Dresden – Der Leutewitzer Park ist die grüne Lunge im Dresdner Westen. Erweitert durch einen Wald, der jetzt großflächig für Wohnungsbau weichen soll. Doch laut Baugesetz gilt im dortigen „Außenbereich“ absolutes Bauverbot!

Dennoch soll der Stadtrat nächste Woche einem Bebauungsplan zustimmen, der die Umwandlung der privaten Waldfläche in 1,3 Hektar Bauland besiegelt. Stadtplanungsamts-Chef Stefan Szuggat (53) erklärt: „Der Oberbürgermeister erhielt durch den Stadtrat den Auftrag zu prüfen, wie in dem angefragten Bereich eine bauliche Entwicklung ermöglicht werden kann. Der Bebauungsplan wurde vom Investor beantragt.“

Im Bauausschuss als entscheidendes Gremium wurde das Wohnungsprojekt aber schon abgelehnt. Trotzdem wird es nächste Woche auch noch dem Stadtrat vorgelegt. Stimmt der dafür, gäbe es eine halbe Million Euro oben drauf!

Dieses zweifelhafte Angebot machte Investor Uwe Köhn (55) den Stadträten und wiederholte es gegenüber BILD: „Es sollen ja nur 7000 qm bebaut werden und wir würden sogar noch 500 000 Euro spenden.“

Teaser-Bild

Der Stadtrat entscheidet nun, ob der Wald zum Bauland wird

Foto: Juergen Maennel

Stadtrat und Jurist Johannes Lichdi (57, Grüne) erklärt: „Es ist verboten einen Verwaltungsakt gegen Geld zu erlassen.“ Auch wenn der Stadtrat, der ja nicht zur Verwaltung gehört, über den B-PLan abstimme, habe das „ein Geschmäckle“.

Lichdi, der das 500 000-Euro-Angebot kennt, weiter: „Herr Köhn hat schon viel versprochen. Ganz abgesehen davon brauchen wir sein Geld nicht, sondern den Schutz des Grüns.“

Warum das Angebot?

Köhn kaufte das Grundstück einst zum „Waldpreis“ (derzeit 1,10 Euro/qm). Nun bekäme es mit dem Baurecht eine enorme Wertsteigerung. Köhn: „Wir wollen den Menschen etwas zurück geben, bauen in den neuen Häusern auch 30 Prozent Sozialwohnungen. Es gibt ja kaum noch Grundstücke dafür in der Stadt.“

Doch dem widerspricht Baubürgermeister Stephan Kühn (42, Grüne) in einer aktuellen Studie der Stadt: Demnach gäbe es 160 Prozent mehr Flächen für Wohnungsbau als Wohnraumbedarf in der Bevölkerung.

Teaser-Bild

Timo spielt gern im Leutewitzer Wald und hat mit Freunden Bilder gemalt

Foto: Jürgen Männel

Die Anwohner am Leutewitzer Park protestieren seit Monaten mit Plakaten gegen das Projekt. Mario Illgen (44) kämpft für Sohn Timo (6): „Der Wald ist wichtig für unsere Kinder! Es kann nicht immer mehr Beton und weniger Grün werden. Als wir hierher gezogen sind, wurde uns versichert, dass der Wald erhalten bleibt!“