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Missglückte Übung mutierte zu VIVO-Großbrand: 400 Tonnen Wertstoffe gingen in Flammen auf

Erinnerung an den Kirchweihsamstag vor 25 Jahren: Alle Landkreis-Feuerwehren waren im Einsatz, um den Großbrand auf dem VIVO-Gelände bei Lochham in den Griff zu bekommen.

Eine Großübung sollte es werden, am Ende kämpften 260 Feuerwehrmänner aus dem ganzen Landkreis gegen einen ausgewachsenen Großbrand: Der VIVO-Brand von 1996 jährt sich heuer zum 25. Mal. Erinnerungen an einen denkwürdigen Kirchweih-Samstag.

Warngau - Vor genau 25 Jahren, am 19. Oktober 1996, verursachte eine missglückte Rauchsimulierung auf dem VIVO-Gelände bei Lochham (Gemeinde Warngau) ein Flammenmeer. Eine Lagerhalle, voll gepackt mit Wertstoffen, brannte komplett nieder. Der Schaden ging in die Millionen.

Die größte Sorge der Rettungskräfte galt an diesem denkwürdigen Kirchweihsamstag der schwarzen, beißend stinkenden Rauchwolke, die der Wind auf über 30 Kilometer im Oberland verteilte. Kreisbrandrat Anton Riblinger, damals Kreisbrandmeister, erinnert sich, wie ein Toxikologe vom Münchner Klinikum rechts der Isar herbeieilte, um den Rauch auf giftige Dämpfe zu untersuchen. Der Experte gab schließlich Entwarnung. „Mittlerweile haben wir als Feuerwehr eigene Möglichkeiten, den Rauch schnell auf Gifte zu messen“, sagt Riblinger. Besonders ausgestattet und geschult sind dafür die Feuerwehren Weyarn, Hausham und Tegernsee.

Aus der Inszenierung war bitterer Ernst geworden

Pikant war, dass ein Aktiver der Münchner Berufsfeuerwehr den Brand gelegt hatte, wenngleich unbeabsichtigt. Rauchpulver sollte in besagter Halle ein Feuer simulieren, stattdessen entzündeten sich rund 400 Tonnen Papier, Kartonagen, Plastik und Leichtmetalle. Als die Wehren der Umgebung eintrafen, war aus der Inszenierung bitterer Ernst geworden. Haushoch schlugen die Flammen, wie der Holzkirchner Merkur seinerzeit berichtete.

„Die Halle war nicht mehr zu retten“, erinnert sich Riblinger. Eine verschlammte Zisterne erschwerte den Löschwassernachschub. 75 Atemschutz-Träger unter dem Kommando des damaligen Kreisbrandrats und Einsatzleiters Michael Röhrl leisteten Schwerstarbeit. Löschschaum auf dem Boden, dicker Rauch und 878 lichterloh brennende Wertstoffballen vermengten sich zu einem bizarren Szenario.

„Verglichen mit damals hat sich unsere Ausrüstung wesentlich verbessert“, stellt Riblinger fest. Deutlich mehr Tanklöschfahrzeuge ermöglichen einen schnelleren Zugriff. Die Ausrüstung der Atemschutzträger ist leichter geworden. Und jede Wehr verfügt über Wärmebildkameras, um Glutnester lokalisieren zu können.

Verletzte gab es vor 25 Jahren nicht, dafür aber den Spruch eines Schaulustigen, den der damalige Reporter fleißig notierte: „Damit ist der Landkreis Miesbach wohl auch in die Müllverbrennung eingestiegen.“