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Phantomtor im Kreisklassen-Derby - Einspruch mittels „Fotobeweis“ bereits eingelegt

Das „Schwabsoien-Tor“ ist ein Fall für Ethik-Diskussionen und wird einer fürs Sportgericht

In der Kreisklassen-Partie zwischen der SpVgg Schwabbruck/Schwabsoien und dem TSV Hohenpeißenberg kam es zu einer kuriosen Szene mit viel Diskussionsstoff.

Schwabsoien/Schwabbruck – Das Training der Fußballer der SpVgg Schwabbruck/Schwabsoien glich am vergangenen Mittwoch einem Praxisseminar für Ethik. „Was hättet ihr gemacht?“, bat Hubert Strobel seine Kicker um eine persönliche Stellungnahme zu dem Vorfall am Sonntag im Derby gegen Hohenpeißenberg. In der 66. Minute hatte TSV-Keeper Thomas Höringer einen strammen Schuss von Stefan Neumaier passieren lassen. Ein Pressefoto zeigt, wie der Torwächter dem Ball noch entsetzt hinterher sieht, vielleicht hat er auch noch das Rauschen gehört, als die Kugel die Maschen berührte.

Doch zur Überraschung aller lag das Spielgerät nicht im Netz, sondern dahinter. Höringer schwieg, als Schiedsrichter Sven Börmann auf Abstoß entschied. Die Elf vom Rigi führte mit 1:0 und brauchte die Punkte dringend. Warum also mit der Wahrheit rausrücken, wenn sich auf und neben dem Rasen in Schwabsoien im ersten Moment kein Mensch hundertprozentig sicher war, ob es in seinem Kasten tatsächlich einen Einschlag gegeben hat? Und hätte nicht auch Höringer einer optischen Täuschung unterliegen können?

SpVgg Schwabbruck/Schwabsoien legt Einspruch ein - Pressefoto als Beweismittel

Irgendwie schienen auch die Schwabsoiener und Schwabbrucker Spieler ins Grübeln zu geraten, als Strobel nach dem Training jeden einzelnen seine ganz persönliche Gretchenfrage stelle: Wie hältst du es mit der Wahrheit? „Die Antwort kam nicht so klar“, berichtete der Fußball-Trainer von der Umfrage. Warum sollten ausgerechnet seine Kicker päpstlicher als der Papst sein? Hat nicht auch der erste Stellvertreter Christi seinen Herrn verleugnet? Und das drei Mal, bevor ein Hahnenschrei der Heuchelei ein Ende bereitete. „Da hätte der Torwart das Bundesverdienstkreuz verdient“, stellte Strobel klar, dass Höringer mit allen Ehren in den Adelsstand der Super-Aufrichtigen erhoben worden wäre, wenn er schonungslos gegenüber sich selbst und seiner Mannschaft das Geheimnis verraten hätte, über das allein er am besten Bescheid wusste. Denn keiner war näher am Geschehen dran als er.

Die Frage nach dem korrekten Verhalten auf dem Rasen ist das eine, die Frage nach der Richtigkeit der Entscheidung das andere. „Wir haben Einspruch eingelegt“, verkündete Strobel, dass es wegen dem Tor, das nicht anerkannt wurde, ein Nachspiel vor dem Sportgericht geben wird. Als Beweis führen die Schwabbrucker die Fotos an, die zeigen, wie der Ball im Hohenpeißenberger Gehäuse einschlägt und sich das Netz nach außen beult. Wäre der Ball neben oder über den Kasten geflogen und vom Fangzaun ins Tor zurückgeprallt, hätte man auf dem Foto eine Ausbuchtung nach innen erkennen müssen. Das ist jedoch nicht der Fall.

Erinnerungen an Phantomtor von Stefan Kießling kommen hoch

Allerdings besaß der Unparteiische keine Kameratechnik, um seine Entscheidung an Ort und Stelle zu überprüfen. Er musste genauso eine Tatsachenentscheidung treffen wie Felix Brych am 18. Oktober 2013 in Hoffenheim. Damals prallte ein Kopfball von Leverkusens Stürmer Stefan Kießling ans Außennetz und schlüpfte von dort durch ein Loch ins Tor. „Wieso soll ich der einzige Mensch sein, der das gesehen hat?“, rechtfertigte sich der Schütze nach dem Spiel dafür, dass er den Referee nicht zu mehr Durchblick verhelfen konnte. Die TSG Hoffenheim zog damals vors Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes, um auf ein Wiederholungsspiel zu klagen – und verlor. Es zählte allein die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters, mochten auch noch so viele Kameraeinstellungen klar beweisen, dass Kießlings Kopfball zunächst am Tor vorbei gegangen ist.

