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Rostock beteiligt sich an bundesweitem NSU-Theaterprojekt

Rostock war einer der Tatorte in der NSU-Mordserie: Am 25. Februar 2004 wurde Mehmet Turgut in Rostock-Toitenwinkel ermordet. Nun wird auch dieser Mord Teil einer politischen und künstlerischen Aufarbeitung. Mit einer Reihe von Veranstaltungen in der Stadt wird der NSU-Themenkomplex öffentlich verarbeitet. Das bundesweite Projekt läuft vom 21. Oktober bis 7. November in 15 deutschen Städten, zum Beispiel in Hamburg, Kassel und Jena. Träger des Projekts ist der im September 2020 gegründete Verein Licht ins Dunkel. Auch Rostock ist dabei. So wurde auch das Volkstheater einer von den beteiligten Partnern.

Basis ist ein bundesweites Theaterprojekt an 15 Orten

Das bundesweit organisierte Programm hat mit dem Volkstheater Rostock ein Mitglied im großen Kooperationsnetzwerk. „2019 wurde ich gefragt, ob unser Theater an dem Projekt teilnehmen könnte“, erklärt Volkstheater-Intendant Ralph Reichel die Hintergründe. Das bundesweite Theaterprojekt trägt den Titel „Kein Schlussstrich!“ und will sich mit den Untaten des NSU auf ganz unterschiedliche Weise auseinandersetzen.

Rundgang durch Toitenwinkel zum Gedenken

Innerhalb des Volkstheaters ist Dramaturg Arne Bloch für die Veranstaltungen in Rostock Organisator. „Mit dem Projekt geht das Volkstheater hinaus in die Stadt“, erklärt Bloch. So wird ein Gedenkspaziergang am 21. Oktober durch Toitenwinkel das Geschehen noch einmal in Erinnerung bringen. Beginn ist um 19 Uhr am Ortsamt Ost, dann führt der Weg zur Gedenkstätte von Mehmet Turgut und schließlich zum „Zukunftsladen“ in Toitenwinkel. Dass dies im öffentlichen Raum stattfindet, ist wichtig für Arne Bloch. „Wir können dann auch mit Einwohnern ins Gespräch kommen“, sagt Arne Bloch über diesen Programmpunkt.

Ausstellung in zwei Orten in Rostock

Im „Zukunftsladen“, der am Toitenwinkler Stern liegt, ist vom 18. bis 31. Oktober die Ausstellung „Offener Prozess“ zu sehen. Gezeigt werden darin Lebensrealitäten von Migranten in Deutschland, aber auch die Kette von rassistischer Gewalt im Alltag. Innerhalb von Projekttagen wird diese Ausstellung auch für die Arbeit mit Jugendgruppen ab 15 Jahren angeboten, federführend ist der Verein Soziale Bildung. Vom 1. bis 14. November ist die Ausstellung dann im Peter-Weiss-Haus aufgebaut.

Oratorium wird zwei Mal in Toitenwinkel aufgeführt

Der Sternplatz in Toitenwinkel ist am 28. und am 31. Oktober Schauplatz für das Oratorium „Manifest(o)“, das von Komponist Marc Sinan stammt. Entstanden ist es in Projektwochen mit Rostocker Jugendlichen, beteiligt an dieser Percussion-Performance ist auch der Rostocker Musiker Christian Kuzio. Natürlich leitet auch das Volkstheater künstlerische Beiträge. So mit dem Tanztheaterabend „Life Letters 2“, der Erzählungen von Migrantinnen zur Basis nimmt und sie mit tänzerischem Ausdruck verbindet. Die Performance kommt am 3. November für eine Vorstellung ins Stadtteil- und Begegnungszentrum nach Toitenwinkel.

Hintergründe der NSU-Mordserie sind unaufgearbeitet

Innerhalb dieses Projektes werden weiterhin Fragen an die Politik gestellt. Auch nach der NSU-Enttarnung im Jahr 2011 blieb vieles unaufgearbeitet. Bis heute sind die Hintergründe des NSU-Komplex immer noch unklar, so die Initiatoren des Projektes. Auf diese Weise erklärt sich auch der Titel dieser Initiative – „Kein Schlussstrich!“. Die Fragen nach den Versagen behördlicher Organe oder nach einer etwaigen Mitwisserschaft bleiben weiter offen. Hier soll eine nochmalige Diskussion und eine weiter notwendige Aufklärungsarbeit angeregt werden. „Wir wollen die Politik darauf aufmerksam machen“, sagt Arne Bloch.

Öffentliches Gespräch im Peter-Weiss-Haus am 1. November

Dazu soll auch ein öffentliches Gespräch im Peter-Weiss-Haus dienen, das am 1. November stattfindet. Es geht um das Erinnern und Gedenken in Rostock: Dabei wird ein großer Bogen geschlagen: Inhaltlich reicht es vom Ende der DDR über die ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen 1992 bis zum Mord an Mehmet Turgut 2004.

Höhepunkt: dokumentarisches Theaterstück „Sonnenblumenhaus“

Ein künstlerischer Höhepunkt dieser Tage dürfte das dokumentarische Theaterstück „Sonnenblumenhaus“ von Dan Thy Nguyen sein. Thematisiert werden darin die Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen 1992, eingenommen wird die Perspektive der Überlebenden. Die Aufführung steht am 6. November um 20 Uhr im Ateliertheater auf der Tagesordnung.

Von Thorsten Czarkowski