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Neue Geschäftsführer bringen frischen Wind auf den Kirchhof in Oberellenbach

Neues Geschäftsführer-Duo: Jonathan von Mackensen (links) und Julian Schnütgen im Stall ihrer Demeter-Kühe, die an ihren Hörnern zu erkennen sind.

Das neue Geschäftsführer-Duo auf dem Kirchhof will mit seinem Team den pädagogischen Teil des Hofs ausbauen und auch das Angebot an Lebensmitteln erweitern.

Oberellenbach – Der Kirchhof hat ein neues Geschäftsführer-Duo. Seit 2018 waren einige Versuche, den Hof wieder in geordnete Bahnen zu lenken, gescheitert. Nun hat es geklappt. Eine der Kommanditistinnen aus Kassel gewann ihren Bekannten Jonathan von Mackensen für Oberellenbach, der gemeinsam mit Julian Schnütgen hoch motiviert ans Werk gegangen ist.

Seite Mai sind beide zusammen voll verantwortlich für den Betrieb. Die beiden Männer kennen sich aus gemeinsamen Zeiten auf dem Eschenhof bei Wolfhagen – ein Demeterbetrieb, ebenso wie der Kirchhof.

Der Kirchhof steht in Oberellenbach, wie es der Name schon sagt, direkt neben der Kirche.

Das Duo will mit seinem Team den pädagogischen Teil des Hofs ausbauen. Der 33-jährige Jonathan von Mackensen ist nicht nur Landwirt, sondern auch ausgebildeter Erzieher. Sie sprechen unter anderem Schulklassen an, die für längere Zeit nach Oberellenbach kommen und dort mitarbeiten. Ein landwirtschaftliches Praktikum gehört zum Konzept von Waldorfschulen. Drei Klassen waren in diesem Jahr trotz Corona schon für jeweils zwei Wochen da. „Das hat mit Hygienekonzept bestens funktioniert. Für die Kinder war das besonders schön nach den schwierigen vergangenen anderthalb Jahren. Hier kann man außerhalb der Schule gemeinsam im Klassenverband an etwas arbeiten. Die Nachfrage ist groß“, berichtet von Mackensen.

Übernachtung in Zelten

Es gebe nur wenige Betriebe, die die Praktika für komplette Klassen anbieten. Schon jetzt haben die Oberellenbacher mehrere Anfragen für das kommende Jahr, ohne bislang viel Werbung zu machen. Die Kinder werden in die gesamte Arbeit auf dem Hof eingebunden und übernachten in Zelten. Außerdem gibt es eine Kooperation mit dem Umweltbildungszentrum Licherode. Auch von dort kommen Schulklassen für Führungen. Von Mackensen kümmert sich hauptsächlich um das Pädagogische, die Vermarktung und das Büro. Der 40-jährige Julian Schnütgen ist für die 40 Demeter-Kühe und die weitere Landwirtschaft zuständig.

Auch Abo-Kisten mit Lebensmitteln

Auch in diesem Bereich soll das Angebot ausgebaut werden. Kerngeschäft des Kirchhofs ist die Herstellung von Milchprodukten. Neben Käse sind das auch Butter, Sahne, Schmand und Yoghurt. Außerdem will Schnütgen nächstes Jahr auch Möhren, Kartoffeln und Zwiebeln anbieten. Neben der Direktvermarktung bieten die Oberellenbacher auch Abo-Kisten mit Lebensmitteln an – Kunden gibt es nicht nur im Landkreis, sondern bis nach Kassel. Bestellen kann man auch im Online-Shop.

Flächen für mehr Ackerbau hat der Kirchhof. Dem Trägerverein gehören insgesamt 116 Hektar – je zur Hälfte Grünland und Äcker. Der Betrieb ist damit so groß, dass er nur mit Hilfe funktioniert. Dazu gehören nicht nur Gesellen, Lehrlinge, Käserinnen und Absolventen des Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ).

Jeder ist willkommen

„Wir freuen uns immer über Besuch. Wir sind nur die Geschäftsführer. Der Bauernhof wird von einer Kommanditgesellschaft geführt. Die Idee ist, dass sich hier viele Leute einbringen“, betont von Mackensen. Trägerverein und Kommanditgesellschaft würden sich über neue Mitglieder freuen. Nur dann funktioniere das Konzept auf Dauer (siehe Artikel unten). Grundsätzlich ist auf dem Hof jeder willkommen. Derzeit ist eine junge Frau aus Berlin da, die eine Zeit lang mitarbeiten möchte.

