Germany

Jahrtausende alter Fernhandel formt sibirische Hunde

Ludwig-Maximilians-Universität München

München, Bayern (ots)

Archäologische Funde deuten darauf hin, dass die Menschen Nordwestsibiriens bereits vor 2.000 Jahren weitreichende Handelsbeziehungen unterhielten. Das Aufkommen des Handels war Teil einer Reihe prägender gesellschaftlicher Veränderungen, die zu dieser Zeit einsetzten - und hinterließ im Lauf der Zeit auch im Genom der sibirischen Hunde Spuren, wie ein internationales Team um den LMU-Paläogenomiker Laurent Frantz nun anhand umfangreicher genetischer Analysen zeigen konnte.

Insgesamt analysierten die Wissenschaftler die Genome von 49 bis zu 11.000 Jahre alten Hunden aus Sibirien und Eurasien. Ihre Ergebnisse zeigen: Während sich arktische Hunde bis mindestens vor 7.000 Jahren nahezu isoliert von anderen Hundepopulationen entwickelten, spiegeln die Genome der jüngeren Hunde ab der Eisenzeit vor 2.000 Jahren bis ins Mittelalter hinein immer wieder eine signifikante Vermischung mit Hundespezies aus der eurasischen Steppe und aus Europa wider - "es müssen also Hunde aus diesen Regionen importiert worden sein, was darauf schließen lässt, dass es Fernhandelsbeziehungen gab", sagt Erstautorin Dr. Tatiana Feuerborn von der Universität Kopenhagen.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Import der Hunde mit gesellschaftlichen Veränderungen zusammenhing, etwa dem Import von Eisen vor 2.000 Jahren oder der ersten Nutzung von Rentieren als Transportmittel. "Die ursprünglichen arktischen Hunde waren wahrscheinlich vor allem Schlittenhunde", sagt Frantz. "Als die Menschen begannen, größere Rentierherden zu halten, erwarben sie vermutlich Hunde, die besser für das Hüten von Herden geeignet waren. Aus der Vermischung der Populationen entstanden möglicherweise Hunderassen, die sowohl für die Hütearbeit geeignet, als auch an die rauen klimatischen Bedingungen angepasst waren."

Diese Vermischung führte schließlich zur Entstehung moderner sibirischer Hundelinien wie den heutigen Samojeden. "Ein großer Teil des Genoms der Samojeden kann auf alte arktische Blutlinien zurückgeführt werden", sagt Frantz, "aber es weist viel mehr westliche Einflüsse auf als beispielsweise der Husky." Seit dem Mittelalter haben sich Samojeden allerdings ziemlich unverändert erhalten, da es danach kaum Vermischung mit anderen Hunden gab. "Samojeden" heißen die Tiere aber erst, seit Polarforscher wie der Brite Ernest Shackleton sie aus der Arktis importierten und eine gezielte Zucht begann. "Zuvor war es einfach eine Population von Arbeitshunden", sagt Frantz.

Kontakt

Prof. Dr. Laurent Frantz

AG Paläogenomik

Institut für Paläoanatomie, Domestikationsforschung und Geschichte der Tiermedizin

Tierärztliche Fakultät der LMU

[email protected]

https://www.palaeo.vetmed.uni-muenchen.de/palaeogenomik/index.html

Publikation

Tatiana R. Feuerborn, Alberto Carmagnini, Robert J. Losey, Tatiana Nomokonova, Arthur Askeyev, Igor Askeyev, Oleg Askeyev, Ekaterina E. Antipina, Martin Appelt, Olga P. Bachura, Fiona Beglane, Daniel G. Bradley, Kevin G. Daly, Shyam Gopalakrishnan, Kristian Murphy Gregersen, Chunxue Guo, Andrei V. Gusev, Carleton Jones, Pavel A. Kosintsev, Yaroslav V. Kuzmin, Valeria Mattiangeli, Angela Perri, Andrei V. Plekhanov, Jazmín Ramos-Madrigal, Anne Lisbeth Schmidt, Dilyara Shaymuratova, Oliver Smith, Lilia V. Yavorskaya, Guojie Zhang, Eske Willerslev, Morten Meldgaard, M Thomas P Gilbert, Greger Larson, Love Dalén, Anders J. Hansen, Mikkel-Holger S. Sinding, Laurent Frantz: Modern Siberian dog ancestry was shaped by several thousand years of Eurasian-wide trade and human dispersal

PNAS 2021

Pressekontakt:

Claudia Russo
Leitung Kommunikation & Presse
Ludwig-Maximilians-Universität München
Leopoldstr. 3
80802 München

Phone: +49 (0) 89 2180-3423


E-Mail: [email protected]

Original-Content von: Ludwig-Maximilians-Universität München, übermittelt durch news aktuell

Football news:

Atletico-Präsident über Klopps Worte zum defensiven Spiel: So ein Trainer ist schwer zu verlieren und aus der Champions League zu fliegen
Ich bin mir nicht sicher, ob Sulscher einen Ronaldo-Transfer wollte. Wenn nicht Man City, würde Manchester United für ihn kämpfen? Merson über den Portugiesen
Barcelona hat mit Fati einen neuen Vertrag bis 2027 vereinbart. Der FC Barcelona hat sich mit Mittelfeldspieler Ansu Fati auf einen neuen Vertrag geeinigt
Icardi wird heute nicht gegen Leipzig in der Champions League spielen. Stürmer Mauro Icardi wird in der kommenden Gruppenphase der Champions League nicht für PSG spielen
Sergio Agüero: Als Piqué und andere mit mir über die 10. Nummer sprachen, habe ich schon nach der 19. Gefragt. Barcelona-Stürmer Sergio Agüero hat erklärt, warum er nach dem Abgang von Lionel Messi auf die Nummer 10 des katalanischen Klubs verzichtet und auch erklärt, warum er die Nummer 19 genommen hat
Der Sheriff - der Anführer der Gruppe D - reist zu Inter. Kann er noch eine Sensation schaffen und gewinnen?
Sulscher über die Situation bei Manchester United: Natürlich ist die Lage unglücklich. Aber die Fortschritte sind sichtbar . Trainer Ole-Gunnar Sulscher: Natürlich ist die Situation in der Mannschaft nicht fröhlich und nicht fröhlich. Wir sind konzentriert und entschlossen. Vier Gegentore haben uns die Augen geöffnet