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Mysteriöse Treppen und Tunnel sowie Tür ins Nichts: 9 Geheimnisse zur Münchner U-Bahn

50 Jahre bringt die Münchner U-Bahn die Menschen in der Landeshauptstadt schon an ihr Ziel. Wir verraten Kurioses und Geheimnisvolles aus dem Münchner Untergrund.

München - Mit dem Startsignal für die erste U-Bahn im Tunnel zwischen Kieferngarten und Goetheplatz begann vor 50 Jahren, am 19. Oktober 1971, eine neue Ära des Nahverkehrs in München. Heute ist die U-Bahn das Rückgrat der Mobilität in München. In unserer Serie „50 Jahre U-Bahn“ widmen wir uns den Menschen, Geschehnissen und Visionen, die über fünf Jahrzehnte hinweg bewirkt haben, dass München mobil bleibt. Heute lesen Sie, warum die U-Bahn Taucher braucht und was passiert, wenn man die letzte Station verpasst.

Geheimnisse im Münchner Untergrund: Der U-Bahn-Taucher

Klingt ausgedacht, aber diesen Beruf gibt es wirklich – und er ist wichtig. Der U-Bahn*-Taucher sorgt dafür, dass die U-Bahnschächte trocken bleiben. Weit über die Hälfte der Münchner U-Bahnstrecken verlaufen im Grundwasser. Damit das Wasser nicht in die Tunnel und in benachbarte Keller läuft, muss es in sogenannten Dükern, dicken Rohren, unter dem Bauwerk hindurchgeleitet werden.

Hier kommen die U-Bahn-Taucher zum Einsatz. Sie tauchen in die mit Grundwasser gefüllten Schächte und überprüfen, ob alles in Ordnung ist oder ob die Düker verstopft oder beschädigt sind. Rund alle fünf Jahre ist diese Kontrolle fällig. Bei insgesamt 400 Schächten sind die Taucher vier bis sechs Wochen im Jahr im Einsatz.

München: Geheimnisse U-Bahn - Ein stilles Örtchen hinter dem Spiegel

Haben Sie sich schon mal gefragt, was ein U-Bahnfahrer macht, wenn er muss? Ganz einfach: Er geht zur Toilette. Und die befindet sich in vielen Stationen direkt hinter den Spiegeln am Bahnsteigende. Die MVG will aber nicht verraten, hinter welchen. Schließlich sind die Klos nur fürs Personal. Zudem sind sie abgesperrt. Wer dorthin klettert, begibt sich in Lebensgefahr! Statt des stillen Örtchens ist hinter manchen Spiegeln auch einfach nur ein Betriebsraum.

Geheimnisse im Münchner Untergrund: Schwammerlzucht im Stollen

Schwammerl im U-Bahnhof: Was nach einem urbanen Mythos klingt, ist tatsächlich passiert. Bereits 1928 gab es Pläne für ein Münchner U-Bahnnetz. Die wurden aber durch die Weltwirtschaftskrise und den Zweiten Weltkrieg vereitelt. Das einzige Vorkriegsbauwerk der U-Bahn ist laut Baureferat die Station am Goetheplatz.

Hinzu kommt ein Stück Tunnel in Richtung Sendlinger Tor. Ab 1947 pachtete ein Münchner die etwa 4000 Quadratmeter große Anlage – um dort Champignons zu züchten. Die gediehen im feuchtwarmen Klima hervorragend. In den 60ern, als die heutige U-Bahn hier gebaut wurde, war Schluss mit den Schwammerln.

München: U-Bahn-Geheimnisse - Ein vermeintliches Nazi-Schild

Ein altes Schild im U-Bahnhof Sendlinger Tor hat 2019 Historiker vor ein Rätsel gestellt. Aufgetaucht ist das Schild, als im Zuge der Sanierung eine Wandverkleidung abgenommen wurde. Direkt bei der Einfahrt der Linien U1/U2 steht „Achtung Fahrbetrieb – Stollen nur auf Laufsteg begehen!“ Die Frakturschrift erinnert an die Zeit des Nationalsozialismus. Aus dieser Zeit kann das Schild aber nicht stammen.

Die Arbeiter, die vor dem Zweiten Weltkrieg in Hitlers Auftrag Tunnel für ein Stadtbahnnetz gruben, waren nicht so weit gekommen. MVG-Sprecher Johannes Boos erklärt: „Das Schild stammt aus der Zeit des Probebetriebs Ende der 1970er-Jahre. Warum es damals in dieser markanten Schriftart verfasst wurde, lässt sich leider nicht mehr klären.“

Geheimnisse im Münchner Untergrund: Geheimer Tunnel unter der Wiesn

Der einzige U-Bahn-Tunnel, den nie ein Fahrgast zu Gesicht bekommt, führt unter der Theresienwiese hindurch. Er verbindet die Bahnhöfe Implerstraße (U3/U6) und Schwanthalerhöhe (U4/U5). Unter der Wiesn ist sogar ein richtiger Bahnhof inklusive Bahnsteig, aber hier dürfen nur MVG-Mitarbeiter einsteigen. 1984 wurde das erste Teilstück der U4/U5 von der Westendstraße bis zum Stachus eröffnet. Weil dieser Abschnitt noch keinen Anschluss ans übrige U-Bahn-netz hatte, wurde der Verbindungstunnel gebaut. Seitdem nutzt die MVG die Röhre als Abstellgleis. Dort stehen auch Ersatzzüge bereit.

