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Tödlicher Leichtsinn am Bahnübergang: BRB startet bayernweite Aktion

Warngau – Immer wieder kommt es an unbeschrankten Bahnübergängen zu Unfällen von Autofahrern mit Zügen. Mit einer Aktion in Warngau haben Polizei, ADAC und BRB darauf aufmerksam gemacht.

Ein schriller Pfiff hallt durch die Warngauer Flur, gefolgt von gespanntem Warten: Ein Zug nähert sich in voller Fahrt dem unbeschrankten Bahnübergang Tannried. Kurz davor leitet der Zugführer eine Sofortbremsung ein. Der 240 Tonnen schwere Zug kommt unter Quietschen langsam zum Stehen – 200 Meter nach dem Bahnübergang.

Hätte auf dem Übergang ein Auto gestanden, es wäre wie eine Dose einfach zusammengepresst worden. Mit dieser eindrucksvollen Demonstration mahnen die Bayerische Regionalbahn (BRB), der ADAC Südbayern und die Polizei zu mehr Vorsicht am Gleis. Denn: Die meisten Unfälle an Bahnübergängen wären leicht zu verhindern – und damit viel Leid.

Bremsweg von mehr als 200 Metern

„Mehr als 95 Prozent aller Unfälle an Bahnübergängen sind auf ein Fehlverhalten der Autofahrer oder Fußgänger zurückzuführen. Durchschnittlich jeder vierte endet tödlich“, betont Rüdiger Lode, Vorstand für Verkehr, Technik und Umwelt beim ADAC Südbayern. Leichtsinn, Unaufmerksamkeit und die Unkenntnis der Verkehrsregeln sind immer wieder Ursache für schwere Unfälle.

„Der Bremsweg war gerade mehr als 200 Meter, da sind die Möglichkeiten für den Lokführer begrenzt“, sagt Arno Beugel mit Blick auf den stehenden Zug. Der DB-Notfallmanager war im September 2020 vor Ort, als ganz in der Nähe ein Wagen mit einer jungen Familie nach einem Zusammenstoß mit der BRB geborgen werden musste. Das Paar und seine damals vier Monate alte Tochter wurden schwer verletzt.

Durch Aufprall gegen Bahnhaus geschleudert

Diesen Tag wird auch Lokführer Stefan Neubeck nie wieder vergessen. Er freute sich eigentlich schon auf seinen Dienstschluss, als er das Auto auf den Bahnübergang zufahren sah. „Ich habe gehofft, dass das Auto bremst“, sagt Neubeck. Dann versperrten dem Lokführer ein Haus und Bäume den Blick auf das Fahrzeug, das auf den Bahnübergang fuhr.

Wie unfassbar gewaltig die Kräfte sein müssen, die bei einem Zusammenprall mit einem Zug wirken, wird an diesem Autowrack deutlich.

„Als ich das realisiert hatte, leitete ich sehr schnell eine Vollbremsung ein“, erklärt Stefan Neubeck. Quälende 400 Meter reichte der Bremsweg. „Ich habe das Auto voll erwischt“, sagt der Lokführer betroffen. Durch den Aufprall wird der Wagen gegen das Schalterhaus geschleudert. „Mein Appell ist: Bitte seien Sie an Bahnübergängen besonders aufmerksam. Ihr Leben und das anderer Verkehrs­teilnehmer hängt von Ihrem Verhalten ab.“

Unachtsamkeit der Autofahrer als Problem

Eigentlich sind Bahnübergänge, ob nun beschrankt oder nicht, durch Verkehrsschilder und Andreaskreuze gut zu sehen. Bei ungesicherten Übergängen geben die sich nähernden Züge ein Warnsignal ab. Unachtsamkeit der Autofahrer sei das große Problem, sagt Rüdiger Lode vom ADAC Südbayern: „Ursache ist oft Zeitdruck und der Irrglaube, die Situation unter Kontrolle zu haben.“

Beim ersten Fehlverhalten liege die Hemmschwelle vielleicht noch hoch, „wenn jedoch beim wiederholten Male nichts passiert, sinkt das Risikobewusstsein“. Oft wird auch der Bremsweg eines Zuges unterschätzt. „Selbst, wenn ein Lokführer eine sofortige Vollbremsung einleitet, benötigt ein 100 km/h schneller Zug bis zu 1.000 Meter bis zum Stillstand“, erklärt Bärbel Fuchs, Geschäftsführerin der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG).

Deshalb raten ADAC und BEG:

Weitere Informationen zum richtigen Verhalten an Bahnübergängen und ein Film, der eindringlich zu höchster Vorsicht am Bahnübergang appelliert, sind auf der Internetseite der BRB zu finden.

„Oft glaubt jemand, dass er noch schnell drüberfahren kann“, sagt Fabian Amini, Vorsitzender der BRB-Geschäftsleitung. In Bayern gibt es über 3.000 Bahnübergänge, die Hälfte davon unbeschrankt. Von 50 Unfällen im Jahr 2020 verliefen elf tödlich. Amini appelliert deutlich zu mehr Vorsicht: „Wenn Sie es da eilig haben, kann es sein, dass Sie es nie wieder eilig haben werden.“ she