Germany
This article was added by the user Anna. TheWorldNews is not responsible for the content of the platform.

Online-Handel: Verdi macht Front gegen prekäre Beschäftigung bei Amazon

Für den Kontakt zu den Fahrern im neuen Neubrandenburger Verteilzentrum des weltgrößten Online-Händlers Amazon sind viele Sprachen notwendig. Kenntnisse in acht Sprachen brachten die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und andere Organisationen am Mittwoch zu einer Aktion mit, bei der die meist bei Subunternehmern angestellten Fahrer über ihrer Rechte als Arbeitnehmer aufgeklärt werden sollten. „Sprachlich sind wir gut aufgestellt“, sagte Stefanie Albrecht, Projektleiterin des Projekts „Correct!“ vor dem Amazon-Werkstor im Industriegebiet auf dem Neubrandenburger Datzeberg. Sprachkenntnisse in Polnisch, Rumänisch, Bulgarisch, Russisch, Spanisch, Französisch, Englisch und Arabisch hatten die Gewerkschafter sowie die Mitarbeiter zur Beratung für alle ausländischen Beschäftigten im MV im Gepäck. Auch die Flyer, die den einfahrenden Mitarbeitern durchs Fahrzeugfenster gereicht wurden, sind in mehreren Sprachen verfasst.

Keine Erkenntnisse zu Unregelmäßigkeiten

Direkte Erkenntnisse zu Unregelmäßigkeiten in Neubrandenburg liegen der Gewerkschaft bislang nicht vor. „Aus anderen Bundesländern haben wir von gravierenden Missständen bei den Arbeitsbedingungen erfahren“, führte Stefanie Albrecht an. Diese beträfen vor allem die Paketzusteller, bei denen es sich „wie früher in der Fleischindustrie“ um Werkvertragsbeschäftigte handele. In der Fleischverarbeitung sind Werkverträge mittlerweile verboten.

Mit bundesweiten Aktionstagen machten in dieser Woche Gewerkschaften sowie Fachberatungsstellen aus ganz Deutschland auf die ihrer Ansicht nach prekären Arbeitsbedingungen von Zustellerinnen und Zustellern bei Amazon aufmerksam. Der weltgrößte Online-Händler expandiert in der Region aktuell massiv. Neben dem Verteilzentrum in Neubrandenburg mit 180 festen Jobs und 450 Fahrern bei Lieferpartnern plant oder errichtet Amazon ein Logistikzentrum in Dummerstorf am Autobahnkreuz Rostock (A19/A20) sowie ein weiteres Verteilzentrum in der Landeshauptstadt Schwerin. Wenige Kilometer hinter der deutsch-polnischen Grenze bei Pomellen steht ein großes Logistikzentrum.

Sprachbarriere bereitet Probleme

In den Verteilzentren bereiten laut Amazon Mitarbeiter Kundenbestellungen für die „letzte Meile“ vor und sollen so einen schnellen täglichen Versand ermöglichen. Die Zustellung übernehmen die Lieferpartner. Deren Mitarbeiter seien zu einem großen Teil Ausländer oder hätten Migrationshintergrund, viele davon aus Nicht-EU-Ländern wie etwa der Ukraine oder Weißrussland, sagte Khaled Al Bitar von Faire Integration M-V. Viele davon wüssten nicht um ihre Rechte als Arbeitnehmer oder hätten aufgrund der Sprachbarriere Probleme, diese zu verstehen oder durchzusetzen.

Amazon richtet Hotline ein

Amazon bestreitet, dass es bei Subunternehmen generell prekäre Arbeitsbedingungen gebe. „Unsere Lieferservicepartner verpflichten sich vertraglich, die geltenden Gesetze insbesondere im Hinblick auf Löhne, Sozialabgaben und Arbeitszeiten einzuhalten. Wir prüfen Vorwürfe und greifen durch, sollten wir feststellen, dass ein Partner diese Erwartungen nicht erfüllt“, hieß es von einem Sprecher. Daneben habe Amazon eine Fahrer-Hotline in mehreren Sprachen eingerichtet, bei der Betroffene anonym Hinweise auf schlechte Arbeitsbedingungen geben können.

Silvia Reichert, zuständige Gewerkschaftssekretärin bei ver.di, Landesbezirk Nord, forderte, dass Amazon die Beschäftigten bei den Lieferpartnern direkt bei sich anstellt. An der Aktion in Neubrandenburg beteiligen sich neben der Gewerkschaft die Beratungsstelle „Correct!“ von Arbeit und Leben M-V und die Beratungsstelle des IQ-Projekts Faire Integration vom Flüchtlingsrat M-V. Sie soll am Donnerstag in Rostock fortgesetzt werden.