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Ryder Cup: Team Europa will Chancen auf den Sieg erhöhen

Pádraig Harrington hat von Bernhard Langer gelernt. 2004 teilten die Verantwortlichen des Ryder Cups beiden Teams mit, dass sie den Fans keine Autogramme geben müssen. Während sich die Amerikaner an diese Vorgabe hielten, wies der deutsche Kapitän Langer seine Spieler an, da­runter der Ire Harrington, genau das Ge­genteil zu tun: möglichst oft mit den Fans Kontakt aufzunehmen, jeden Wunsch nach einer Unterschrift zu erfüllen.

Die „Euros“, die als krasse Außenseiter in dieses alle zwei Jahre ausgetragene Prestigeduell gegangen waren, besiegten die amerikanischen Gastgeber in Michigan mit einem Ergebnis von 18 ½ : 9 ½, bis heute der höchste Sieg der vermeint­lichen „Underdogs“ sowohl zu Hause als auch auswärts.

Käsehüte und spezielle Kleidung

Der fünfzig Jahre alte Harrington ließ dieses erfolgreiche Konzept bei der 43. Auflage in Whistling Straits in Haven (Wisconsin) wieder aufleben. Er versuchte schon am zweiten Trainingstag, mit einer Charme-Offensive die amerikanischen Fans wenigstens ein wenig für sein Team einzunehmen.

Zwar dürfen wegen der Covid-Beschränkungen diesmal keine Autogramme gegeben werden, aber dem Dubliner fiel dennoch etwas ein. Am Mittwochmorgen kamen seine zwölf europäischen Spieler und ihre Caddies mit riesigen Käsehüten auf den Platz, die sie danach in das begeisterte Publikum warfen. Dazu trug das „Team Europa“ grün-gelb gestreifte Kleidung.

Nach der Hommage an den Bundesstaat Wisconsin, der für seine Molkereiprodukte berühmt ist ­ – eine Huldigung an das Football-Team der Green Bay Packers, die rund hundert Kilometer nördlich vom Tausend-Seelen-Dorf Ha­ven zu Hause sind und in diesen Farben antreten. „Unser Ausrüster wollte für mich etwas Irisches ins Spiel bringen. Aber ich habe mir gesagt, warum sollen wir nicht etwas für Wisconsin tun.“

Kapitän Padraig Harrington (Mitte) sucht häufig den direkten Kontakt mit den Zuschauern. Beim Ryder Cup muss er darauf verzichten.

Kapitän Padraig Harrington (Mitte) sucht häufig den direkten Kontakt mit den Zuschauern. Beim Ryder Cup muss er darauf verzichten. : Bild: AFP

Harrington ging sogar noch einen Schritt weiter: „Bisher war ich Fan der New England Patriots, aber ab jetzt bin ich ei­ner der Packers.“ Offensichtlich wirkte es: „Die US-Fans sind bis jetzt einfach brillant, zumindest bis jetzt. Die haben mir alles Gute gewünscht, nicht alles, aber viel Gutes. Das ist richtig nett, denn das war nicht immer der Fall“, sagte Ian Poulter.

Der 45 Jahre alte Engländer stand schon vor 17 Jahren im Team, wie auch seine diesjährigen Mitstreiter Lee Westwood (48 Jahre), Paul Casey (44/beide England) und Sergio Garcia (41/Spanien). Dagegen findet sich im „Team USA“ kein einziger Akteur mehr, der damals im Oakland Hills Golf Club mit von der Partie war. Der ehemalige Primus Dustin Johnson ist im deutlich jüngeren „Team USA“ mit 37 Jahren der Älteste. Doch Erfahrung ist auch der einzige Punkt, der für die Gäste spricht.

„Alles spricht gegen uns“

Die Amerikaner schicken acht Spieler in den Wettbewerb, die unter den Top Ten der Weltrangliste geführt werden. Außer dem spanischem Weltranglistenersten Jon Rahm findet sich in diesem erlesenen Kreis kein weiterer Europäer. Während das Durchschnittsranking der Amerikaner bei neun liegt, beträgt es für die Europäer 31.

Deshalb glaubt Rory McIlroy, dass die erfolgreiche Titelverteidigung in Whistling Straits ein noch größerer Coup wäre als das „Miracle of Medinah“ in Il­linois 2012, als die „Euros“ am Schlusstag den 4:10-Rückstand nach den Vierern noch in einen 14 ½ : 13 ½-Sieg umwandelten.

„Den Ryder Cup auswärts zu ge­winnen ist noch bedeutungsvoller. Wenn man auf die Weltrangliste schaut, spricht aber alles gegen uns“, fügte der 32 Jahre alte Nordire an. Eine erstaunliche Aussage, denn immerhin siegte Europa bei sieben der letzten neun Duelle, zuletzt in Frankreich gar deutlich mit 17 ½ : 10 ½ ­ – und auch damals wurden die Amerikaner höher eingestuft.

Die Titelverteidiger aus Europa sehen sich nicht als die Favoriten auf den Sieg beim Ryder Cup.

Die Titelverteidiger aus Europa sehen sich nicht als die Favoriten auf den Sieg beim Ryder Cup. : Bild: AP

Trotzdem betont auch Kapitän Harrington die Außenseiterrolle seiner zwölf Profis. Er versuchte ihr Selbstvertrauen zu stärken, indem er gemeinsam mit der European Tour einen Kurzfilm drehen ließ, den er seinen Spielern am Montagabend nach der Ankunft im Team­raum zeigte und der danach auf Twitter veröffentlicht wurde. In diesem kurzen Streifen dreht sich alles um die Zahl 164.

So wenige Profis spielten seit 1927 bisher für die Teams Großbritannien und Irland sowie Europa (seit 1979), viel weniger, als den Mount Everest bestiegen (mehr als 5000), sogar noch weniger, als im All kreisten (570) – und selbst mehr Profis gewann eines der vier modernen Majors (229).

„Wir gehören zu einer absoluten Elite“, unterstützte McIlroy seinen Kapitän, der bei allen Argumenten, die gegen seine Auswahl sprechen, auch Optimismus verbreitet: „Der Platz spielt sich wie ein echter Links Course.“ Und wie auf diesen traditionellen Küstenplätzen in Schottland und Irland weht auch über den Michigan-See meist ein kräftiger Wind, am Mittwoch sogar mit Böen von bis zu 55 Kilometern in der Stunde.

„Es braucht etwas Wind, um Golf auf solchen Plätzen interessant zu machen. Dann muss man den Ball flach halten“, ergänzte Harrington. Aber noch etwas erinnerte Harrington und seinen Landsmann Shane Lowry, den British-Open-Sieger von 2019, an ihre irische Heimat: die Temperaturen, die am Mittwoch nur zwischen zwölf und 16 Grad lagen: „Es war wie ein schöner irischer Sommertag“, beschrieb Ryder-Cup-Neuling Lowry den Tag.

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