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Tempolimit vor Grundschule? „Raser kriegst Du nur über den Geldbeutel“

Tempolimit, Stau und ein fehlendes Schwimmbad: Bei der Bürgerversammlung wurde deutlich, was die Unterföhringer beschäftigt.

Unterföhring – Eltern sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder auf dem Schulweg. Pendler stehen im Stau. Der Schwimmverein fordert ein Hallenbad. Und alle sind stolz auf die Geothermie. Thematisch übt sich die Bürgerversammlung in Unterföhring nach eineinhalb Jahren Corona in Normalität.

Kaum eine Gemeinde scheint die Krise besser gemeistert zu haben als Unterföhring. Die Finanzen stimmen. Mit den wichtigsten Vorhaben liegt man im Plan, Feuerwehr-Gerätehaus, Bauhof, Wohnbau und Grundschul-Sanierung. Zukunfts-Projekte wie den Sportpark und das neue Rathaus, behält man zudem im Auge. Zur Feier des Tages präsentierte Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer dem Publikum schließlich den nagelneuen Internet-Auftritt der Gemeinde.

Föhringer Ring: „Die Bäume sind weg, doch nichts ist passiert.“

Zwar verzichtete das Rathaus – trotz steigender Infektionszahlen – auf Zugangsvoraussetzungen wie die 3G-Regel, dennoch war der Festsaal kaum zur Hälfte belegt. Darunter war auch Michael Gernet. Er warnte vor morgendlichen Rasern und dem Lastverkehr vom Container-Bahnhof an der Grundschule. Der Elternbeiratsvorsitzende beklagte den Verlust der Geschwindigkeitsanzeiger und rief zu Tempo 30 vor der Grundschule auf.

Um den Ausbau des Föhringer Rings hatte sich kurz zuvor Stefan Ganser Gedanken gemacht. „Die Bäume sind weg, doch nichts ist passiert.“ Statt morgens entspannt zur Arbeit zu fahren, fänden sich Pendler zähneknirschend immer öfter im Stau wieder.

An der Grundschule will Bürgermeister Kemmelmeyer alsbald „härtere Geschützte auffahren“. Mit Geschwindigkeitsanzeigen und dergleichen gibt man sich nicht mehr ab. „Raser kriegst Du nur über den Geldbeutel zu fassen“, ließ er Elternbeiratssprecher Gernet wissen. Eltern sollten sich aber weiterhin bemühen, ihre Kinder zu sensibilisieren. Für Ganser indes wusste Kemmelmeyer auf die Schnelle keinen Rat. „Das Verfahren stockt!“ Der Freistaat geize mit Informationen. Nach 30 Jahren der Planung habe man, wie aus dem Rathaus zu hören ist, anscheinend versäumt, uralte Richtlinien anzupassen. Zwar gelte 2025 nach wie vor als Deadline, doch Kemmelmeyer bleibt skeptisch: „Wir harren der Dinge, die da kommen.“

„Ich hoffe nicht, dass erst ein Kind ertrinken muss, bevor...“

Elisabeth Rupprecht vom Schwimmverein geht es um Kinder und Jugendliche, die nicht gelernt haben, sich über Wasser zu halten. „830 Kinder bis zehn Jahren können nicht schwimmen.“ Rupprecht warnt davor, auf den Sportpark zu warten. „Ich hoffe nicht, dass erst ein Kind ertrinken muss, bevor wir ein Hallenbad kriegen!“ Der Gemeinde ist die Problematik durchaus bewusst. Kemmelmeyer versprach, das Thema im nächsten Finanzausschuss zu behandeln.

Was Geovol betrifft, bleibt der Bürgermeister auf Linie. Agenda-Sprecher Josef Trundt freut das ungemein. Der zuletzt in Rede gebrachten Kooperation mit den Stadtwerken stehen beide kritisch gegenüber. „Wir wollen nicht gallisches Dorf spielen“, meinte Kemmelmeyer: „Zusammenarbeit aber funktioniert nur zu beider Seiten Nutzen.“ Die „Erfolgsgeschichte Geovol“ sähe er gern fortgesetzt. Vollmundigen Ankündigungen, das Heizkraftwerk auf Gas umzumodeln, traut der Bürgermeister nicht über den Weg. Im Vergleich zu Kohle sei Gas das kleinere Übel. „Unterföhring aber setzt auf Erneuerbare Energien.“