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Inzidenz in Bayern über 100: Münchner Virologe warnt vor Anstieg der Corona-Zahlen - „Wetter hat uns geholfen“

Die Corona-Lage in Bayern spitzt sich weiter zu. Die Inzidenz steigt an. Dennoch verteidigt ein Münchner Virologe die Lockerungen der vergangenen Wochen.

München - Corona ist gekommen, um zu bleiben - trotz Impfung. Das sieht man besonders deutlich in Bayern. Bereits am Freitag (15. Oktober) stieg die Inzidenz erstmals wieder über 100. Und der Wert wächst weiter an. Am Sonntag, 17. Oktober, liegt er laut RKI bereits bei 109. Dazu liegen die sieben größten Corona-Hotspots in Deutschland im Freistaat. Einsamer Spitzenreiter ist weiterhin der Landkreis Berchtesgadener Land mit einer Inzidenz von 336,7.

Ein Münchner Virologe hat jetzt prognostiziert, dass das erst der Anfang ist. In den kommenden Monaten soll es noch schlimmer werden. Dennoch hält er die Lockerungen für sinnvoll.

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Corona in Bayern: Niedrige Infektionszahlen aufgrund des guten Wetters

Mit der kalten Jahreszeit steigt auch wieder das Infektionsrisiko. „Unser Leben verlagert sich nach innen“, sagt Virologe Oliver Keppler von der Ludwig-Maximilians-Universität in München*. Damit werde auch das Infektionsgeschehen weiter an Fahrt aufnehmen. Dass die Zahlen noch nicht so hoch, wie im vergangenen Jahr sind, hätten wir auch dem milden Herbst zu verdanken. „Auch das Wetter hat uns in den vergangenen Wochen im Kampf gegen die Corona-Pandemie* geholfen: Es war überwiegend freundlich, und es herrschten oft recht warme Temperaturen“, so der Experte gegenüber der dpa.

Nicht nur das Wetter hat uns bislang geholfen. Ein ganzer Mix aus Schutzmaßnahmen hätten bislang die Zahlen nicht mehr so explodieren lassen wie noch 2020. „Eine gute Impfquote - das ist der zentrale Baustein - viele Genesene, eine hochwertige Testinfrastruktur und ja, auch ein gutes Verständnis der Übertragungswege des Virus. Situationsbezogene Schutzmaßnahmen zählen natürlich auch dazu“, sagt Keppler. Die Menschen würden inzwischen selbstständig die Hygieneregeln einhalten und sich häufig die Hände waschen oder auf das Händeschütteln verzichten.

Corona in Bayern: Lockerungen waren sinnvoll

Obwohl, nach Meinung des Münchner Virologen, die vierte Welle mehr und mehr Fahrt aufnimmt, waren zahlreiche Lockerungen der vergangenen Wochen sinnvoll. „Grundsätzlich müssen wir in dieser Phase der Pandemie in verschiedenen Bereichen Lockerungen versuchen, um zu sehen, was gut vertretbar ist und wo man noch Hygienemaßnahmen oder Testungen zur Absicherung beibehalten muss.“

Man sehe außerdem deutlich, dass sich das Infektionsgeschehen vorwiegend bei den Ungeimpften abspielt. Laut dem bayerischen Gesundheitsministerium lag die Inzidenz am Freitag bei den Geimpften bei 26,2, der Wert bei den Ungeimpften allerdings bei 204,5. Deshalb ist man im Ministerium weiterhin vorsichtig. „Wenn die Impfquote nicht hoch genug ist, können wir ein auch exponentielles Wachstum der Fallzahlen nicht ausschließen“, so eine Sprecherin.

Video: Deshalb steigen die Zahlen in Bayern so stark an

Corona in Bayern: Experte sieht keine Grippewelle auf uns zu rollen

Deutschland wird wohl auch von einer anderen befürchteten Welle verschont bleiben. Die Grippe wird laut Keppler dieses Jahr wohl keine große Rolle spielen. „Ich erwarte keine schwere Grippesaison“, sagt der Wissenschaftler. Die Viren seien durch die Corona-Hygienemaßnahmen gut zurückgedrängt worden. „Auf der Südhalbkugel waren zwei Winter hintereinander kaum Infektionen zu verzeichnen. Einen effizienten Eintrag des Virus bei uns im bevorstehenden Winter halte ich daher für unwahrscheinlich“, sagt Keppler. „Covid-19* muss auch in diesem Winter unser Hauptaugenmerk gelten.“

Der Virologe rät dennoch bestimmten Bevölkerungsgruppen zu einer Grippeimpfung. „Alle Personen, denen die Ständige Impfkommission auch in früheren Jahren die Grippeimpfung empfohlen hat, sollten sich wie zuvor impfen lassen.“ Das betrifft alle Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, Vorerkrankte und medizinisches Personal. (tel mit dpa) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA