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Pensionsriesen steigen aus dem Öl aus

Der größte Pensionsfonds in der Europäischen Union steigt aus Anlagen in den Öl-, Gas- und Kohlesektor aus. Er werde sich von seinen Investitionen in Hersteller fossiler Brennstoffe trennen, teilte der Fonds ABP am Dienstag mit. Sie haben ein Volumen von 15 Milliarden Euro und machen ungefähr 3 Prozent des Anlagevermögens aus. ABP ist einer der größten Pensionsfonds der Welt, der größte in der EU und der wichtigste in den Niederlanden. Dort organisiert er die Betriebsrenten für Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst und im Bildungswesen; jeder Sechste der gut 17 Millionen Einwohner bezieht als aktueller oder künftiger Rentner Geld von ABP. Betriebsrenten sind in der fünftgrößten Volkswirtschaft der EU die zweite große Säule der Altersversorgung neben der Grundrente.

Die Mitteilung kommt in der Vorwoche des Gipfels COP26 der Vereinten Nationen in Glasgow und markiert eine Kehrtwende: Noch im Juni hatte ABP geltend gemacht, ein Ausstieg aus Anlagen in Fossilbrennstoffe sei keine Lösung für das Klimaproblem. Nach jüngst erschienenen Klimaberichten wie dem des Weltklimarats IPCC habe der Vorstand den Ausstieg beschlossen, heißt es nun zur Begründung.

Der Investmentposten werde schrittweise abgebaut, die Mehrheit voraussichtlich im ersten Quartal 2023 verkauft sein. „Viele Teilnehmer und Arbeitgeber wollten schon länger, dass wir aufhören, in fossile Brennstoffe anzulegen“, heißt es in der Mitteilung. Die Investitionen in erneuerbare Energie – momentan gut 4 Milliarden Euro – sollen, wo das möglich ist, ausgebaut werden. Den Angaben zufolge sollen die Margen nicht leiden: „Wir erwarten, dass diese Entscheidung keine negative Auswirkung auf die langjährige Rendite und Ihre Betriebsrente hat.“

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Der Divestment-Trend begann vor sechs Jahren

Damit setzt sich ein Divestment-Trend fort, den vor sechs Jahren der norwegische Pensionsfonds begonnen hatte, der sich pikanterweise aus Einnahmen aus der dortigen Ölindustrie speist. Er kündigte im Juni 2015 an, sich aus Investitionen zurückzuziehen, in denen entweder mehr als 30 Prozent des Umsatzes oder des benötigten Stroms mithilfe von Kohle erzeugt wird. Das entsprach damals einem Volumen von 4 Milliarden Euro in Aktien und Anleihen. Seither hat der Ölfonds, der den Bürgern Norwegens gehört, seine Divestment-Aktivitäten ausgebaut.

Andere zogen mit Divestments in vergleichbarem Umfang nach. Europas größter Versicherer Allianz erklärte im November desselben Jahres seinen Teilrückzug aus der Kohle, zwei Jahre später folgte die Axa, die Nummer zwei auf dem Kontinent. Die nächstgrößeren Konzerne Generali und Munich Re kündigten im darauffolgenden Jahr ihren Teilrückzug aus Kohleinvestitionen an. Klimaaktivisten kritisieren, diese Schritte seien zu zaghaft. Zudem stünden Banken als Finanzierer für Kohlevorhaben weiter zur Verfügung. Spätestens wenn Energiekonzerne drohten, sich eine andere Bank zu suchen, milderten diese auch ihre Ausstiegsvorhaben ab.