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Isabellenhütte: Firmenchef Holger Spiegel im Interview über E-Mobilität

Dillenburg. Die Isabellenhütte Heusler setzt weltweit Maßstäbe bei Legierungen, Messwiderständen und Messtechnik in höchster Präzision. Schon 1482 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt und ist damit Hessens ältestes Industrieunternehmen. aktiv sprach mit Geschäftsführer Holger Spiegel über „Innovation aus Tradition“ – so der Leitspruch des Familienunternehmens, das neben der Zentrale in Dillenburg auch Niederlassungen in China, Japan und den USA hat.

Das habe ich mich beim ersten Besuch zum Vorstellungsgespräch hier ehrlich gesagt auch gefragt. Heute weiß ich, Tesla war der erste große Kunde im damals noch relativ neuen Bereich Messtechnik. Im Jahr 2011 kam der Auftrag, die Stromsensoren für das erste Elektro-Fahrzeug auf dem Markt für Luxuslimousinen, den Tesla Model S, zu entwickeln. Seitdem haben wir jede Entwicklung bei Tesla begleitet.

Meines Wissens gibt es kein anderes Unternehmen auf der Welt, in dem Sie wie bei uns am gleichen Standort neben dem Urformen in der Gießerei und dem Umformen wie in der Drahtzieherei auch eine Reinraumfertigung für Bauelemente und Messmodule finden. Diese sehr hohe Fertigungstiefe ist ein entscheidendes Erfolgskriterium neben der kontinuierlichen Entwicklung neuartiger Produkte, Technologien und Fertigungsprozesse. Neben den Präzisions- und Leistungswiderständen sowie den Präzisionslegierungen setzen wir auch in der Präzisionsmesstechnik Maßstäbe bei der Messung von Strom, Spannung und Temperatur in Pkw und Lkw, in Hybrid- und E-Fahrzeugen sowie in Industrie- und regenerativen Energieerzeugungssystemen. So gut wie in jedem Fahrzeug – völlig unabhängig von der Antriebsart – finden Sie übrigens Teile von uns, zum Beispiel im BMS oder ABS, also Batteriemanagement- und Antiblockiersystem.

Die Verkehrswende

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Welche Bedeutung hat die E-Mobilität für die Isabellenhütte?

Wir sind wie gesagt führend bei Batteriemanagement-Systemen im Automotivebereich. Also war es nur schlüssig, dass wir - wie beim Tesla - von Anfang an mit in der E-Mobilität unterwegs waren. Es gibt sogar eine Stromschnellladesäule mit dem ersten nach deutschem Eichrecht zugelassenen Zähler, den wir produzieren. Für die Zukunft sehen wir für uns vor allem China als Wachstumsmarkt. Der E-Antrieb ist im Vergleich zum Verbrennungsmotor recht simpel, die Technik einfach zu beherrschen. Deshalb schießen Hersteller von E-Fahrzeugen speziell in Asien gerade wie Pilze aus dem Boden. Weltweit gibt es ja Tausende Firmen, die E-Fahrzeuge herstellen, Tendenz weiter steigend.

Ist China insgesamt ein wichtiger Markt für Sie?

Ja. Wir produzieren ausschließlich in Dillenburg, erzielen aber etwa ein Drittel unseres Umsatzes allein in China. Nach der Krise infolge der Corona-Pandemie konnten wir deshalb schon im Juli 2020 wieder durchstarten, weil es in China ohne große Unterbrechungen einfach weiterging. Aktuell ist die gesamte Industrie limitiert durch den weltweiten Mangel in der Halbleiter-Industrie, der auch die Automobilbranche hart trifft. Wäre das nicht, gingen die Auftragseingänge wohl durch die Decke.

Mit anderen Worten, die Isabellenhütte steht gut da?

Das kann man so sagen. Letzten Endes dreht es sich bei allem, was wir hier tun und produzieren, um die effiziente Erzeugung und Nutzung von elektrischer Energie. Damit werden wir in Zukunft in immer mehr Bereichen gebraucht. Nehmen Sie das Beispiel Energieversorgungssysteme: Präzision in der Messtechnik ist unerlässlich für eine korrekte Abrechnung, egal ob man Energie einspeist oder abnimmt. Im August haben wir den 1.000. Mitarbeiter eingestellt – einen von über 130, die 2021 trotz der Pandemie hinzukamen. Vor allem der Bereich Messtechnik wächst. Wir denken auch über digitale Geschäftsmodelle wie Cloud-Services nach. Wir sind keine Aktiengesellschaft, sondern familiengeführt und das gibt Raum für neue Ideen. Man lässt uns Zeit und Dinge auch mal ausprobieren, die uns langfristig vorwärtsbringen. Das ist gut. Und auch das macht die Isabellenhütte wohl mit einzigartig.