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Opposition in Uganda: Es ist nicht leicht ein Held zu sein

Opposition in Uganda Es ist nicht leicht ein Held zu sein

Nach dem zweifelhaften Wahlsieg Anfang des Jahres foltert das Regime von Präsident Museveni in Uganda weiterhin Unterstützer seines charismatischen Herausforderers Wine. Die Angst vor seiner anhaltenden Popularität ist groß.

Winston Churchill nannte Uganda einst "Die Perle Afrikas". Heutzutage lobt der deutsche Botschafter, Matthias Schauer, die "sehr beständige Beziehung und sogar Freundschaft" zwischen Deutschland und dem ostafrikanischen Land. "Deutschland will Ugandas Erfolg", verkündet Schauer auf der Webseite der Deutschen Botschaft in Kampala. Dort findet man aber kein Wort darüber, dass der "enge Freund" täglich Grundmauern der Demokratie mit Füßen tritt, seine Bürger blutig unterdrückt und foltert. Jeden Tag, auch jetzt in diesem Moment. Diese Opfer haben Namen. Twaha Kagimu ist einer.

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Kagimu droht die Verschleppung, so wie vielen Oppositionsanhängern.

(Foto: Nicole Macheroux-Denault)

"Es ist nicht leicht ein Held zu sein - unter solchen Bedingungen", sagt er. Kagimu atmet tief durch, schaut mir direkt in die Augen. Die "Bedingungen" sind unfassbar grausam. Es schmerzt physisch seinen Schilderungen zuzuhören. "Sie haben mit einer Metallstange auf mein Bein eingeschlagen, immer wieder. Sie haben so lange zugeschlagen, bis die Knochen so herausstachen", sagt er und führt seine Zeigefingerspitzen so zusammen, dass sie dachförmig aufeinander stoßen. Der dreißigjährige Taxifahrer rollt langsam sein linkes Hosenbein hoch. Wie in Zeitlupe kommt Falte um Falte ein deformiertes, narbenreiches Bein zum Vorschein. Einmal am Tag reibt seine hochschwangere Frau Ida es ein. Es tut weh, aber neben einfachen Schmerztabletten ist es die einzige Behandlung, die sich Twaha Kagimu derzeit leisten kann. Laufen kann er nur noch mit einer Krücke.

Der junge Mann wurde drei Monate lang von der ugandischen Staatssicherheit illegal festgehalten und gefoltert. Er meint, er habe nur überlebt, weil er unter Folter gelogen hat; weil er einen falschen Namen angegeben und nicht zugab Unterstützer des oppositionellen Bobi Wine zu sein. Im Gegenteil, er hat unter Folter Präsident Yoweri Museveni Treue geschworen.

Es fällt Kagimu schwer, sich selbst diese Lügen zu verzeihen. Seit Monaten stehen wir mit dem angehenden Vater in Kontakt. Immer wieder habe ich ihn gefragt, ob er wirklich in die Öffentlichkeit gehen will, ob es nicht zu gefährlich ist. "Bevor sie mich nach drei Monaten Folter verletzt aus einem Auto in ein Feld schmissen, haben sie Fotos von mir gemacht - von vorne und hinten", sagte Kagimu am Telefon. "Wenn wir Deinen Namen in der Presse sehen, holen wir Dich", fügten sie jedes Mal hinzu. Seitdem sind viele von Kagimus Kollegen verschwunden. Wer die Opposition unterstützt, lebt auch nach dem Wahlsieg von Präsident Museveni gefährlich. Deshalb will Kagimu mit uns reden. "Ich will erzählen, was mir zugestoßen ist. Es ist mir extrem wichtig."

Wahlen ohne Aufsicht

Deshalb sitzen wir nun beide auf gelben Plastikwassercontainern hinter einem unscheinbaren kleinen Landhaus in Uganda; neben uns grast eine an einen Strick festgebundene Ziege; Kinder spielen fröhlich und Twaha Kagimu erzählt von seiner illegalen Haft in einem Folterhaus oder "safe house", wie es in Uganda zynisch genannt wird. "Wir wurden auf offener Straße verhaftet", sagt Twaha. Er hatte gerade Passagiere in sein Minbus-Taxi geladen. "Sie haben uns alle in einen abgedunkelten Wagen gezerrt. 11 Leute, meine Kunden, Kollegen vom Taxistand und mich. Einige von uns waren Unterstützer von Bobi Wine, andere nicht."

Der auf dem afrikanischen Kontinent als Freiheitskämpfer bekannte Rapper Bobi Wine, trat im Januar unter seinem bürgerlichen Namen Robert Kyagulanyi rechtmäßig als Parlamentsabgeordneter gegen Ugandas Präsident Museveni an. Die Hoffnung vieler junger ugandischer Wähler seit 1971 einen neuen, jungen Präsidenten ins Amt zu wählen, wurde mit einem zweifelhaften Urnengang zerstört. Offiziell verlor Bobi Wines Partei, die NUP, die Wahl. Aber kaum jemand glaubt das. Ausländische Wahlbeobachter wurden nicht zugelassen. Sowohl die EU als auch die USA haben Zweifel an der Zuverlässigkeit des Wahlergebnisses geäußert. Bobi Wine spricht von Wahlfälschung. Kagimu auch.

