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Jeder dritte Handwerksbetrieb erhöht die Preise

Da die Beschaffungspreise - beispielsweise für Holz - gestiegen sind, sehen sich viele Handwerksbetriebe gezwungen, die höheren Kosten an Verbraucher weiterzugeben.

Gut ein Drittel der Handwerksbetriebe in Oberbayern hat die hohen Energie- und Erzeugerpreise an die Verbraucher weitergegeben. Im kommenden Jahr ist zumindest teilweise Entspannung in Sicht.

München – Materialknappheit, hohe Beschaffungspreise und teure Energie machen den oberbayerischen Handwerksbetrieben zu schaffen. „Nach der gesamtwirtschaftlich starken Erholung von April bis Ende Juni haben in den vergangenen Monaten die steigenden Einkaufspreise die Wirtschaft ausgebremst“, sagte der Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, Franz Xaver Peteranderl, am Mittwoch in München. „Die anhaltende Materialknappheit verpasste der Konjunktur einen weiteren Dämpfer“, sagte er mit Verweis auf die jüngste Konjunkturumfrage im Kammerbezirk Oberbayern.

Demnach bewerteten Ende September 54 Prozent der befragten Betriebe ihre aktuelle Lage als gut und 32 Prozent als befriedigend. „Diese Werte lagen insgesamt um sechs Punkte über dem Vorjahresquartal. Um das Vorkrisenniveau wieder zu erreichen, fehlen aber noch sieben Punkte“, so Peteranderl. Die Gesamtsituation gestaltete sich für das Handwerk aber „eigentlich positiv“. 12,1 Milliarden Euro Umsatz erwirtschafteten die Betriebe in Oberbayern im dritten Quartal – 5,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern

Dennoch bleibt die Stimmung vielerorts gedämpft: 71 Prozent der befragten Betriebe gaben gestiegene Einkaufspreise an, 27 Prozent berichteten von konstanten Einkaufspreisen. „Während im Bau- und Ausbauhandwerk vor allem das knappe Material die Preise trieb, litten energieintensive Gewerke wie zum Beispiel das Lebensmittelhandwerk vor allem unter den steigenden Energiekosten“, sagte Peteranderl. Im September hätten die Firmen für Strom „satte 30 Prozent“ mehr bezahlen müssen als im Vorjahr. „Binnen Jahresfrist stiegen die Erzeugerpreise insgesamt um über 14 Prozent und die Preise für Energie um 33 Prozent“, sagte der Kammer-Präsident. „Diesen Anstieg zumindest teilweise an die Verbraucher weiterzugeben, gelang laut unserer Umfrage aber nur gut einem Drittel der Befragten.“

Während Peteranderl es bedauern mag, dass es „nur“ jedem dritten Handwerksbetrieb „gelang“, die Preise zu erhöhen, ist die Verteuerung aus Sicht der Kunden weniger erfreulich. In welchen Branchen und in welcher Höhe die Preise gestiegen sind, konnte Peteranderl nicht sagen. „Das ist abhängig von jedem Betrieb“, sagte er. Aus dem Fertighausbau wisse er aber: „Hier sind die Preise teilweise im zweistelligen Bereich gestiegen.“ Denkbar ist, dass sich die Lage zumindest wieder etwas normalisiert.

„Bei den Holzpreisen erwarte ich eine Entspannung, bei den großen fünf Anbietern sind die Lager wieder gefüllt“, sagte Peteranderl. Bei Halbleitern sei aber erst im zweiten oder dritten Quartal des kommenden Jahres mit Entspannung zu rechnen. Von Chip-Engpässen seien Handwerksbetriebe mittelbar betroffen: „Schreiner etwa bekommen bei für ihre Küchen keine Einbaugeräte mehr.“ Bei Dämmstoffen rechnet Peteranderl mit einer Entspannung im zweiten Quartal des kommenden Jahres.