Auf dem Markt in Rotenburg

Von Mackensen und Schnütgen berichten, dass sie von den Einheimischen mit Freude begrüßt wurden. „Die Leute finden es gut, dass es hier weitergeht“, sagt Schnütgen. Neben dem Hofladen werden die Produkte übrigens auf dem Markt in Rotenburg verkauft – auch wenn der Stand, der wegen der Marktplatz-Baustelle in die Gasse neben der Kirche ausweichen musste, im Moment nicht so viele Kunden hat wie sonst. Der Hofladen ist immer montags bis freitags von 9.30 bis 12.30 Uhr und montags bis donnerstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
(Christopher Ziermann)

kirchhof-oberellenbach.de

Zu den Personen

Jonathan von Mackensen (33) ist in Berlin aufgewachsen. Nach der Schule sammelte er auf dem Hof seines Onkels erste Erfahrungen und begann eine Ausbildung zum Landwirt auf einem Hof bei Lüneburg. Dort arbeitete er auch erstmals mit Schulklassen. Die Ausbildung führte ihn auch zum Eschenhof bei Wolfhagen. Danach absolvierte er eine Ausbildung zum Erzieher in Kassel und arbeitete zwei Jahre in Berlin. Es folgten vier Jahre auf einem Hof an der Ostsee, bis er im Januar nach Oberellenbach kam.

Julian Schnütgen (40) ist im Ruhrgebiet aufgewachsen und kam als 17-Jähriger nach Kassel. Er machte auf dem Eschenhof seine Ausbildung zum Landwirt, wo er auch von Mackensen kennenlernte. Schnütgen blieb nach der Ausbildung fünf Jahre lang als Landwirt auf dem Eschenhof, anschließend war er als Geselle auf zwei Almen in der Schweiz. Dann kaufte er mit seiner Frau einen kleinen Hof in Wolfhagen-Altenhasungen, wo das Paar mit drei Kindern nach wie vor lebt. (czi)

Generationenwechsel in der Kommanditgesellschaft

„Wir wollen den Kirchhof auf die Zukunft ausrichten“, sagt Antje Weynans. Sie gehört zur Kommanditgesellschaft, die den Kirchhof betreibt. Die Kasselerin war es auch, die den Kontakt zu Jonathan von Mackensen hergestellt hat. Der Hof wurde vor 40 Jahren aufgebaut. Damals wurden Kommanditisten als Unterstützer gesucht. „Die sind nun alle 40 Jahre älter geworden – viele davon ziehen sich sukzessive zurück“, sagt die 56-Jährige. Nun sei es an der Zeit, dass sich neue Unterstützer und vielleicht auch Sponsoren einbringen.

Antje Weynans aus Kassel gehört zur Kommanditgesellschaft, die den Kirchhof in Alheim-Oberellenbach betreibt.

Mit dieser Hilfe soll dem Hof der wirtschaftliche Druck genommen werden, der oft zu fragwürdigen Anbaumethoden führe. So lautete das Konzept des Kirchhofs von Anfang an. „Es ist viel für Boden und Land getan worden, aber der gesamte Betrieb ist ein wenig in die Jahre gekommen. Zum Beispiel die Gebäude“, sagt Antje Weynans.

Auch Juristen oder Handwerker erwünscht

Sie wünscht sich neue Kommanditisten, die mit anpacken wollen, Werbung machen, Ideen haben und unterschiedliche Kompetenzen mitbringen. Das müsse keineswegs nur Landwirtschaft sein. Auch juristische Hilfe sei wichtig, ebenso seien Menschen mit pädagogischem Hintergrund oder Handwerker gefragt. „Die Zukunftsausrichtung können unsere beiden Geschäftsführer nicht nebenbei im Alltag machen. Wir sind dankbar über jede Form der Kontaktaufnahme von jedem, der sich für den Kirchhof interessiert“, sagt die Kasselerin. (czi)

Kontakt: E-Mail: [email protected]