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Nordhessin wirbt fürs Handwerk: Katharina Koch ist Kampagnen-Botschafterin

Quereinsteigerin wurde zur Chefin und zur Handwerksbotschafterin: Katharina Koch (35) ist bundesweit auf Plakaten einer Image-Kampagne zu sehen.

Gut eine Million Handwerksbetriebe gibt es in Deutschland, etwa ein Fünftel davon allein in Nordhessen und Südniedersachsen. Zum Tag des Handwerks beleuchten wir diesen Wirtschaftsbereich. 

Eigentlich war alles ausgemacht. Die beiden älteren Brüder sollten den elterlichen Betrieb in der fünften Generation übernehmen. Doch die wollten nicht – Katharina Koch schon. Seit nunmehr drei Jahren ist sie die Inhaberin der Landfleischerei Koch in Calden. Und seit diesem Sommer sogar bundesweit zu sehen: Sie ist eine von drei Botschaftern für eine Image-Kampagne des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks.

Die 35-Jährige hatte eigentlich einen ganz anderen Weg eingeschlagen: Sie studierte Politik und Publizistik, lebte in Berlin, Paris und New York. Doch selbst Jobs im Bundestag oder bei den Vereinten Nationen „waren nicht erfüllend“, sagt sie heute. Als sich die Möglichkeit bot, in die vom Vater geführte Fleischerei einzusteigen, griff sie zu.

Von klein auf hatte sie schon immer mitgearbeitet, ihr abgeschlossenes Studium ermöglichte ihr direkten Zugang zur Meisterschule. Dort war sie die einzige Frau, zog den Meisterkurs in sechs Monaten durch. „Das Studium ist auf keinen Fall umsonst gewesen, weil es auch gut ist, etwas anderes gesehen zu haben“, sagt sie zu ihrem Quereinstieg.

Als sie in der Caldener Fleischerei begann, waren manche Mitarbeiter länger mit dabei, als Katharina Koch auf der Welt. Probleme hat das keine gemacht. „Heute ist ein Handwerksbetrieb anders zu führen als früher. Es ist viel Bürokratie und Administration dazu gekommen, da ist mein Studium nicht ganz unpraktisch“, erklärt sie. „Außerdem ist doch heute nichts so politisch wie das Fleischessen“, sagt sie lachend.

Nach einem Aufruf der Handwerkskammern schickte sie ein Bewerbungsvideo, um Botschafterin für das Handwerk zu werden. Für die gute Sache halte sie gerne ihr Gesicht hin. Katharina Koch ist seit August auf Plakatwänden im ganzen Land zu sehen, im Fernsehen läuft ein Spot mit ihr, und sogar auf Bussen ist Werbung mit ihrem Gesicht aufgeklebt.

Die Rolle der Botschafterin ist ein langfristig angelegtes Engagement. Von Freunden hat sie schon zahlreiche Bilder von ihren Plakaten zugeschickt bekommen. „Außerdem ist die Kampagne natürlich eine gute Werbung für unseren Betrieb.“

Dort hat sie zwar nicht alles anders als der Vater gemacht – einiges aber ausprobiert. Mittlerweile brummt der Onlineshop, die Kanäle der Fleischerei in den sozialen Netzwerken werden regelmäßig befüllt und es gibt bei ihr Ahle Worscht mit Gin-Zusatz zu kaufen. Ein Experiment, das bei den Kunden gut ankommt. „Gutes Essen ist im Trend. Die Leute legen außerdem verstärkt wert auf regionale Produkte.“

Sie ist davon überzeugt, dass das Handwerk eine gute Zukunft haben wird. „Wir und viele Kollegen können uns doch vor Arbeit kaum retten. Niemand schließt, weil die Umsätze fehlen. Das Problem ist das Personal“, erklärt die Fleischermeisterin. In ihrem Betrieb arbeiten 22 Menschen, darunter vier Auszubildende. Bewerber zu finden, sei schwer.

Auch, weil oft die gesellschaftliche Anerkennung fehle, wenn sich jemand für eine Ausbildung und gegen ein Studium entscheide. Als Bewerber sei jeder willkommen, der Begeisterung, Motivation und Offenheit mitbringe. „Ob Quereinsteiger, Studienabbrecher oder Hauptschüler spielt dabei keine Rolle“, sagt sie.

Die Kampagne, deren Botschafterin sie ist, soll die Vielfalt im Handwerk darstellen und mit Klischees aufräumen. Um junge Leute für ihren Betrieb zu gewinnen, geht die Chefin selbst auf Karrieretage oder Messen in Schulen. „Für die Schüler, aber auch die Lehrer, ist die Arbeit eines Fleischers erst mal ziemlich weit weg.“ Besonders fasziniert ist Katharina Koch von den praktischen Fähigkeiten, die es braucht. „Nur im Handwerk kannst du richtig was erschaffen.“

Für ihre Herangehensweise bekommt sie Zuspruch. Zahlreiche Medien waren schon in Calden zu Besuch, unter jungen Kasseler Unternehmern ist Koch gut vernetzt und auch die alteingesessene Stammkundschaft weiß den frischen Wind zu schätzen. „Die Leute finden meine Geschichte irgendwie gut. Für mich ist es mein Leben.“ (Gregory Dauber)

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