwölf Kollegen den Betrieb ab. Der 69-Jährige ist technischer Betriebsleiter. „Ich bin zwar schon in Rente, aber man hat mich gebeten, hier zu helfen. Ich kenne die Firma in- und auswendig.“

Bis zu 600 Mitarbeiter hatte das Werk

Beim Gang durch die fast leeren Hallen berichtet er von früher. „In Spitzenzeiten haben hier 600 Menschen gearbeitet.“ Zuletzt waren es an die 130. 1990 hatte Wild im Thurn-Werk in Bröleck angefangen, war 1992 zum Standort nach Much gewechselt. Dann ging es nach Neunkirchen. Der frühere Firmenchef Günther Thurn hatte dort 2009 das Firmengelände gekauft.

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Axel Wild hat den Standort in Neunkirchen mit aufgebaut. Als Rentner wickelt er ihn jetzt mit ab.

Viktor Knaub steht an der Abfüllstraße. „Magnum“ heißt das Spülpulver, das über den Ärmelkanal nach Großbritannien geliefert wird. „Ich war 26 Jahre im Werk. Die Firma galt als sicherer Arbeitsplatz“, erzählt der 56-Jährige.

Nun wird der Vater von zwei erwachsenen Kindern umgeschult zum Mechaniker für Kunststofftechnik. Zwei Jahre dauert die Ausbildung.

Roberto Langaba ist seit 15 Jahren bei Thurn. Der Vater von sechs Kindern sagt, er habe gern hier gearbeitet. „Wir konnten uns von meinem Lohn sogar ein kleines Häuschen in Eitorf kaufen.“

Nun fährt er die letzten Paletten mit den frisch abgefüllten Packungen ins Lager. „In zwei Jahren kann ich in Rente gehen. Es wird schwer für mich, in meinem Alter noch etwas zu finden.“

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Roberto Langaba war 15 Jahre bei Thurn. Er verlädt die letzte Ware in Lastwagen.

Irene Gaevskij ist extra an diesem letzten Tag vorbeigekommen. Sie hat im Labor gearbeitet und dort auch das Projekt mit den Jugendlichen der Gesamtschule aus Neunkirchen betreut. „Die Arbeit mit den Jugendlichen war wichtig, damit sie Interesse an den Berufen in der chemischen Industrie finden.“ Das sei nun hier vorbei.

Dänischer Produzent übernimmt Anlage für Tabs

Derweil baut der Däne Bjorne Henrinsen mit seinem Team die Anlage zum Pressen von Spülmaschinentabs ab. Das Unternehmen Nopa Nordic hat sie gekauft. „Bis jetzt haben wir nur flüssige Spül- und Waschmittel produziert. Mit der Anlage wollen wir nun auch Tabs anbieten.“ Die Maschinen seien hochwertig und in gutem Zustand.

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Diese Anlage wird künftig in Dänemark Spülmaschinentabs pressen.

Insolvenzverwalter Jens Schmidt steht an einer Maschine, die verkauft werden soll. Er versteht „noch immer nicht, warum die Gemeinde nicht alles dafür getan hat, um das Werk zu retten“. Gute Perspektiven habe es gegeben. Die Produktion werde nun beendet. „Bis Ende März nächsten Jahres sind auch die letzten Büros geräumt.“