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Nach Austritt aus Klimarat: So will die Wirtschaft nachhaltig werden

Streitpunkt Verkehr: Viele Arbeitnehmer und Handwerker pendeln nach Kassel wie hier auf der Kurt-Wolters-Straße. Nach Meinung von Wirtschaftsvertretern werden deren Belange im Klimaschutzrat nicht ausreichend berücksichtigt.

Zuletzt sorgte die Kasseler Wirtschaft für Aufsehen, als sie aus dem Klimaschutzrat austrat. Nun stellte sie ihr eigenes Programm vor, mit dem sie Kassel nachhaltig machen will.

Kassel – Klimaschutz und Nachhaltigkeit könnten die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft erhöhen. Dies ist eine These eines Impulspapiers, das die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VHU), die Handwerkskammer Kassel sowie die Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg (IHK) am Montag vorstellten. Demnach könnte sich „die Region zu einem Magneten für Fachkräfte und Investoren entwickeln“, wie es in dem Papier mit dem Titel „Nordhessen und Region Marburg auf dem Weg zur Klimaneutralität“ heißt.

Die Präsentation war durchaus mit Spannung erwartet worden, nachdem die drei Institutionen Ende Oktober mit ihrem Rückzug aus dem Klimaschutzrat Schlagzeilen gemacht hatten. Das Gremium soll Maßnahmen erarbeiten, wie Kassel das selbst gesteckte Ziel der Klimaneutralität bis 2030 erreichen kann. Die Wirtschaftsvertreter kritisierten unter anderem die Zusammensetzung des Rates, in dem Umweltgruppen aus ihrer Sicht unrealistische Forderungen stellen würden. „Wir können mit solchen radikalen Gruppen nicht umgehen“, sagte VHU-Geschäftsführer Jürgen Kümpel am Montag.

Das von Martin Hein, dem Leiter des Rats, ausgesprochene Angebot zu einem Gespräch unter der Leitung von Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) will IHK-Hauptgeschäftsführer Arnd Klein-Zirbes zwar annehmen. Eine Rückkehr in das Gremium hält er aber momentan für unrealistisch: „Zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich das nicht.“

Die Idee zum Impulspapier, das wurde bei der Präsentation in der Handwerkskammer betont, ist jedoch viel älter als der Ausstieg aus dem Rat. Bereits vor einem Jahr hätten sich führende Kammer-Vertreter und Unternehmer das erste Mal darüber ausgetauscht.

Das Papier zeigt auf, wie der Transformationsprozess aus Sicht der Wirtschaft gelingen kann. Wichtig sind demnach vor allem Innovationen und ein Einklang von Ökonomie, Ökologie und Sozialem. Zudem werden diverse Angebote aufgelistet, die Unternehmen nutzen können, um klimaneutral zu werden – von der Fördermittelberatung der Kammern bis zu einer Innovationsplattform für den Wissenstransfer zwischen Akteuren. „Das Papier steht dafür, dass man sich auf den Weg gemacht hat“, sagte Klein-Zirbes.

So soll es im kommenden Jahr einen Workshop mit ausgewählten Unternehmen geben. Arbeitsgruppen sollen mittelfristig konkrete Maßnahmen erarbeiten. Zugleich will man weiter den Dialog mit der Politik suchen. „Wir wollen die Arbeit des Klimaschutzrats nicht boykottieren, sondern einen eigenen Blick auf die Dinge werfen“, sagte Handwerkskammer-Präsident Frank Dittmar.

Wirtschaftsvertreter kritisieren unter anderem, dass der Rat beim Thema Verkehr zu wenig die Belange von Pendlern berücksichtige. Die neue Initiative richtet sich dagegen an die ganze Region, denn „der Klimawandel endet nicht an der Stadtgrenze“, wie IHK-Präsident Jörg Ludwig Jordan sagte. Für den neuen Regionalmanager Kai Georg Bachmann ist das Projekt eine „riesengroße Chance für die Region“. Bei einem Erfolg „können wir den anderen zeigen, wie es geht“. (Matthias Lohr)