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Radikaler Umbau nach 110 Jahren: Motorenbauer Rolls Royce PS erfindet sich neu

MTU gehört heute zum Rolls-Royce-Konzern. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Aber in Sachen Klimaschutz hinkt das unter Rolls Royce Power Systems firmierende Unternehmen jedoch hinterher. Über die Wertschöpfungskette entstehen in etwa so viele Treibhausgase pro Jahr wie Belgien ausstößt.

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Andreas Schell, CEO von Rolls-Royce Power Systems.

(Foto: picture alliance/dpa)

Als Andreas Schell 2017 seinen neuen Job in Friedrichshafen am Bodensee antrat, fragte ihn sein 13-jähriger Sohn: "Wie lange werden wir hier wohnen?" Schell fragte zurück, warum er diese Frage stelle.

"Das Unternehmen macht doch Dieselmotoren", sagte der Sohn. "Das wird ja nicht mehr lange gut gehen." Es war unter anderem dieses Gespräch, das Andreas Schell die Augen öffnete und klarmachte, was er hier, bei Rolls Royce Power Systems, zu tun hatte. "Wir reden über eine ungeheure Transformation", sagt Schell im Podcast "Die Stunde Null", im Grunde über den "größten Umbau der Unternehmensgeschichte".

Rolls Royce Power Systems, das 2020 mit knapp 9000 Mitarbeitern rund 3 Milliarden Euro umsetze, ist vielen Deutschen besser bekannt als MTU Friedrichshafen, da die Motoren noch unter dieser Marke laufen. Seit 2014 gehört das 1909 gegründete Traditionsunternehmen zum britischen Rolls-Royce-Konzern.

MTU ist als Hersteller von großen Dieselmotoren, Gasmotoren und -turbinen und Antriebssystemen weltweit bekannt, man liefert in gut ein Dutzend Branchen, für die Schifffahrt, von der Jacht bis zum Schlepper, für die Energieversorgung, für Bergbaumaschinen, Schwerfahrzeuge, militärisches Gefährt oder die Eisenbahn. Man sieht sich hier in der "Champions League der Motorenherstellung". Aber: Die Motoren verursachen auch Emissionen, über die gesamte Wertschöpfungskette sind es 109 Millionen Tonnen. Das ist in etwa der Ausstoß von Belgien.

"Wir haben unsere Unternehmensstrategie wirklich neu definiert", sagte Schell. "Wir haben eine über 110 Jahre existente funktionale Organisationsform verändert." Bis 2030 will er den Ausstoß an Treibhausgasen im Vergleich zu 2019 um 35 Prozent senken und 2050 klimaneutral sein. Teil der neuen Organisation ist die neue Geschäftseinheit "Sustainable Power Solutions", die nur über nachhaltige Lösungen nachdenkt. Die ersten Baureihen von Motoren werden schon ab 2023 auf nachhaltige Kraftstoffe umgestellt.

Hier am Bodensee will man nicht mehr nur Motoren herstellen, sondern Lösungen anbieten - die mit synthetischen Kraftstoffen oder Wasserstoff laufen. "Wir wollten ein Team aufsetzen, das von Montag bis Freitagabend über nichts anderes nachdenkt und die Transformation durchs Unternehmen treibt", sagt Schell. Bei Rechenzentren etwa, wo MTU-Motoren die Notstromversorgung sicherstellen, kommen künftig Brennstoffzellen zum Einsatz - erste Pilotprojekte gibt es bereits, 2025 sollen sie marktreif sein. Schell erwartet trotz der schmerzhaften Transformation, die mit Angst um Arbeitsplätze einhergeht, ein "goldenes Zeitalter für Ingenieure", weil es viele Innovationen für den Umbau in der Maschinenbaubranche brauche.

Trotz der vierten Corona-Welle schaut Schell optimistisch ins kommende Jahr. "Die Auftragsbücher für 2022 sind gut gefüllt", sagte er. "Einige Produktlinien sind bis weit ins Jahr bereits verkauft." Kopfschmerzen bereiten allerdings auch bei Rolls Royce Power Systems die globalen Lieferketten. Das reiche von Elektronikbauteilen bis hin zum Rohmaterial, so Schell. "Meine persönliche Erwartung ist, dass wir auf dem derzeitigen Niveau noch wenigstens 12 bis 18 Monaten mit solchen Themen zu kämpfen haben."

Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null":

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