Germany

Neues Wahlkampf-Ranking: Lindner führt Liste an - Söder schlägt Laschet

Wer ist der beste Redner im Bundestagswahlkampf? FDP-Chef Lindner entscheidet die Wertung für sich, CSU-Boss Söder überzeugt ebenso wie Annalena Baerbock.

Berlin - Der Sommer 2021 war geprägt von etlichen Wahlkampfveranstaltungen. Nicht nur die drei Kanzlerkandidaten Armin Laschet (Union), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) tourten durch Deutschland. Auch die anderen Parteien warben im Land um die Wählergunst. Dabei versuchten sie, die Menschen mit ihren Wahlkampfreden zu überzeugen. Rhetorische Gewandtheit ist dabei Trumpf. Der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) hat nun die seiner Ansicht nach besten Redner im Bundestagswahlkampf gekürt. (Scholz oder Laschet? Letzte Prognosen und erste Ergebnisse bekommen Sie in unserem Politik-Newsletter.)

Bundestagswahl: Christian Lindner erneut zum besten Redner gewählt

Titel verteidigt: FDP-Chef Christian Lindner ist vom VRdS erneut zum besten Redner gewählt worden. Er nutze in seinen Reden die gesamte Palette rhetorischer Stilmittel „und ist unterhaltsam, ohne Inhalte auszusparen“, stellt der Fachverband in einer am Mittwoch verbreiteten Analyse fest. Lindner lag bereits 2017 auf dem ersten Platz.

„Mit humorvollen Pointen, kurzen Anekdoten und einer bildhaften sowie gut verständlichen Sprache überzeugt er auf allen beobachteten Veranstaltungen. Geschickt arbeitet er Unterschiede zu politischen Wettbewerbern heraus, ohne zu diffamieren. Er bleibt sachlich und fair“, begründete VRdS-Präsidentin Jacqueline Schäfer die Bewertung Lindners - der meist frei und ohne Textvorlage spricht. Entscheidend für die Bewertung sind die Kategorien Aufbau und Struktur, Argumentation, Sprache, Rhetorik, Auftritt, Inszenierung sowie Publikumsorientierung.

Christian Lindner am 22. September auf einer Wahlkampfveranstaltung in Stuttgart. Der FDP-Chef überzeugt mit seiner Rhetorik.

Bundestagswahl: Baerbock vor Scholz vor Laschet - die Kanzlerkandidaten im Rede-Ranking

Die Kanzlerkandidaten befinden sich im Ranking derweil hinter Lindner. Laschet ist laut Verband eigentlich ein guter Redner, „wenn auch seine Sprache und seine rhetorischen Stilmittel des Öfteren zu einfach und eintönig wirken“. Der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens verschenke jedoch Punkte mit schiefen Sprachbildern, meinen die Redenschreiber. Scholz fehle Feuer, doch habe er in diesem Wahlkampf zu einem rollenauthentischen Auftritt gefunden. Ihm gelinge ein für ihn typisches und etwas gebremstes, aber glaubwürdig wirkendes Engagement, das Überzeugung und inhaltliche Kompetenz ausstrahle.

Baerbocks Reden seien „nachvollziehbar, eindrücklich, kurzweilig“. Auch der Grüne Co-Parteichef Robert Habeck liefere eine überzeugende rhetorische Leistung ab. „Die Reden der Grünen-Parteivorsitzenden bestehen aus thematischen „Trichtern“, die meist mit einer Erfahrung oder Geschichte (Storytelling) eröffnet werden und mit einer Kernbotschaft abschließen, die immer mit einem Appell endet.“ Im Ranking schneidet Baerbock knapp besser ab als Habeck.

Bundestagswahl: Das Ranking der besten Redner im Wahlkampf

1. Christian Lindner (FDP)
2. Annalena Baerbock (Grüne)
3. Markus Söder (CSU)
4. Robert Habeck (Grüne)
5. Olaf Scholz (SPD)
6. Janine Wissler (Linke)
7. Armin Laschet (CDU)
8. Tino Chrupalla (AfD)
9. Dietmar Bartsch (Linke)
10. Alice Weidel (AfD)
11. Alexander Dobrindt (CSU)

Bundestagswahl: Söder überzeugt bei Reden - „Attacke, Humor inklusive Selbstironie und Nachdenklichkeit“

Die Redenschreiber analysierten auch die Reden von CSU-Chef Markus Söder, der wie Habeck als Kanzlerkandidat gehandelt wurde, sich aber dem Kandidaten der Schwesterpartei beugen musste: „Im direkten Vergleich im ‚Duell der Herzen‘ konnte Markus Söder seinen Konkurrenten Robert Habeck knapp schlagen“, schreiben die Redenschreiber angesichts der besseren Umfragewerte der beiden Politiker im Vergleich zu Laschet und Baerbock. Interessant: Wäre Söder Kanzlerkandidat gewesen, würde er den dritten Platz erreichen - vor Scholz und Laschet.

