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„Und dann entscheidet so ein Scheiß-Elfmeter das Spiel“

Es waren zwei Szenen, die das rasante Spitzenspiel letztlich entschieden. Zwei Szenen, in denen es um Elfmeter ging. Einmal meldete sich der Video-Assistent, einmal nicht. Der FC Bayern bekam den Elfmeter, Dortmund nicht, und deshalb endete das Spiel am Ende mit dem 3:2-Auswärtssieg der Münchner. So die Zusammenfassung, wie sie anschließend nicht nur aus dem Dortmunder Lager zu hören war.

„Schade, dass so ein Scheiß-Elfmeter das Spiel entscheidet“, klagte Emre Can, „es war ein sehr gutes, ein offenes Spiel. Und am Ende entscheidet ein Elfmeter, weil ich gehört habe, dass man dann unseren Elfmeter auch geben muss.“

Es war der Vergleich, der die Gemüter erregte. Die vermeintliche Ungleichbehandlung, weil Schiedsrichter Felix Zwayer zunächst weder bei dem Handspiel von Mats Hummels (74.), noch zuvor bei einem Zweikampf zwischen Bayerns Lucas Hernandez und Marco Reus (53.) auf Elfmeter entschied, sich im Fall Hummels aber auf Anraten seines Video-Assistenten die Bilder noch einmal anschaute, um sich dann zu korrigieren.

Reus in Rage, Rose verschwörerisch

„Das sind die zwei entscheidenden Szenen. Wenn ich oder wir den Elfmeter kriegen, dann gehen wir wahrscheinlich in Führung“, erinnerte Reus, der nicht verstehen konnte, weshalb nach seinem Zweikampf keine nachträgliche Kontrolle der Entscheidung erfolgte.

Bundesliga - Borussia Dortmund v Bayern Munich

Die Hand am Ball, aber Elfmeter? Mats Hummels wurde gegen die Bayern zur tragischen Figur

Quelle: REUTERS

„Die Mats-Szene habe ich gar nicht gesehen. Er sagt zu mir halt: Ist ne Fifty-fifty-Situation“, berichtete er von einem Gespräch mit dem Unparteiischen auf dem Platz, „Ich habe zu ihm gesagt: Meine Szene war auch fifty-fifty. Warum schaust du dir das nicht an? Da hat er gesagt: Das war nur ein bisschen Oberkörper. Da sage ich: Ja, aber ohne den Oberkörper laufe ich durch. Dann kannst du dir das wenigstens anschauen“, zitierte Reus, dem anschließend die Bilder von seinem Zweikampf vorgespielt worden.

„Oh mein Gott“, kommentierte Reus: „Oh yes. Im Spiel habe ich das gar nicht so krass wahrgenommen. Aber, dass er sich das nicht anschaut... schade. Am Ende ist es doppelt bitter, dass wir so bestraft werden. “

Als Strafe schien sein Trainer bereits die Ansetzung des Schiedsrichters empfunden zu haben. „Herr Zwayer kann ruhig noch ein paar Mal den BVB pfeifen. Wir sind hier, wir sind bereit und bereiten uns vor auf all das, was kommt. Sie können uns noch ein paar Steine und Stöcke in den Weg werfen, aber wir machen weiter“, sagte Marco Rose trotzig.

Der Grund für seinen Zynismus: „Ich glaube, dass der Elfmeter an Marco Reus, der nicht gegeben wurde, ein Elfmeter ist. Und dass das Handspiel von Mats Hummels, wo er nicht mal den Ball sieht, wo er noch stolpert und am Ende völlig unglücklich mehr oder weniger den Ball an die Hand bekommt, zumindest streitbar ist. Und es ist einfach schade, dass so ein Spiel so entschieden wird. Das Spiel hätte einen anderen Ausgang und möglicherweise auch eine andere Entscheidungsfindung verdient gehabt.“

Rose, der nach seiner heftigen Intervention auf die Tribüne verwiesen worden war, zeigte sich allerdings auch selbstkritisch: „Ich habe relativ emotional darauf hingewiesen, dass er in mehreren Situationen heute nicht richtig lag. Und dann kriegt man am Ende Gelb-Rot. Das ist doof. In diesem wichtigen Spiel und bei der Ungleichbehandlung ist es aus mir dann herausgeplatzt.“

Borussia Dortmund - Bayern München

Eigenwillige Perspektive: Dortmunds Trainer Marco Rose wurde auf die Tribüne verwiesen

Quelle: dpa/Bernd Thissen

Den Emotionen im Anschluss an ein intensives Spiel dürften auch die Aussagen von Jude Bellingham geschuldet sein, als der BVB-Spieler in einem Interview an die Verwicklungen Zwayers in den Betrugsskandal um Robert Hoyzer erinnerte: „Du gibst einem Schiedsrichter, der in Spielmanipulationen verwickelt war, die Leitung des größten Spiels in Deutschland? Was erwartest du da?“

Borussia Dortmund - Bayern München

Gedanken an den Hoyzer-Skandal: Der Engländer Jude Bellingham erinnerte an Felix Zwayers Vergangenheit

Quelle: dpa/Bernd Thissen

Auch Zwayer selbst nahm noch Stellung zu den beiden strittigen Situationen: „Ich sehe sofort im laufenden Spiel, dass es eine Berührung gibt. Für mich war allerdings nicht deutlich wahrzunehmen, ob er den Ball mit einer natürlichen Handbewegung berührt hat. Das habe ich nach Köln kommuniziert und mir auf die Antwort hin die Szene noch einmal angeschaut“, erklärte er sein Vorgehen und seine Entscheidung zum Handelfmeter.

Bei dem vermeintlichen Foul an Reus habe er hingegen eine klare Beurteilung gehabt, sodass es vonseiten des Video-Assistenten keine Grundlage zur Intervention gegeben habe. „Wir alle fordern immer eine robuste Zweikampfführung. Für mich war es eine Situation, die nicht schwarz und nicht weiß ist. Ich habe mich aufgrund meiner großzügigen Linie im Spiel dann dagegen entschieden, Strafstoß zu geben. Ich hatte eine sehr deutliche Wahrnehmung, die mir auch aus Köln widergespiegelt wurde.“

Und die Bayern? Freuten sich über das tolle Spiel, Werbung für die Bundesliga und die Big Points im direkten Duell, die gleichbedeutend mit der Herbstmeisterschaft sein dürften.

Bundesliga - Borussia Dortmund v Bayern Munich

Hatten gut Lachen: Trainer Julian Nagelsmann zwischen Corentin Tolisso (links) und Robert Lewandowski

Quelle: REUTERS

„Man hadert immer mit einer Entscheidung, wenn man nicht ganz zufrieden ist“, sagte Trainer Julian Nagelsmann, der einen „unstrittigen Elfmeter“ für seine Mannschaft erkannte. Zu der anderen Situation sagte er: „Es gab schon Schiedsrichter, die den Elfmeter gegeben haben.“

Eine Einschätzung, zu der nach Ansicht der Bilder vom Reus-Foul auch Thomas Müller kam: „Der Herr Zwayer wollte Zweikämpfe führen lassen. Aber ja, natürlich kannste den geben“, sagte er und schloss mit dem Satz, den wohl jeder Zuschauer dieses packenden Spiels unterschreiben würde: „Am Ende ist es das Bittere, das in diesem intensiven Spiel soetwas das Spiel entscheidet. Deswegen kann ich auch den Frust verstehen.“