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Nachbarn streiten in Kirchditmold um Hundegebell

Leidet unter Hundegebell: Ljiljana Szeidemann aus Kirchditmold wünscht sich nur Ruhe, damit sie wieder durchschlafen kann.

In Kirchditmold gibt es seit Jahren ein Nachbarschaftsstreit wegen Hundegebell. Eine Schichtarbeiterin berichtet, sie könne deshalb nicht schlafen.

Kassel - Ljiljana Szeidemann aus Kirchditmold hat einen großen Wunsch: Schlafen. Endlich in Ruhe Schlafen. Leider gelingt das der 53-Jährigen seit Jahren nicht. Schuld daran seien vor allem die Hunde der Nachbarn, die zu häufig bellten. Dabei habe sie den Schlaf nötig, weil sie wegen ihres Schichtdienstes bei VW unregelmäßige Arbeitszeiten habe und ihr Tag-Nacht-Rhythmus gestört sei. Jeder Klärungsversuch mit den Nachbarn sei gescheitert.

„Ich bin wirklich verzweifelt“, sagt Szeidemann. Seit den 1980er-Jahren wohnt sie in ihrem Haus an der Hangarsteinstraße in Kirchditmold. Lange Zeit sei sie mit den Nachbarn gut ausgekommen. „Wir hatten ein gutes Verhältnis. Ich habe da auch Kuchen vorbeigebracht“, erzählt die 53-Jährige. Doch nachdem sie 2014 eine Umschulung zur Mechatronikerin gemacht habe, hätten die Probleme begonnen. Ab dieser Zeit bestanden ihre Arbeitstage in der Produktion bei VW aus Früh-, Spät- und Nachtschicht. Doch an das Schlafen während des Tages sei nicht zu denken gewesen.

„Die drei Hunde sind sehr häufig im Garten und bellen teilweise schon morgens um 7 Uhr, wenn die ersten Passanten vorbeikommen“, sagt die Kirchditmolderin. Die Tiere würden bei fast jedem Fußgänger, der am Grundstück vorbeilaufe, anschlagen. „Als ich das Gespräch mit den Nachbarn gesucht habe und darum bat, zumindest während meiner Nachtschichten aufzupassen, dass die Hunde nicht bellen, haben die mich ausgelacht“, so Szeidemann.

Sie habe schon versucht, in ihrem Haus in anderen Zimmern zu schlafen, aber das durchdringende Bellen sei überall zu hören und reiße sie aus dem Schlaf. Auch Ohrstöpsel brächten keinen Erfolg. „Inzwischen nehme ich starke Schlafmittel und trotzdem werde ich wach. Ich kann nicht mehr“, sagt die VW-Mitarbeiterin. Viele Kollegen im Schichtdienst hätten ähnliche Probleme mit bellenden Hunden.

„Ich habe nichts gegen Hunde. Im Gegenteil. Aber man kann sie so erziehen, dass sie nicht dauernd bellen“, sagt Szeidemann. Auch in der weiteren Nachbarschaft gebe es Hundebesitzer. Aber deren Tiere würden deutlich seltener bellen. Auf Nachfrage beim Ordnungsamt habe man ihr gesagt, dass man da wenig machen könne. „Erst wenn die Tiere eine halbe Stunde am Stück bellen, sei dies möglich.“

Häufig schon habe sie die Geduld verloren und die Nachbarn angeschrien, für Ruhe zu sorgen, räumt Szeidemann ein. Aber sie wisse sich eben nicht mehr anders zu helfen. „Als Schichtarbeiter hat man keine Rechte.“

Auf HNA-Anfrage räumen die Nachbarn den Streit ein. Die Tiere seien aber nicht so oft im Garten, wie Szeidemann behaupte. Außerdem würden auch andere Hunde in der Nachbarschaft bellen. Dies sei normales Revierverhalten. Szeidemann und ihr Mann würden mit vielen Nachbarn im Streit liegen.

Ljiljana Szeidemann will nun den Schiedsmann für Kirchditmold einschalten.

Das sagt der Hundetrainer: Hundeerzieher Volker Koch aus Kaufungen kennt solche Probleme: „Wenn Hunde durch häufiges Bellen in der Nachbarschaft für Unfrieden sorgen, kann man als Halter etwas dagegen tun. Wir erleben das in unserer Hundeschule häufiger, dass Halter mit diesem Problem zu uns kommen. Dann trainieren wir dem Hund dieses Verhalten ab.

Es ist nicht einfach, aber möglich. Denn im Grunde ist das Bellen erstmal eine natürliche Reaktion des Hundes. Er sieht jemanden vorbeigehen und freut sich entweder darüber oder aber versucht, sein Revier zu verteidigen. In beiden Fällen wird er auf die Person zulaufen und bellen. Und in beiden Fällen wird der Passant eine Reaktion zeigen – entweder indem er dem Tier liebevoll zuredet oder aber weitergeht.

Für den Hund bedeutet dies in jedem Fall eine Belohnung seines Verhaltens. In dem Training wird dem Hund beigebracht, dass er bei Sichtung von fremden Personen am Grundstück nicht loslaufen und bellen, sondern sein Herrchen aufsuchen soll. Dort bekommt er dann Futter. So lernt er: Ich sehe Fremde am Grundstück vorbei gehen und hole mir meine Belohnung bei meinen Menschen ab. So bellt er nicht und wird dennoch belohnt.“

Das sagt die Stadt Kassel: „Gerichte haben sich in der Vergangenheit immer wieder mit Hundegebell befasst. In dem Zusammenhang hat sich eine ständige Rechtsprechung etabliert. In den Nachtstunden zwischen 22 und 6 Uhr und in der Mittagszeit zwischen 13 und 15 Uhr muss Hundegebell in aller Regel nicht hingenommen werden. Ansonsten wird immer wiederkehrendes, länger als zehn Minuten ununterbrochen andauerndes Bellen als problematisch erachtet“, so ein Sprecher der Stadt.

In der Regel handele es sich beim Streit ums Bellen um zivilrechtliche Nachbarschaftsstreitigkeiten. Betroffene sollten Lärmprotokolle führen, in denen Tag, Uhrzeit und Dauer des Bellens vermerkt werden. Vor einer Klage sei eine Streitschlichtung vorgesehen. Betroffene können sich an die für ihren Wohnsitz zuständigen Schiedsämter richten.

Auf kassel.de gibt es das Schiedsamtsverzeichnis. (Bastian Ludwig)

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