Das „Kießling-Tor“: Im Oktober 2013 köpfte Leverkusens Stefan Kießling (links) aufs Hoffenheimer Gehäuse. Der Ball ging über ein Loch im Außennetz ins Tor – der Treffer zum 2:0 (Endstand 2:1) wurde gegeben.

Ein Wiederholungsspiel wurde dagegen nach dem Phantomtor von Thomas Helmer am 23. April 1994 gegen den 1. FC Nürnberg angesetzt. Dass der Ball des Bayern-Verteidigers nicht ins Tor, sondern am linken Pfosten vorbei über die Torauslinie rollte, war auf allen Filmsequenzen klar zu erkennen. Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers, der die Szene nicht einschätzen konnte, vergewisserte sich bei seinem Linienrichter Jörg Jablonski. Da es damals aber weder ein Headset noch eine Funkverbindung gab, funktionierte die Kommunikation nicht und Osmers erhielt die falsche Antwort auf seine Frage. Das genügte, um die Voraussetzung einer Tatsachenentscheidung zu kippen. Das Spiel wurde neu angesetzt, der Club verlor 0:5, stieg ab, und Bayern wurde Meister.

„Ich mache dem Schiedsrichter überhaupt keinen Vorwurf“ - Schwabsoien-Trainer verteidigt den Unparteiischen

Während Kießling und Helmer einen Treffer zugesprochen bekamen, bei dem wie beim Wembley-Tor der Ball die Torlinie nie überschritten hatte, schlug der Schuss von Stefan Neumeier deutlich im Hohenpeißenberger Kasten ein – ein klarer Treffer also und kein Phantomtor, bei dem es sich nur um ein Trugbild handelt. Dass Schiedsrichter Börmann auf Abstoß entschied, war jedoch eine klare Tatsachenentscheidung.

„Ich mache dem Schiedsrichter überhaupt keinen Vorwurf“, nahm Strobel Bömann in Schutz. Der Referee hatte vor dem Spiel noch ordnungsgemäß die Platzkontrolle durchgeführt. Dabei war ihm ein Loch im Netz genau desjenigen Tores aufgefallen, durch das später der Ball flutschte. Allerdings wurde es in der Nähe des Bodens repariert und nicht in der oberen Etage, wo später Neumeiers Hammer einschlug. Ob es zu diesem Zeitpunkt noch ein zweites Loch gab, das der Referee übersehen hat, lässt sich nicht bestimmen. Möglich wäre auch, dass das Loch erst später oder bei Neumeiers Schuss entstanden ist.

Dass der Schiedsrichter sich nichts zu schulden kommen ließ, ist für Martin Preininger, Lehrwart der Schiedsrichtergruppe Weilheim, unstrittig. Bevor ein Schiedsrichter eine Entscheidung hinsichtlich einer Situation trifft, muss er etwas klar gesehen oder gehört haben. Vor einem Pfiff gilt: „Er muss es wahrnehmen“, sagt Preininger. Außerdem habe er vor dem Anpfiff die nötige Kontrolle vorgenommen.

Strobel geht beim nächsten Heimspiel auf Nummer sicher - „Da schaue ich mir die Netze persönlich an“

Anders verhält es sich, was die Pflichten der Spielvereinigung betrifft. „Wenn das Netz kaputt ist, ist das unser Problem“, räumt Strobel ein. Dem Platzwart in Schwabsoien, der sich gewissenhaft und zuverlässig um alles kümmert, macht er keinen Vorwurf. Geschehen ist geschehen. Als Konsequenz haben die Fußballer jedenfalls gleich neue Netze bestellt. Und vor dem Heimspiel am Sonntag (15 Uhr) gegen den FSV Eching, wird Strobel selbst als oberster Torwächter fungieren. „Da schaue ich mir die Netze persönlich an.“ Damit nicht wieder ein Spieler eine ethische Frage beantworten muss, um die sich jeder am liebsten drückt. (Christian Heinrich)

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