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„Sinkende Nachfrage“ – mit diesen Anreizen locken Dax-Konzerne zur Corona-Impfung

Google-Chef Sundar Pichai macht in Sachen Corona-Impfung klare Vorgaben: „Jeder, der in unsere Büros zur Arbeit kommt, muss geimpft sein“, schrieb er am Mittwoch an alle Angestellten. Die neue Regel gelte weltweit und werde in den kommenden Wochen umgesetzt. Auch Facebook machte in dieser Woche eine Impfung zur Voraussetzung für den Bürobesuch. In letzter Konsequenz bedeutet das: Wer sich nicht impfen lässt, verliert, zumindest in den USA, seinen Job.

Deutsche Konzerne drängen dagegen deutlich weniger, obwohl auch hierzulande die Impfkampagne lahmt. Gut eine Million Menschen impften Betriebsärzte in Deutschland dem Robert-Koch-Institut zufolge bis Ende Juli. Doch in der vergangenen Woche schafften sie nur noch gut 50.000 Erstimpfungen. Insgesamt sank die Zahl der Erstimpfungen in Deutschland zuletzt auf das Niveau von Anfang Februar.

In einer Umfrage von WELT AM SONNTAG unter den 30 deutschen Dax-Konzernen meldeten sämtliche Unternehmen, dass sie allen ihren Angestellten ein Impfangebot gemacht haben – und dass ihre Impfkampagne aktuell dem Ende zugeht. „Der erste sehr große Andrang auf die Termine zur Corona-Schutzimpfung hat mittlerweile nachgelassen“, heißt es bei Henkel.

Ein RWE-Sprecher sieht „eine sinkende Nachfrage nach Erstimpfungen“. Auch E.on registriert „einen Rückgang der Nachfrage“, die Allianz plant daher das Ende der Impfaktion „bis Ende August“.

Kein Dax-Unternehmen will Impfpflicht einführen

Als Ursache für die geringere Nachfrage vermuten die Firmen, dass viele Mitarbeiter bereits Angebote von Hausärzten und Impfzentren angenommen haben. Der Datenschutz verhindert jedoch, dass die Unternehmen genauere Kenntnis über den Impfstatus erlangen. „Wir wissen nicht, wer geimpft oder nicht geimpft war oder ist, das dürfen wir aus Datenschutzgründen auch nicht erfragen“, erklärt etwa Siemens.

Auch die Betriebsärzte bei Henkel verweisen auf die „ärztliche Schweigepflicht“. Ausnahmen gebe es nur bei Behördenvorgaben, „etwa für Urlaubsrückkehrer in NRW“. Lediglich E.on kann auf Daten einer freiwilligen Umfrage zurückgreifen. Demnach sind „mehr als 90 Prozent der Mitarbeitenden bereits einmal geimpft, zweimal sind es sogar schon rund 85 Prozent“.

Keines der befragten Dax-Unternehmen will jedoch eine Impfpflicht einführen. Merck erklärt beispielsweise, dass die Impfungen grundsätzlich auf freiwilliger Basis geschähen und Mitarbeitern, die sich nicht impfen lassen möchten, keine Nachteile entstünden. Auch Henkel spricht von einer „freiwilligen Entscheidung“, verneint deswegen auch eine „Impfprämie“ und will nicht zwischen geimpften und ungeimpften Angestellten unterscheiden.

Einziger Anreiz bei allen Konzernen ist, dass die Impfungen während der Arbeitszeit stattfinden. Zudem werben die Firmen intensiv für die Teilnahme. RWE setzt auf „RWE-Impfbotschafter“ und Videonachrichten, Vonovia wirbt intern mit der Möglichkeit zur besonders wirksamen, von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlenen Kreuzimpfung, und diverse Konzerne mahnen die Mitarbeiter zur Verantwortung gegenüber den Kollegen.

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Doch mehr Druck gibt es nirgends, auch weil das nicht mit dem deutschen Arbeitsrecht vereinbar wäre. Dementsprechend haben viele Konzerne aktuell bereits zu viel Impfstoff und bieten diesen nun meist Angehörigen der Mitarbeiter an.

Die Ärzte von Heidelberg Zement führen sogar Wartelisten von Angehörigen, um keine Impfdosen zu verschwenden. Ähnlich gehen Münchner Rück, Volkswagen, E.on, Deutsche Börse und Covestro vor. SAP geht noch einen Schritt weiter: Der IT-Konzern startet Ende Juli eine öffentliche Impfkampagne und winkt mit Freikarten für die Fußball-Saisoneröffnung der TSG Hoffenheim als Belohnung.

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