Gelnhausen. Menschen und technische Herausforderungen – Andreas Schön mag beides. Der Mitgesellschafter der KUKT Kautschuk und Kunststoff Technologie legt enorm viel Wert auf den Besuch beim Kunden. „Ich möchte wissen, wo den Kunden der Schuh drückt, wie wir ihm helfen können“, sagt er. Vielleicht erkärt diese Neugier von Schön die Ausrichtung des Unternehmens. Gerade mal 25 Mitarbeiter beschäftigt der Kautschukbetrieb in Hessen. Und doch packt man hier die Zukunftsthemen der Branche an.

Handschuhe für Reinsträume in der Pharma-Industrie

„Gummiteile müssen in Zukunft nicht mehr dumm sein“, erklärt Schön. „Wir müssen sie intelligent machen.“ Zum Beweis holt er einen beigefarbenen Handschuh aus dem Regal. „Diese Handschuhe werden in den Reinsträumen der Pharma-Industrie eingesetzt.“ In das Material haben die Gelnhäuser Sensoren integriert, sogenannte RFID-Sensoren. „Diese signalisieren den Labormitarbeitern, wann die Handschuhe getauscht werden müssen, weil sie nicht mehr die anspruchsvollen Sicherheitsbestimmungen erfüllen.“

Zur Klarstellung: Der Firmenchef spricht nicht von Industrie 4.0. „Ich würde es künstliche Intelligenz nennen“, formuliert Schön. Er weiß, dass viele Experten darunter etwas anderes verstehen. Und dennoch ist der Handschuh eine bemerkenswerte Innovation. Ein Beispiel dafür, dass KUKT Lösungen für den Kunden findet und dabei vielfach die Nase vorn hat.

Mitarbeiter, die für den Werkstoff Kautschuk brennen

Firmenchef Schön ist ein Kommunikationstalent, ein Menschenfänger – herzlich, offen, immer mit einem Lächeln im Gesicht. Diese Eigenschaften dürften ihm helfen, für sein Unternehmen Mitarbeiter zu finden, die für den Werkstoff Kautschuk brennen.

Wie etwa Markus Lyncker. Der 54-Jährige hat Industriemechaniker gelernt und später eine Ausbildung zum Industriekaufmann gemacht. „Ich habe bei Goodyear Dunlop in Hanau gearbeitet“, erzählt der Motorrad-Fan. Für das Unternehmen reiste er durch Europa, von Rennstrecke zu Rennstrecke. Genauso hängt sich Lyncker heute im Vertrieb von KUKT rein. „Hier kann man etwas bewegen, ohne lange bürokratische Wege gehen zu müssen.“

Der Firmenchef will sein Unternehmen ins digitale Zeitalter bringen

Lyncker reizt es, Lösungen zu finden. Etwa, wenn ein Kunde anruft und genervt von der Qualität eines anderen Lieferanten ist. Der 54-Jährige sucht dann nach anderen Materialien oder neuen Geometrien. „So erreicht man fast immer eine bessere Lösung“, erzählt er. Mit dieser Neugier geht er jede Herausforderung an. Als Beweis holt Firmenchef Schön eine leuchtend gelbe Walze aus dem Besprechungsraum des Unternehmens. Sie wurde für den Kalkstreuer eines Landmaschinenherstellers entwickelt. „Diese Walze ist mit Sensoren gespickt, damit auf dem Acker genau die erforderliche Dosis Kalk ausgebracht wird“, erklärt Schön.

Schön und Lyncker kennen keine Hierarchien. Sie verbindet die gleiche Leidenschaft. Sie wollen ihr Gummi-Unternehmen ins digitale Zeitalter bringen. „Wir stecken unser Geld in neue Ideen und neue Produkte“, berichtet Schön.

Das macht die Arbeit von Produktionsleiter Matthias Ziegler interessant. Der hatte mit Technik zunächst nicht viel im Sinn. Nach einem abgebrochenen Studium wollte er Geld verdienen und jobbte bei KUKT. „Mir macht die Arbeit in der Industrie viel mehr Spaß, als den ganzen Tag trockene Theorie zu büffeln.“ Seine Vorgesetzten machten ihm ein Angebot: erst eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker absolvieren und dann rasch eine Qualifizierung zum Techniker anhängen.

So entstand die Liebe zum Werkstoff: Mit dem Vorurteil, Kautschuk sei schwarz, dreckig und schwer, kann Ziegler nichts anfangen. „Der Werkstoff ist superspannend“, sagt der 30-Jährige mit sympathischem Lachen. „Wir hier leben Technik.“

Kautschuk-Industrie

Auch im Corona-Jahr investierte sie viel Geld in Innovation.