Geheimnisse im Münchner Untergrund: Die allererste U-Bahn

Was kaum einer weiß: Bereits 1910 gab es die erste U-Bahn in München. Die Post-U-Bahn fuhr auf einer 450 Meter langen Trasse vom Hauptbahnhof* zum Bahnpostamt an der Hopfenstraße. Der postalische U-Bahn-Betrieb lief bis 1988. Der Tunnel und die benachbarten Katakomben verkamen zum Treffpubnkt für Drogendealer und Süchtige. Heute dient der Tunnel zum Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke. „Dort ist ein Wasserleitungssystem für den Bau der neuen Tunnelstation am Hauptbahnhof“, so eine Sprecherin der Deutschen Bahn.

Geheimnisse im Münchner Untergrund: Eine Tür ins Nichts am Wettersteinplatz

18 Meter breit, 110 Meter lang, neun Meter hoch und völlig ungenutzt ist eine geheime Kammer im U-Bahnhof Wettersteinplatz. Eine Stahltür hinter dem Fahrstuhl führt hinein. Immer wieder wurde geprüft, wie man den Raum nutzen könnte. Auch ein Parkhaus war im Gespräch.

Doch laut MVG schweiterten alle Überlegungen an Sicherheitsfragen. Der Hohlraum entstand 1986 aus geografischen Gründen. Der Bahnsteig am Wettersteinplatz musste sehr tief angelegt werden, damit die Steigung vom Kolumbusplatz her nicht zu groß wird. Hätte man das Loch über dem Bahnhof einfach zugeschüttet, hätte die Decke eine enorme Last tragen und entsprechend stabil gebaut werden müssen. Das wäre teurer gewesen als die Hohlraum-Konstruktion mit zwei Decken.

Geheimnisse im Münchner Untergrund: Schneller zur Wiesn

6,3 Millionen Menschen besuchten 2019 die Wiesn. Damit all diese vielen Leute die Gaudi schneller genießen können, fahren zur Oktoberfest-Zeit die Rolltreppen an der Theresienwiese schneller. „Für gewöhnlich legt die Treppe 0,5 Meter pro Sekunde zurück“, sagt MVG-Sprecher Boos. Zur Wiesn-Zeit seien es 0,68 Meter.

Geheimnisse im Münchner Untergrund: Lebensrettendes Relikt

Die Druckkammer der Feuerwache Ramersdorf hat in den letzten 50 Jahren mehr als 1000 Menschen das Leben gerettet – vor allem Hobbytauchern, die zu schnell aufgetaucht sind, und Menschen, die eine Sauerstoff-Überdrucktherapie benötigten. Angeschafft wurde die Anlage für den U-Bahn-Bau. Die Tunnel entstanden teils in Druckluft-Bauweise: In der Baustelle herrschte Überdruck, der den Druck des Grundwassers ausgleichen sollte.

Nach ihrer Schicht mussten die Arbeiter allmählich wieder an den normalen Luftdruck angepasst werden, sonst drohte die lebensgefährliche Taucherkrankheit: Stickstoff, der sich bei hohem Druck im Blut gelöst hat, perlt bei plötzlichem Druckabfall aus wie die Kohlensäure beim Öffnen der Mineralwasserflasche.

In einer Dekompressionsschleuse an der Baustelle wurde der Luftdruck so langsam gesenkt, dass das überschüssige Gas durch die Atmung gefahrlos aus dem Blut entweichen konnte. Einen Verunglückten medizinisch zu versorgen, wäre dort aber nicht möglich gewesen. Dafür gab es die Druckkammer. Im Februar 2021 bezog die Feuerwache Ramersdorf einen neuen Standort. Seither gibt es auch eine neue Druckkammer.

Geheimnisse im Münchner Untergrund: Aufwachen im Abstellgleis?

Was passiert, wenn man vor Betriebsschluss in der U-Bahn einschläft? Keine Sorge. „Niemand kann plötzlich alleine auf dem Abstellgleis aufwachen“, versichert Boos. Abstellanlagen gibt es sowohl im Netz (zum Beispiel zwischen den Bahnhöfen Münchner Freiheit und Dietlindenstraße sowie zwischen Westendstraße und Friedenheimer Straße) als an den Endpunkten der Linien. Bevor ein Zug hier zur Betriebspause einrückt, vergewissert sich der Fahrer, dass alle Fahrgäste ausgestiegen sind. VON LAURA FELBINGER

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