Germany
This article was added by the user Anna. TheWorldNews is not responsible for the content of the platform.

Triathlon: Wie ein Neubrandenburger Hawaii-Geschichte schrieb

Auch Tage nach seinem größten Erlebnis als Sportler war Jan Müller noch voller Euphorie: Ja, ich war hier, hier auf Hawaii! Und ich habe das Ziel erreicht! Am 26. Oktober 1996 finishte Müller den Ironman auf Hawaii. Im Sehnsuchtsort aller Triathleten dieser Welt erreichte der damals 26-Jährige nach 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen in 10:25,01 Stunden überglücklich das Ziel. Es sei das Größte gewesen, was er als Triathlet erlebt habe, sagt Jan Müller 25 Jahre später. Der heute 51-Jährige schrieb damals sogar ein Kapitel Stadt-Geschichte – er war der erste Neubrandenburger, der beim berühmtesten Triathlon-Wettkampf des Erdballs gestartet ist.

Es ist ein schwieriger Weg auf die Insel im Pazifik und deshalb nur ein kleiner Kreis von Neubrandenburger Triathleten, die sich überhaupt für Hawaii qualifiziert haben: Nach Müller schafften lediglich noch Thomas Rost, Thomas Weber, Frank Reimann und in diesem Jahr Stephan Schwandke, die Qualifikationshürden zu meistern.

Jan Müller sicherte sich das Hawaii-Ticket im Sommer 1996 in Roth. Bei dem in Deutschland bekanntesten Ironman kam der Athlet vom damaligen Tri-Sport-Verein nach stolzen 9:30,24 Stunden ins Ziel. „Ich wusste, dass jetzt für mich auch Hawaii interessant wird”, erzählt er. In seiner Altersklasse bekamen nur die besten 35 Athleten ein Ticket für Hawaii, Müller kam in Roth als 48. ins Ziel. Da aber traditionell nicht alle Ironmänner ihr Startrecht in Anspruch nehmen, rutschte der Neubrandenburger so weit nach vorn, dass er am Ende dabei war. „Für mich ging da schon ein Traum in Erfüllung”, sagt er.

Jan Müller spielte viele Jahre Fußball bei Post

Seine erste Langdistanz hatte Jan Müller zwei Jahre zuvor ebenfalls in Roth gemeistert. Bis dahin war er mehr gemütlich unterwegs als Hobbytriathlet. „In Roth kam ich nach 10:30 Stunden ins Ziel und dachte mir: Was wäre möglich, wenn ich ein bisschen mehr trainiere?”, erinnert er sich. Der Mythos Hawaii spielte damals auch für den Neubrandenburger eine motivierende Rolle.

Jan Müller, der 1989 seinen ersten Triathlon als Streckenposten erlebte und davor viele Jahre als Fußballer bei der BSG Post Neubrandenburg unterwegs war, legte schließlich los, erhöhte nach und nach seine Trainingsumfänge. Allein in dem Jahr vor seinem Hawaii-Start schwamm er im Training 186 Kilometer, saß 7000 Kilometer auf dem Rennrad und rannte 2800 Kilometer durch die Gegend. Während das Training für das größte Abenteuer seines Lebens bestens lief, tat sich eine andere „Baustelle” auf: Es ging ums Geld. Etwa 5000 D-Mark sollte Hawaii insgesamt kosten, eine Summe, die der junge Mann nicht hatte. „Meine Eltern haben mir damals sehr geholfen. Ich habe dann auch einfach beim Nordkurier angefragt, ob man mich unterstützen könnte. Ja, konnte man, so hatte ich wenigstens schon mal die Flugkosten drin. Das war schon schön”, erzählt er mit einem Schmunzeln.

Auf der Trauminsel des Triathlonsports erfüllten sich dann auch für Jan Müller alle Vorstellungen von dem legendären Ironman – einfach geil: „Es war aber nicht mein schönster Wettkampf, weil du die meiste Zeit durch die Lava-Wüste fährst und läufst, da ist kaum ein Zuschauer. Die sind nur im Zielbereich.” Nicht ganz zufrieden war er mit seiner Zeit: „Die Bedingungen mit der extrem hohen Luftfeuchtigkeit und der großen Hitze waren aber auch sehr hart.” Dazu trat er mit Schmerzen an, weil er wenigen Wochen vor Hawaii mit dem Rad gestürzt war. Den Ironman deshalb absagen – kein Thema.

Nach Hawaii legte Jan Müller eine neunjährige Ironman-Pause ein. Es fehlten Lust und Motivation. Erst 2005 war er wieder am Start – beim Norseman in Norwegen, der wegen seiner vielen Höhenmeter als einer der härtesten Langdistanzen weltweit gilt – nach qualvollen 12:10 Stunden überquerte der Neubrandenburger die Finisherlinie. Nach dem Wettkampf 2008 auf Lanzarote beendete er schließlich seine Ironman-Karriere. Hawaii 1996 wird ihm aber immer in Erinnerung bleiben: „Dieser Ironman bleibt ein Mythos.”

Heute arbeitet Jan Müller als Triathlontrainer für den SCN

Dem Triathlonsport ist er indes treu geblieben, 2008 fand er den Weg als Übungsleiter zum SC Neubrandenburg, bei dem er sich ehrenamtlich um den Nachwuchs kümmerte. Seit 2013 arbeitet Jan Müller hauptberuflich als Triathlontrainer für den SCN und ist froh darüber, mittlerweile ein sicheres Arbeitsverhältnis zu haben.

Lange Zeit hangelten sich Müller und viele andere Trainerkollegen von Jahresvertrag zu Jahresvertrag. Im Zuge der Reform im Leistungssport gab es in dem Punkt jedoch positive Veränderungen. Jan Müller gehört jetzt zum Trainerpool des Landessportbundes Mecklenburg-Vorpommerns und hat einen unbefristeten Vertrag. „Ich bin da sehr dankbar, das zeigt, dass man Vertrauen hat”, sagt der Neubrandenburger, der 2020 vom Triathlonverband als Deutschlands Nachwuchstrainer des Jahres ausgezeichnet wurde.