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Mit einer Museumswohnung erinnert der Museumsverein Reutte an die Vertreibung der Südtiroler

Die Fassadengestaltung lässt klar nationalsozialistisches Gedankengut erkennen. Des Öfteren wurde darüber in der Reuttener Bevölkerung diskutiert. Sie ist jedoch ein Zeitdokument und soll als Mahnmal erhalten bleiben.

Gegen das Vergessen

Mit einer Museumswohnung erinnert der Museumsverein Reutte an die Vertreibung der Südtiroler

Reutte – Mit einer Aktion gegen das Vergessen hat der Museumsverein unter dem Motto „Erinnerungsort Museumswohnung Südtirolersiedlung“ eine Wohnung zurück gebaut und sie nach den Maßstäben der 1940er Jahre eingerichtet. Damit will der Verein an die Umsiedlung von rund 75.000 Tiroler erinnern. Vor allem den Jüngeren solle so Geschichte vermittelt werden, betonte Museums-Obmann Ernst Hornstein anlässlich einer Feierstunde.

Eine Südtirolersiedlung in Reutte? Ja, die gibt es – eine Tatsache, die in der Region jedoch weniger bekannt ist. Und doch ist die Siedlung im Bezirkshauptort eine der wenigen, die 80 Jahre nach dem Bau auch heute noch besteht. 138 Familien fanden damals in den 155 Wohnungen der 18 Wohnhäuser ein neues Dach über dem Kopf.

Doch wie entstand diese „Siedlung“, wie sie heute heißt, und in der Mitte der Marktgemeinde liegt? Dafür ist ein Blick in das beginnende 20. Jahrhundert notwendig. Südtirol war seinerzeit bis zum Ende des ersten Weltkrieges in 1918 ein Teil von Österreich, dem damaligen Habsburgerreich. 1919 wurde Südtirol schließlich im Vertrag von Saint Germain endgültig Italien zugeschlagen und die dortigen Faschisten forcierten ab 1923 eine strikte Italienisierungssiedlungspolitik: Sie verboten die deutsche Sprache, schlossen die Schulen und siedelten Italiener aus dem Süden an.

Die Küchenzeile mit Waschbecken, E-Herd und Holzherd – die Wohnungen waren für die damalige Zeit recht komfortabel zugeschnitten. Neben der Küche, dem Bad einem Schlafzimmer sowie Kinderzimmer gab es ein Kellerabteil.

Die Hoffnung, dass Hitler nach dem Anschluss Österreichs 1938 Südtirol wieder heim ins Reich holen würde, wurde enttäuscht. In einem „Hitler-Mussolini-Abkommen wurde das Schicksal Südtirols besiegelt. Die Südtiroler wurden vor die Wahl gestellt, entweder die deutsche Staatsbürgerschaft zu wählen mit der Folge oder für die italienische Staatsbürgerschaft zu stimmen. Lehnten sie letzteres ab, führte das zum Verlust jeglichen Schutzes. Die Option Umsiedlung wählten 75.000 Südtiroler und für diese „Optanten“ musste Wohnraum geschaffen werden.

In der Folge entstanden die sogenannten Südtirolersiedlungen in 22 verschiedenen Orten in Tirol, unter anderem auch in Reutte. Die hiesige ist eine der wenigen, die noch heute besteht. Baubeginn war 1940 und die gesamte Siedlung umfasste 18 Wohnhäuser mit 155 Wohnungen. Es zogen 138 Familien in die Wohnungen ein, wovon rund die Hälfte keine Südtiroler Umsiedler waren sondern Parteimitgliedern der NSDAP, Kriegsversehrte und Vertriebene. Heute stehen 53 Prozent der Siedlung unter Denkmalschutz.

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