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So machen Impfgegner mit einem Fake-Bild aus Kassel Stimmung

In dieses Bild vom Impfzentrum Kassel montierte der „Postillon“ den Hinweis „Zutritt nur für Geimpfte“. In Wirklichkeit stand auf dem Banner „Eingang“ in fünf Sprachen.

Seit Monaten kursiert im Netz ein Bild des Kasseler Impfzentrums, das angeblich nur Geimpften Zutritt gewährt. Es war eine Satire, doch Impfgegner machen nun damit Stimmung.

Kassel – Alles begann am 17. August mit einem lustigen Gag im Netz. Damals veröffentlichte die Satireseite „Postillon“ einen Artikel, der vermeldete: „Ab Mittwoch ist der Zutritt zu sämtlichen Einrichtungen, in denen geimpft wird, nur noch für Geimpfte erlaubt.“ Illustriert wurde die Witznachricht mit einem Bild vom Auestadion, an dessen Zaun ein Banner hing mit der reinmontierten Aufschrift: „Impfzentrum der Stadt Kassel. Zutritt nur für Geimpfte.“

Damals haben die meisten über den Witz gelacht. Doch dreieinhalb Monate später sind immer noch nicht genügend Menschen geimpft. Und mittlerweile wird das verfälschte Bild ohne den dazugehörigen Artikel verstärkt in den sozialen Netzwerken verbreitet – vor allem von Impfgegnern, wie ein Sprecher der Stadt klagt. Selbst Bekannte fragen Mitarbeiter des Rathauses mitunter: „Ist das wirklich echt?“ Der Sprecher sagt, dass man über den „Postillon“-Artikel damals auch im Rathaus geschmunzelt habe. Man glaubt ihm aber sofort, dass es irgendwann nicht mehr lustig ist, wenn das Bild etwa immer wieder bei Telegram auftaucht, dem wichtigsten Kommunikationskanal der „Querdenker“.

Auch „Postillon“-Gründer und -Chefredakteur Stefan Sichermann ist verwundert, von wem das Bild mittlerweile verbreitet wird: „Man kann ja nicht ahnen, dass wirklich Leute so dumm sind und das dann auch noch in großer Zahl glauben.“ Dass in dem Artikel ein Bild aus Kassel auftauchte, sei Zufall gewesen. Man habe nach einem geeigneten Foto gesucht, eben das gefunden und entsprechend verändert.

Mit dem „Postillon“ startete Sichermann 2008. Damals arbeitete der Hobby-Blogger noch hauptberuflich in einer Werbeagentur. Mittlerweile ist die Zeitungs-Parodie eine der beliebtesten Satireseiten im Netz. Allein auf Facebook hat das Angebot fast drei Millionen Fans.

Und oft fallen auch Journalisten auf die Fakes rein. Als der „Postillon“ etwa nach dem 7:1-Sieg der deutschen Fußballer über Brasilien bei der WM 2014 vermeldete, dass ein Kneipier Pleite gegangen sei, weil er für jedes deutsche Tor einen Schnaps gratis versprochen habe, verbreiteten mehrere russischsprachige Nachrichtenportale die Nachricht.

In den Feuilletons wird oft gefragt: „Was darf Satire?“ Sichermann stellt sich die Frage nach dem Missbrauch seines Kassel-Bilds nicht: „Wir machen weiter das, was wir für sinnvoll halten. Impfgegner, die dieses Bild verwenden, um Stimmung gegen das Impfen zu machen, machen sich selbst lächerlich.“ (Matthias Lohr)