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Premiere im November: „Dahoam ist Dahoam“-Star hat ein Kabarett-Programm geschrieben

Claus Steigenberger, bekannt aus der BR-Serie „Dahoam ist Dahoam“ hat ein neues Kabarett-Programm geschrieben. Wir haben mit dem Eurasburger gesprochen.

Eurasburg – Dieses 90-Minuten-Programm wird es in sich haben: 2015 fing Claus Steigenberger an, sein neues Kabarett-Programm zu schreiben – und kaum sind sechs Jahre vergangen, ist es auch schon fertig und bühnenreif. Gemeinsam mit seiner Partnerin Caro Hetenyi, sie ist Schauspielerin und Sängerin, ist die Premiere an seiner alten Wirkungsstätte, dem Geltinger Hinterhalt, für Anfang November geplant. Unser Mitarbeiter Dieter Klug sprach mit Steigenberger über den kabarettistischen Neustart, 17 Jahre nach Auflösung der legendären „Narrenschaukel“.

Herr Steigenberger, wie ist es zum neuen Programm gekommen?

Um es gleich vorweg zu sagen: Es war eine sehr lange, schwere Geburt. Nach dem Ende der Narrenschaukel habe ich ganz viel für andere Leute und Projekte gearbeitet, für Helmut Schleich, für die TV-Serie des BR „Dahoam is dahoam“, ich machte Lesungen mit Werken von Oskar Maria Graf. Aber über all dem wurde der ‚innere Druck’ immer größer, die Notizbücher immer voller, die Themenvielfalt immer größer. Mit der Flüchtlingskrise 2015 explodierte der Druck im Kabarett-Kessel.

Und wie fing alles an?

Mit ganz vielen Notizen, mit Chaos im Kopf, mit großen Problemen mit der Form, ich habe ganz viel experimentiert, geschrieben, verworfen, umgeschrieben – wie ich es immer am Anfang eines Projekts mache.

Was geschah konkret?

Ich wurde zwischen 2015 und 2019 von den Themen, den Problemen in Deutschland und der Welt, aber vor allem in unserer Gesellschaft förmlich überrollt. Mit der Zeit wurde klar: Es sollte ein Programm für Zwei werden: für eine Partnerin und mich. Und dann traf ich auf Caro Hetenyi, und ich merkte sehr schnell, dass diese vielfältig begabte Frau meine Partnerin ist, die rundum zu mir passt: Sie ist eine tolle Sängerin und Schauspielerin, ist unglaublich wandlungsfähig, reaktionsschnell, selbstbewusst und bescheiden zugleich. Wir trafen uns zum Lesen im März 2020 in Starnberg, wurden schnell einig, dass die Premiere im Herbst 2020 sein sollte – eine Woche später schlug Corona mit voller Wucht zu, und alles wurde durch den ersten Lockdown gekippt.

Und dann? Wie ging es weiter?

Wir Künstler wussten alle nicht, wie’s weitergeht. Und das Schlimmste für mich: Nichts stimmte mehr, alles krachte zusammen. Daraufhin habe ich es bis zum heutigen Tage siebenmal umgeschrieben.

Das Duo Claus Steigenberger/Caro Hetenyi

Claus Steigenberger (63) studierte Theaterwissenschaften mit Schwerpunkt Volkstheater und Pädagogik, kam über das Theater zur Schauspielerei und arbeitet für Film und Fernsehen, unter anderem bei der TV-Daily-Soap des Bayerischen Fernsehens „Dahoam is Dahoam“, auch als Regisseur. Er gründete das Kabarett „Narrenschaukel“ und gestaltet Vorlesungsabende zu Oskar Maria Graf, Karl Valentin, Ludwig Thoma und Kurt Tucholsky. Daneben schreibt er Kabarett-Texte für Christian Springer und Martina Ottmann. Steigenberger war zudem Lehrbeauftragter für Medien- und Theaterpädagogik in Benediktbeuern und ebenfalls am Pädagogischen Institut München tätig.

