Germany
This article was added by the user Anna. TheWorldNews is not responsible for the content of the platform.

Ladensterben aufhalten: Sauerlach soll lebendig bleiben

Die CSU in Sauerlach sorgt sich um die Nahversorgung im Ort und fordert ein Konzept gegen das Ladensterben.

Sauerlach – Kundenkontakt war auch schon mal direkter: Wer bei der Sparkassen-Filiale in Sauerlach anrufen will, wählt erstmal eine Münchner Nummer, um dann gegebenenfalls in einem Call Center in Halle zu landen. Dort ist man mit dem Münchner Umland nur wenig vertraut („Wo liegt denn Sauerlach?“), gibt aber freundlich Auskunft: Nein, wenn man mit seinem Bankberater vor Ort sprechen will, muss man schon direkt zur Filiale gehen. Anliegen werden ansonsten übers Service-Center bearbeitet, und ja, Überweisungen per Papier-Formular seien noch möglich, erklärt eine Bank-Mitarbeiterin.

Einen Kiosk und eine Sparkasse gibt es noch im Ort. Die Sauerlacher hoffen, dass das auch so bleibt. 

Zukunft des Post-Shops unklar

Wie lange und ob die Aufgabe von Briefen und Päckchen im Sauerlacher Zentrum noch möglich ist, ist indes noch unklar. 17 Jahre betrieben Doreen Scharz und Kurt Fatschinger eine „Partnerfiliale Deutsche Post“ in ihrem Fahrradladen an der Tegernseer Landstraße. Damit soll zum Jahresende aber Schluss sein: Fatschinger hat den Vertrag mit der Post gekündigt, wie er erzählt, „sechs Tage die Woche, einfach zu viel Stress. Wir haben das jetzt lange genug gemacht“. Die Postfiliale werde dann in den Edeka-Markt schräg gegenüber umziehen, sagt Kurt Fatschinger. Im Markt selbst mag das niemand bestätigen, vielmehr verweist man hier an übergeordnete Instanzen, in dem Fall an die Edeka Südbayern in Gaimersheim. Eine Anfrage des Münchner Merkur blieb hier bislang unbeantwortet.

Genaues weiß auch Bürgermeisterin Barbara Bogner (UBV) nicht: Am Rande der Gemeinderatssitzung am vergangenen Dienstagabend gab sie sich nur bedingt optimistisch. „Ich glaube das erst, wenn da eine Unterschrift unter dem Vertrag steht.“ Die Gemeinde führt derzeit in Sachen Poststelle „Gespräche mit potenziellen Pächtern“, heißt es in der jüngsten Beschlussvorlage.

Zwei Beispiele, die zeigen: Nahversorgung kann eine fragile Angelegenheit sein. Insofern ist der Antrag des CSU-Ortsverbandes Sauerlach vom September dieses Jahres auch als ein Versuch zu werten, eine gewisse Stabilität zu gewährleisten. Der Antrag ziele auf die langfristige Sicherung der Nahversorgung im Ortszentrum ab, so Gemeinderatsmitglied Markus Hoffmann (CSU). „Bei der Nahversorgung geht es um den Lebensmitteleinkauf im Ortszentrum, aber auch generell um Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs“, also etwa „das akute Thema“ Post, aber auch Bankdienstleistungen.

An ältere Bürger denken

„Das Ganze ist zum einen ein Thema der Erreichbarkeit für ältere Menschen. Oft ist aufgrund der nicht mehr möglichen Mobilität fußläufige Erreichbarkeit notwendig, die nur im Ortszentrum gut ist“, betont Hoffmann. Zudem wolle oder könne nicht jeder alles digital erledigen. Dies beträfe insbesondere ältere Mitbürger, „aber natürlich auch alle, die den persönlichen Kontakt suchen. Eine Balance zwischen Online und den Dienstleistungen, die weiterhin vor Ort erledigt werden können, ist daher nötig“. Markus Hoffmann sieht darin aber auch eine soziale Komponente und letzten Endes ein Stück Lebensqualität: „Alles, was sich entlang der Münchner und der Tegernseer Straße abspielt, hält den Ort lebendig und sorgt für persönliche Begegnungen.“ Zudem sei das Ganze ein ökologisches Thema: Wer Einkäufe zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigen kann, verzichtet häufiger auf das Auto, so sein Kalkül.

„Bitte geht im Ort einkaufen“, wie hier beim Edeka, lautet der Appell von Bürgermeisterin Barbara Bogner. 

Zwei Stimmen gegen Konzept

Das muss sich gleichwohl für den Einzelhandel lohnen. Barbara Bogner appellierte deshalb „an alle, die hier im Saal sitzen: Bitte geht beim Edeka im Zentrum einkaufen!“ Der CSU-Antrag auf eine Konzept zur langfristigen Sicherung fand denn auch eine Mehrheit im Gemeinderat, wenn auch nicht nur Beifall. So fragte Bernhard Lederer (UBV): „Was soll denn da drin stehen?“ Er plädierte für „einfach machen“, aber ohne Konzept. Ähnlich sieht es auch Ursula Gresser (FDP), sie hält den Antrag für schlichtweg überflüssig: „Die Gemeinde versucht doch schon alles!“ Beide Gemeinderäte stimmten gegen den Beschlussvorschlag.