"Sie haben uns allen Kapuzen über den Kopf gezogen. Und dann fragten sie immer wieder, ob wir glauben, Museveni sei lang genug im Amt", erinnert sich Twaha Kagimu und schüttelt mit dem Kopf. Er habe verneint. "Wenn Du je lebend hier rauskommst, dann sag allen diese Regierung kann nicht abgewählt werden." Drei Monate illegale Haft. Jeden Tag ging es darum zu überleben. Er habe wegen der Kapuze nicht viel gesehen, könne nicht sagen, wo er festgehalten wurde. "Aber manchmal, wenn wir uns waschen durften, nahmen wir die Kapuzen ab", erinnert sich Twaha. "Da konnte ich sehen, das Haus, in dem man uns festhielt, war groß; ein Privathaus mit langen Gängen und vielen Zimmern. Den ganzen Tag hörte man Schmerzensschreie." Kagimu sagt, Männer in schwarzen Uniformen hätten ihn und die anderen Gefangenen immer wieder geschlagen. "Es gab einen Raum in dem Haus, der war voll mit Schlangen. Da haben sie Leute eingesperrt." Er selbst sei nicht dort hingebracht worden, aber seine Mitgefangenen hätten ihm davon erzählt.

Jeder Ugander ist in Gefahr

Kagimu schildert es ruhig und klar. Seine Gefühle hat er irgendwo tief innen eingepackt und weggelegt. Er will Fakten mit uns teilen. Fakten, die Human Rights Watch, HRW, bestätigt. "Die Situation in Uganda ist besorgniserregend. Die Lage der Menschenrechte verschlechtert sich derzeit", sagt Oryem Nyeko, Researcher bei HRW Uganda. Man beobachte derartige Übergriffe normalerweise nur vor einer Präsidentschaftswahl. Dass die Regierung diesmal jedoch so lange nach dem Votum und selbst nach der Vereidigung Musevenis mit extrem harter Hand agiere, sei außergewöhnlich. "Uganda stellt sich als demokratische Nation dar, aber garantiert nicht wesentliche Grundrechte wie die freie Meinungsäußerung. Die Regierung untergräbt dieses wichtige Recht und das ist mit Blick auf die Zukunft beunruhigend." Offensichtlich ist die Angst vor der breiten Unterstützung in der Bevölkerung für Bobi Wine und seiner NUP, groß. Und der internationale Druck sich an rechtsstaatliche Prinzipien zu halten, verschwindend gering.

"Ausländische Unterstützung für Uganda muss an die Wahrung von internationalen und Menschenrechten geknüpft werden", fordert Nyeko. "Ohne derartige Rechenschaft ist jeder Ugander in Gefahr, egal ob er oder sie Bobi Wine unterstützt". Die Bundesrepublik gehört zu den wichtigsten Gebern des ostafrikanischen Landes. Laut eigenen Angaben fördert das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) in Uganda "eine gute Regierungsführung und die Wahrung der Menschenrechte" - mit Millionen Euro Entwicklungshilfe. Offensichtlich ist der Erfolg gering.

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Bobi Wine im Gespräch mit Twaha Kagimu.

(Foto: Nicole Macheroux-Denault)

Als wir am nächsten Morgen einen Interviewtermin bei Bobi Wine zu Hause wahrnehmen, spricht er explizit deutsche Entwicklungshilfe an. Man erwarte keine Unterstützung für die Opposition. "Aber wir wollen, dass Deutschland aufhört, das Foltern unserer Bürger zu unterstützen", sagt Wine vehement. "Stoppt den Schmerz. Erlaubt uns zu atmen."

Twaha Kagimu ist mit uns gekommen. Tapfer ist er die lange Einfahrt hinunter zu Bobi Wines Haus an seiner Krücke gelaufen. Wir haben vereinbart, dass ich nur drei Fragen stelle und er danach das Gespräch mit Bobi Wine übernimmt. Kagimu ist nervös. Er sitzt auf einer Bank mit Bobi Wine, dem Mann für dessen Überzeugung er selbst fast gestorben wäre. Dann geschieht es was Unerwartetes. Kagimu dreht sich zu Bobi Wine sagt "Mein Präsident, ich bitte um Vergebung", und er fällt auf die Knie. In einem regelrechten Redeschwall will Kagimu erklären, warum er Bobi Wine in jenem Haus verleugnet hat. "Nein, nein, das brauchst Du nicht", sagt Wine und hilft seinem Unterstützer auf die Beine. Die Geste hat ihn sichtlich berührt. Und dann reden die beiden - lange über Folter und Angst in Uganda, das einst die Perle Afrikas war.

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