Dramatische Szenen in Müncheberg (Märkisch Oderland): Kaum hatten Schleuser eine Flüchtlingsfamilie abgesetzt, bekam eine hochschwangere Irakerin unter freiem Himmel ihr Kind.

Eine Zeugin hatte am Dienstagnachmittag gesehen, wie sieben Menschen an der Hochstraße aus zwei Taxis mit polnischen Kennzeichen stiegen. Die Grenze ist nur 40 Kilometer entfernt.

Als die herbeigerufene Polizei die Flüchtlingsgruppe kontrollierte, setzten bei einer 30-jährigen Schwangeren die Wehen ein. Die Beamten riefen den Rettungsdienst.

Doch bevor die Helfer eintrafen, gebar die Frau auf offener Straße einen kleinen Jungen, ihr viertes Kind. Ein Rettungshubschrauber brachte Mutter und Baby ins Klinikum Frankfurt(Oder).

Den Vater und die drei weiteren Kinder fuhr die Bundespolizei zur Zentralen Erstaufnahme für Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt.

Bund will Flüchtlinge schneller weiterleiten

Dort tauchte am Donnerstag überraschend Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (61, CDU) auf. Mit einer guten Nachricht fürs Land: Wegen des wachsenden Flüchtlingsstroms aus Weißrussland über Polen hatte er am Mittwoch bei Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) auf Unterstützung gedrängt.

Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen von der CDU (Archivfoto) (Foto: dpa)
Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen von der CDU (Archivfoto) (Foto: dpa)

Am Donnerstag verkündete Stübgen in Eisenhüttenstadt: „Seehofer hat sofort veranlasst, dass Brandenburg unterstützt wird. Das Bundesinnenministerium sorgt nun für schnelle und effiziente Hilfe bei der Weiterleitung von Flüchtlingen.“

Eine neue zentrale Registrierungsstelle soll zukünftig die sofortige Weiterleitung von Flüchtlingen in alle Bundesländer organisieren, entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil. In zwei Wochen nimmt sie ihre Arbeit auf. Stübgen: „Das nimmt großen Druck von Brandenburg.“

Lesen Sie auch: Kommen bald 4000 Flüchtlinge im Monat?

Klar sei aber auch, dass Deutschland nicht einfach alle Menschen aufnehmen kann, die Diktator Lukaschenko nach Weißrussland einfliegen lässt und in die Europäische Union schickt.

Stübgen: „Ich erwarte jetzt entschiedenes Handeln von unseren Diplomaten im Auswärtigen Amt. Ein sofortiges EU-weites Landeverbot für alle Airlines, die sich an diesem Menschenhandel beteiligen, wäre ein erster Schritt.“