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Rätselhaftes Phänomen in Tegernsee-Region: Seltsamer Wasserschwund - Anwohner und Naturschützer besorgt

Die Rottach wurde ausgebaut, um besseren Schutz vor Hochwasser zu bieten. Doch jetzt sind Fischer, Naturschützer und Anwohner in Sorge: Stellenweise fließt kein Wasser mehr, es versickert auf seltsame Weise.

Tegernsee/Rottach-Egern - Fred Huber lebt in Brandstatt nahe der Rottach. Fast nichts, was am und im Fluss vorgeht, entgeht seinen Augen. Mehr noch: Seit gut 40 Jahren lässt er die Vorgänge dokumentieren. Huber nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er etwa mit Arbeiten nicht einverstanden ist.

Rottach-Egern: Anwohner beobachtet seltsamen Wasserschwund am Fluss

So im Januar 2016: Da holte Huber die Polizei, weil er der Ansicht war, dass eine Abholzaktion am Rottachufer im Auftrag des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim (WWA) nicht in Ordnung sei. Dabei war die Aktion genehmigt, marode Abstürze aus Holz mussten ausgetauscht und dabei auch etliche Bäume gefällt werden. Nötig war dies wegen Sanierungsmaßnahmen unterhalb der Brücke an der Kühzaglstraße.

Wildbach: Im Juli führte die Rottach, hier bei Kalkofen, durchaus Wasser. 

Überhaupt mussten in Folge massenhaft Bäume an der Rottach fallen, um den Hochwasserschutz zu verwirklichen. Kosten: 4,3 Millionen Euro. Ende 2019 waren die Arbeiten abgeschlossen. Seitdem beobachtet Fred Huber einen seltsamen Wasserschwund.

Wasserschwund: Vorwurf eines Anwohners - „Bei Sanierung wurde Bachbett kaputt gemacht“

„Ab Haslau verschwindet das Wasser“, berichtet Huber und hat einen schlimmen Verdacht: „Bei der Sanierung wurde das Bachbett kaputt gemacht. Die Rottach wurde kaputt saniert.“ Mit seiner Beobachtung ist Huber nicht alleine. Auch Christian Graganski bemerkt eine Veränderung im Fluss. Seit über 20 Jahren ist er als Fischer in der Rottach aktiv, seit heuer sogar als Hauptpächter. Er holt nicht nur Bach- und Seeforellen, sondern auch Rotflossen und die seltenen Rutten aus dem Gewässer. Er und seine Kollegen sind für die Hege und Pflege des Gewässers zuständig.

Und sie müssen ihre Fänge und den Zustand des Gewässers streng protokollieren und an den Landes-Fischereiverband weiterreichen. „Von August 2020 bis heuer im März führt die Rottach auf einer Länge von 2,1 Kilometern bis Haslau kaum mehr Wasser, die wasserführenden Tage kann man da an zwei Händen abzählen“, berichtet Graganski. Innerhalb von 20 Stunden verschwinde das Wasser teils komplett, da bleibe nur wenig Zeit, um die Fische zu retten und im Oberlauf wieder einzusetzen.

Extremer Wasserverlust: Zahl der in der Rottach lebenden Tiere hat sichtbar abgenommen

Trockene Zeiten habe es immer gegeben, aber jetzt sei der Wasserverlust extrem. Selbst nach einem Regenwochenende, wie vor Kurzem, sei das Wasser am Montag fast weg. „Seltsam“, finden das die Beobachter. Die Veränderung in der Rottach, die von der Quelle nahe des Suttensees bis zur Mündung geschützt ist, sei auffällig, sagen die Beobachter. Beispielsweise wurden schon länger keine Krebse oder Eisvögel mehr gesehen, die Zahl der dort lebenden Tiere ist sichtbar zurückgegangen. Und auch die Kleinstlebewesen sind gefährdet.

Welche Gründe hat der Wasserverlust? Könnte es damit zu tun haben, dass es Probleme mit dem Grundwasserspiegel in diesem Bereich gibt? Er ist gut einen Meter unter der Rottach zu finden und dehnt sich etwa viermal so breit aus wie der Bach selbst. Wurde bei der Bachsanierung vielleicht eine Wasserader verletzt?

Daran hat Fred Huber schon ebenso gedacht wie an die Möglichkeit, dass die Ursache bei der Wasserversorgungsstation von Tegernsee und Rottach-Egern am Unterwallberg zu suchen sein könnte. Diese Möglichkeit schließt Hans Staudacher, Geschäftsleiter der Stadt, aus. Am Unterwallberg, sagt er, werde zwar das Wasser gefördert und dann in Hochbehälter gepumpt. Von Problemen dort sei aber nichts bekannt.

Wasserschwund in der Rottach: Das sagt das WWA

Andreas Holderer vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim nimmt auf Nachfrage ausführlich Stellung zu der Beobachtung. Die Rottach sei ein Gewässer dritter Ordnung (ausgebauter Wildbach) und entspringe in den Kalkalpen. „Das dominierende Sohlsubstrat sind Blöcke und Kies, Feinmaterial nimmt nur einen relativ geringen Anteil ein.“ Bäche dieses Gewässertyps könnten, insbesondere bei Schneeretention und Trockenperioden, natürlicherweise rasch trockenfallen.

„Dieses Phänomen“, so Holderer, „ist bei der Rottach, wie auch bei der Weissach und anderen Wildbächen im Tegernseer Tal regelmäßig zu beobachten. Eine signifikante Beeinflussung des Abflusses in der Rottach und eine Beeinflussung des Grundwasserstandes an verschiedenen Messstellen in diesem Bereich durch eine Grundwasserentnahme zu Trinkwasserzwecken können wir nicht erkennen. Das ist insofern auch nicht zu erwarten, da der Grundwasserstand über weite Strecken im unteren Rottachtal die meiste Zeit des Jahres unter der Sohllage des Wildbaches liegt und nur kurzfristig bei intensivem Dauerregen dieses Niveau erreicht.“

Rottach: Mit Niedrigwasser muss künftig häufiger gerechnet werden

Zu einem weiteren Vorwurf Fred Hubers, nämlich üblem Geruch, nimmt Holderer Stellung: An Gewässerabschnitten, die durch natürliche oder künstliche geringe Abflussmengen gekennzeichnet sind, sei im Niedrigwasserbereich an verschiedenen Stellen ein intensives Algenwachstum zu beobachten gewesen. Erst erhöhte Abflüsse würden dann zu Umlagerungen des Sohlsubstrats (Kies) und zum Abreißen der Algenfäden führen.

Dadurch werde das Wachstum von fädigen Kiesel- und Grünalgen gestört und es könnten sich keine Algenlager bilden, wie dies zu beobachten gewesen sei. „Sobald ein kleineres Hochwasserereignis stattfindet, dürften auch die beobachteten Algenmatten wieder verschwinden. Allerdings müssen wir auch zukünftig unter den prognostizierten klimatischen Bedingungen häufiger mit solchen Phasen ausgesprochen konstanter Niedrigwasserabflüsse rechnen.“

Für die Beobachter bleiben dennoch Fragen. „Das Ziel muss sein, die Rottach wieder durchgehend zu beleben, denn dann profitieren nicht nur die Tiere, sondern auch die vielen Einheimischen und Gäste, die täglich an der Rottach spazieren gehen“, findet Fred Huber. Es gebe nur eine Möglichkeit zur Änderung der Situation, so die Beobachter: Rottach-Egern und Tegernsee, Naturschutz, WWA, Verpächter und Pächter müssen gemeinsam eine Lösung finden.

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