Das liegt an Söders überzeugenden Wahlkampfreden, meinen die Redner: „Markus Söder läuft zur Hochform auf und hält eine Rede, die fast durchweg mitreißend ist und alle Grundelemente der klassischen Rhetorik aufweist: Er bedient Logos, Ethos und Pathos, was nicht zuletzt mit der Vortragskunst des Redners zusammenhängt.“ Dabei überzeuge Söder sowohl textlich als auch körpersprachlich mit „Attacke, Humor inklusive Selbstironie und Nachdenklichkeit“. Mit einer als Witz gedachten Formulierung sorgte Söder zuletzt allerdings für etwas Aufregung. Bei der Staatsanwalt Schweinfurt gingen drei Anzeigen ein.

Bundestagswahl: CSU-Spitzenkandidat Dobrindt „fehlt das Bierzelt“ - und überzeugt nicht

Weniger gut schneidet Söders Parteikollege Alexander Dobrindt ab. Der Spitzenkandidat der Christsozialen setzte hauptsächlich auf das Narrativ des laut CSU drohenden Linksrutsches, konnte diese Botschaft den Redner zufolge aber - auch wegen der Einschränkungen durch die Pandemie - nicht immer überzeugend vermitteln. Denn: „Ohne Bierzelt fehlt Dobrindt die bajuwarische Nestwärme“, schreibt der Verband. Zudem sei Dobrindt inhaltlich nicht immer sicher. „Alexander Dobrindt bewegt sich mehrfach an oder auch ein bisschen jenseits der Grenze zur Falschinformation. Häufig argumentiert er unsachlich und unterstellt dem Gegner gerne Charakterschwächen“, kritisiert VRdS-Analyst Christoph Meinersmann.

Alexander Dobrindt, CSU-Landesgruppenchef in der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag. Der frühere Bundesverkehrsminister ist Spitzenkandidat der CSU.

Bundestagswahl: AfD und Linke haben Verbesserungsbedarf

Ebenfalls im hinteren Bereich des Rankings liegt die AfD, was auch an der aggressiveren Rhetorik im Vergleich zu anderen Parteien liegt. Die beiden Spitzenkandidaten unterscheiden sich jedoch deutlich in puncto Wortwahl. Während Alice Weidel durch vulgäre Sprache und Beleidigungen auffalle, überzeuge Tino Chrupalla mit einer guten Rhetorik. „Seine Wortwahl ist einfach, auffallend ist die mehrfache Verwendung von Begriffen wie Heimat, Heimatland, Volk und Vaterland. Ebenso hebt er die Begriffe wie Fleiß, Ehrlichkeit, Pünktlichkeit und Sauberkeit als deutsche Tugenden hervor“, schreiben die Redner. Kritik gab es für die fehlende Abgrenzung des als rechtsextrem eingeschätzten Flügels der Partei. „Dies hätte die betont bürgerliche Rhetorik glaubwürdiger gemacht.“

Bei der Linken würden sich starke und weniger glückliche Auftritte die Waage halten. Bei Janine Wissler fehle die Konstanz in ihren Reden. Rhetorisch bemängelt der Verband: „Nur selten nutzte sie Metaphern und verschenkte damit die Chance, ihren politischen Botschaften mehr Ausdruck zu verleihen.“ Positiv: Wissler spreche weitgehend frei und „mit angenehmer, warmer und kräftiger Stimme“. Außerdem zeige sie eine authentische, lebhafte Körpersprache. Dietmar Bartsch fällt bei den Rede-Analysten weitgehend durch: „Er arbeitet in seinen Redeauftritten ein Thema nach dem anderen ab, ohne Signale zur Struktur und Aufbau.“ Außerdem beleidige er den politischen Gegner. Inwiefern die Reden der Spitzenkandidaten die Wählerinnen und Wähler beeinflussen, zeigt sich am Sonntag. Bis dahin halten wir Sie mit unserem Politik-Newsletter zu allen wichtigen Entwicklungen rund um die Bundestagswahl auf dem Laufenden. (as mit Material der dpa)

Football news:

Messi und Мбаппе verpasst Training vor dem Spiel gegen PSG Lille
Merson über Sulscher: Jeder andere hätte schon gefeuert. Der ehemalige Arsenal-Stürmer Paul Merson kritisierte Manchester-United-Trainer Ole-Gunnar Sulscher: So etwas habe ich noch nie gesehen. Nichts geht über dieses Ergebnis hinaus. Ich schämte mich, es war nicht der schönste Anblick
Ancelotti über die Entlassung von Coeman: Das ist Teil unserer Arbeit. Das ist mir schon oft passiert . Real-Trainer Carlo Ancelotti hat sich über den Rücktritt seines Barcelona-Kollegen Ronald Koeman geäußert. Hat der FC Barcelona Coeman gefeuert? Das ist Teil unserer Arbeit. Das ist mir oft passiert. Wir müssen weitermachen. Koeman hat alles gegeben, was er konnte, sagte Ancelotti
Barcelona will Luca de Jong im Winter loswerden. Nach der Entlassung von Koeman kann Stürmer Luc de Jong den FC Barcelona im Winter-Transferfenster verlassen
Müller entschuldigte sich bei den Fans für das 0:5 gegen Gladbach: Bayern spielte katastrophal schlecht
Hans-Joachim Watzke: Das Angebot von Manchester United für Holand war besser als wir, aber Raiola entschied, dass Erling bei Borussia besser wäre
Koeman zeigte, wie Barça-Trainer nicht sein sollte. Die Entlassung ist um einen Monat zu spät