Caro Hetenyi (41) ist Schauspielerin, Sängerin und Musicaldarstellerin. Im Jahr 2008 erhielt sie ein Stipendium für die „Sommerakademie für bairisches Volkstheater“ unter der Gesamtleitung von Michael Lerchenberg. Die 41-Jährige spielt auf vielen Bühnen Theater und inszeniert musikalische Lesungen. Dem Fernsehpublikum ist Caro Hetenyi durch Rollen in „Dahoam is Dahoam“, „Die Rosenheim-Cops“ und den „Brettl-Spitzen“ bekannt. (kl)

Können Sie „BavariLariFari“ in groben Zügen umreißen – ohne zu viel zu verraten?

Hochpolitisch! Ausgangspunkt beziehungsweise die Initialzündung ist die Feststellung: „Bayrische Politik – des ist ja reines Kasperltheater!“ Den Satz habe ich in der S-Bahn aufgeschnappt. Das Ganze ist zwar hochpolitisch, aber nicht tagesaktuell, ein längerer Querschnitt durch die Höhen, meist aber Tiefen bayerischer, aber auch Bundespolitik, die oft als Kasperltheater bezeichnet werden. Und der Kasperl, besser gesagt ein Hanswurst, taucht auch tatsächlich auf der Bühne auf. Das Programm ist kein reines Stand-up-Kabarett, es hat viele Anklänge von der Narrenschaukel, nicht zuletzt auch die Musik.

Was müssen wir uns unter diesem Kasperl vorstellen?

Er ist überhaupt nicht damit einverstanden, dass man die Politik immer wieder als Kasperltheater bezeichnet – dieses würde dadurch in Misskredit gebracht. Kasperltheater und Polittheater sind zwei Paar Stiefel, das ist die Geschichte. Kasperl ist neben dem Kabarettisten Steigenberger und der Frau mit den drei Jobs, damit sie ihre Miete zahlen kann, die dritte Person, quasi der dritte Mann. Der Kasperl erzählt seine Geschichte, hat viel erlebt, seine Aufgabe ist es, reinen Unsinn zu machen – und da beginnt das Drama: Die Politiker vermischen alles und haben mit mir und meinem reinen Unsinn nichts zu tun.

Was ist der Kern des Ganzen, gleichsam des Pudels Kern?

Kurz gesagt eine Mischung aus Hanswurschten-Stück und tief greifender Kapitalismuskritik. Es geht um flaschensammelnde Rentner, einen Virus, der im Wiesn-Festzelt den Zapfhahn abgedreht hat, um Jesus Christus, Daniel Craig und Dr. Sauter, den Mann mit der vergoldeten Maske. Es geht um Prinzessinnen, Zauberer und ein mächtiges Krokodil, um Cum-Ex-Geschäfte und Steuerbetrug.

Das klingt ungeheuer komplex. Wie lange wird das dauern?

Normale Länge, etwa 90 Minuten. Das Problem dabei: Es ist trockenste Materie, aber durch die drei Personen wird das alles andere als trocken, sondern sehr unterhaltsam, kurzweilig. Das war für mich als Kabarettisten die große Herausforderung. Wir wollten ja kein Seminar halten über Wirtschaftspolitik, sondern unterhaltsames politisches Kabarett bieten.

Auf der Bühne werden wir das Endergebnis sehen. Wie müssen wir uns konkret den jahrelangen Schaffensprozess vorstellen?

Acht volle Notizbücher, beim Eindampfen all dessen schälte sich die Kapitalismuskritik und die Kritik an der unreflektierten Wachstumsgläubigkeit heraus. Ich musste wie ein Koch die Soße reduzieren und immer wieder reduzieren. Mein Hauptproblem war, dass ich noch keine klare Figurenkonstellation hatte – bis ich in der S-Bahn saß und plötzlich der Kasperl da war. Der Rest ergab sich dann fast von selbst. Und die lange Zeit ohne Auftrittsmöglichkeiten inspirierte mich, eigene Musik zum Stück zu schreiben und zu produzieren, die das Ganze dann strukturiert, nicht nur untermalt: BavariLariFari fertig!

Zum Schluss: Was wollen Sie drei damit erreichen?

Da halte ich mich an Bertolt Brecht: „Die vornehmste Aufgabe des Theaters ist es, die Leute zu unterhalten.“ Nicht mehr und nicht weniger.