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Leverkusen jagte einen Mörder: Vor 25 Jahren wurde die 14-jährige Sabine getötet

Leverkusen -

Vor 25 Jahren geschah in Leverkusen ein Verbrechen, das über einen Monat die Stadt beschäftigte. Die Tötung der 14-jährigen Sabine W. aus Mathildenhof, Schülerin der Gesamtschule Schlebusch.
Die Jagd nach dem Täter hielt damals die Stadt und besonders Eltern unter Spannung. Aber auch die Polizei, denn die brauchte einen Monat, bis er hinter Gittern saß.

Staatsanwaltschaft: Der Täter sitzt noch

Eine Nachfrage des Leverkusener Anzeiger bei der Staatsanwaltschaft ergab: Der wegen Totschlags, Vergewaltigung und mehrfacher sexueller Nötigung zu 15 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilte Täter Oliver H. aus Steinbüchel sitzt auch im Jahr 2021, als inzwischen 50-Jähriger, immer noch im Knast.

Die Tat beging er mit 25 Jahren. Während der Untersuchungshaft kamen Gutachter zur Einschätzung, dass sich der Gelegenheitsarbeiter nicht mit seinen Taten auseinandersetze, dass er deshalb eine Gefahr für die Allgemeinheit bleiben würde. Ein Psychiater bescheinigte ihm den Hang, Gewalt über Schwächere auszuüben. Deshalb verhängten die Richter die Sicherungsverwahrung, die sich bis heute hinzieht. Offenbar hat sich an der schlechten Sozialprognose der Psychologen also nichts geändert.

Leiche der Gesamtschülerin lag im Gebüsch

Die Leiche der Gesamtschülerin fand man am Samstagmorgen des 12. Oktober 1996 im Gebüsch an der Oulustraße. An der Stelle unterhalb des Oulusees zeugt auch heute noch ein kleines Metallkreuz vom Tod der Leverkusenerin.

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Die Montagsausgabe vom 14. Oktober 1996

Als man sie fand, hatte die Jugendliche schon etwas mehr als 24 Stunden tot in dem Gebüsch gelegen. Der Täter hatte sie am Freitagmorgen auf dem Schulweg zwischen ihrem Elternhaus in Mathildenhof und der Gesamtschule erst sexuell missbraucht und dann erdrosselt. An diesem Freitag war das Mädchen ausnahmsweise alleine den Weg zur Schule gegangen, weil ihre Freundin krank war. Der Druck auf die Polizei steigerte sich innerhalb von Stunden: Ungewöhnlicherweise hielt die damals eigenständige Leverkusener Polizei eine erste Pressekonferenz noch am Sonntag ab.

Es gab Zeugen und Hinweise

Es gab Hinweise: Ein Klassenkamerad hatte einen Mann beobachtet, der der Schülerin gefolgt war. Er hatte den Mann und das Mädchen dann aus aus den Augen verloren und kurz darauf gesehen, wie der Mann aus dem Gebüsch kam, doch er dachte sich nichts dabei. Ein Phantombild wurde erstellt und ausgehängt.

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Der Verhaftete wurde öffentlichkeitswirksam abgeführt. 

Über 300 Hinweise erhielt die Polizei, aber ausgerechnet nicht zu dem Täter, der im Edeka-Laden an der Berliner Straße regelmäßig an seinem eigenen Phantombild vorbeilief – ohne erkannt zu werden.

Zur großen Beerdigung, eine Woche nach dem gewaltsamen Tod des Mädchens kamen viele ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler. Inzwischen machte sich zunehmend Unbehagen breit, weil der Täter noch frei herumlief. Ende Oktober, drei Wochen nach der Tat, beteiligten sich 2000 Jugendliche an einem Fackelzug, um an die getötete Mitschülerin zu erinnern. Immer noch war der Täter frei.

Vergewaltigungen in Serie

Knapp einen Monat nach dem Mord fiel H. über seinen zwanghaften Hang zur Gewalt gegen junge Frauen: Er vergewaltigte eine 18-jährige Bekannte am Hemmelrather Weg. Die konnte sich befreien, rief die Polizei, die H. kurz darauf in Tatortnähe festnahm. Noch in der Nacht gestand er den Mord an Sabine W.

Ausriss November 1996 Sabine W.

Der Täter sitzt ein – auch nach 25 Jahren noch.

Die junge Frau wurde im Prozess zwei Jahre später eine wichtige Zeugin. Das Geständnis widerrief der Täter. Der Prozess brachte den Eltern, Freunden und Angehörigen des Opfers wenig Ruhe – wegen der allgemein als unredlich empfundenen Verteidigungsstrategie. Alles half Oliver H. nichts, das Urteil stützte sich hauptsächlich auf die Aussagen weiterer Missbrauchs- und Vergewaltigungsopfer und auf die Mikrospuren vom Tatort. Es hielt einer Revision stand.

Sabine W. liegt auf dem Friedhof Scherfenbrand, der Täter sitzt wahrscheinlich in Hamm, aber das ist unbestätigt. Laut Gesetz wird automatisch jedes Jahr geprüft, ob die Sicherungsverwahrung weiterhin gerechtfertigt ist.

Bei der jüngsten Prüfung im Mai war sie es laut Staatsanwältin Lisa Klefisch noch. Der Richter Dietmar Herfs sagte beim Urteil, dass es lange Zeit dauern müsse, bis an eine Freilassung des Verurteilten gedacht werden könne – er hatte Recht.