Germany

Uns kann keener

Friedrichstadtpalast ist, wenn sich plötzlich die gesamte Hauptstadtriege der Opern- wie Konzerthausintendanten trifft und René Pollesch und Wolfgang Lippert und die bald 100-jährige Margot Friedländer. Wenn sich Dieter Hallervorden und Franziska Giffey über den Weg laufen und Conchita Wurst (als Textmusiklieferantin) und alle Drag Queens, die Corona übriggelassen hat.

Ein lächelnder Kultursenator Klaus Lederer feixt fröhlich vergnügt mit dem Superrevuefan Jean-Paul Gaultier, das Restpublikum macht sich hinternwackelnd symbolisch einen Schlitz ins Kleid. Dann rockt es los.

Laut schreit die neue Grand Show „Arise“ – und das Entertainment feiert frohgemut seine pandemische Auferstehung mit der weltgrößten und schönsten, diesmal à la mighty Aphrodite knappgewandeten, 64-beinige Kickline, made by Palast-Ballettchefin Alexandra Georgieva.

Mit johlenden 1200 Zuschauern auf 2000 Plätzen, strengen Maskenmahnerinnen zwischen all dem Geküsse und Rosésektgesüffel im Foyer. Und mit einer strahlend schönen, Lust wie Hoffnung machenden Vorstellung, der man ihre elf Millionen Kosten durchaus auch ansehen soll.

Die Geschichte von „Arise“ ist wie alle Palast-Geschichten eine zum Vergessen. Irgendein ausgebrannter Fotograf (Dmitri Genco), der sich mit der Hilfe von Zeit (Olivier St. Louis), Licht (Tertia Botha) und einer puscheligen Musen-Sirene (Kadiesha McPherson) durch die vielen, wirklich staunen machenden Bildmomentstationen hangelt, um am Ende – verweile doch – als trauriger Faust vor einem leeren Schwanenflaummantel zu stehen.

Was natürlich gleich mit stählern lächelnder Finale-Energie zum noch einmal goldsonnenflammenden Showende mit den supersexy, totalexakten Chorus Lines weggetanzt wird.

HIer wird nichts Geringeres unternommen als Neuformung eines Genres

Hier wird nichts Geringeres unternommen als Neuformung eines Genres

Quelle: Ralph Larmann

Die bunte, schrille Schaubude ist wieder da, wie haben wir sie vermisst! Sie ist diesmal humaner aufgelegt, das Orchester ist auch sichtbar sehr präsent. Sie ist dunkler, melancholischer, ernster, steigt aber natürlich zielsicher als gleißender Phönix aus der traurigen Erinnerungsasche der vergangenen 18 Monate.

Sie ist schick, spektakulär und immer wieder überraschend. In den schön integrierten Artistiknummern der russischen Muckimänner mit ihren fliegenden Schaukeln wie bei den New Flying Cáceres als furchtlos rasanten Wurfgeschossen am Trapez.

Vor allem in den vielgestaltigen Ballettnummern, dem Stolz des Hauses, die Eric Gauthier auf der schiefen Scheibe arrangiert hat und für die der israelische Gaga-Style-Guru Ohad Naharin seinem Urschrei-Stuhl-Klassiker „Echad Mi Yodea“ freigab.

Und gerade dieser Augenblick, strategisch geschickt nach der Pause platziert, wenn das gesamte, glücklich durch Covid-19 freigetestete Ballett sich hebräisch skandierend die schwarzweißen Unisexklamotten vom Leib tanzt, was so gar nichts mehr mit ollen Revue-Klischees zu tun hat, ist es, der zeigt, wie weit Palastchef Bernd Schmidt mit seinem unbedingten Willen zur Neuformung des Genres bereits gekommen ist.

Überwältigend souverän präsentiert das diese tolle Truppe, das Publikum hebt es aus den Sitzen. Und ein paar Nummern später schlängeln und trippeln sich alle wieder durch ein wahnwitzig wogendes Unterwasserbild mit fliegenden Fischen, Katarakten, Fontänen, planschenden Nereiden, dass selbst Arielle vor Neid vertrocknen müsste.

Die Kinky Nummern in Fliegerreifen und auf korinthischen Kapitellen sind diesmal nicht lederquietschpeinlich, sondern harmonisch anregend. Wunderbar in ihrer Fülle, Fantasie, aber eben auch ihrem Minimalismus entfalten sich ein ums andere Mal die Kostüme Stefano Canullis. Alles wirkt abstrakter, zielgerichter, ja sachlich geführt.

„Liebe ist stärker als die Zeit“

Die weltgrößte Showbühne wird bis an die Ränder mit Menschen und Bewegung geflutet, kann aber auch zum leeren Abenteuerspielplatz wuseligster LED-Lichtpunkte werden, im Verein mit einem Scheinwerferring, der auch als Objektiv dient, einer Neon-Augenbraue, Lasern und Lichtdomen sorgt das auch raffiniertem Leuchtgeschmack für Abwechslung, Oho und fließende Übergänge. Dunkler ist das, manchmal auch dämonischer.

„Liebe ist stärker als die Zeit“, säuseln am Ende die Sänger-Akteure, die sich oft prätentiös reimend verbiegen müssen. Das ist der letzte Theateranspruch des vom Hausregisseur Oliver Hoppmann (auch Autor und Liedtexter) erstmals allein verantworteten und doch als Teamwork für „Arise“ zusammengetackerten und herrlich harmonisierten zwei Stunden zweckfreien Schweifens. Bravo!

Genau das brauchen wir jetzt, schwerelos sinnfreies Schauen, den Spaß am Jetzt, die Freude an der Opulenz, das in den funkelnden Palastboden gerammte Jetzt-Erst-Recht. Denn dieses Haus hat seine Hausaufgaben gemacht, es hat sich der dringenden Kulturbehördenunterstützung bei nur 15 Prozent Subvention und plötzlicher Einnahmennull versichert.

Man hat als vorgezogene Umbaumaßnahme die Klimaanlage turbomodernisert und ist rechtzeitig damit fertig geworden. Und man hat jetzt alle glücklich durch die Pandemie manövrierten Kräfte und Mitwirkende mobilisiert wie hochgefahren, um letztlich das Leben als Schauvergnügen zu feiern.

Kein Wunder: Der als Erichs Amüsierbude belachte Palast hat nun also lange schon lässig revueschwanzwedelnd die DDR überlebt. Und nun auch der Pandemie getrotzt, ihr den Paillettenstinkefinger gezeigt. Auf die Touristen muss man noch warten, die Einheimischen müssen und werden jetzt kommen. Berlin, uns kann keener! Zumindest nicht in diesem einmaligen selbstbewussten Glamour-Theater.

Football news:

Sulscher über 3:2 gegen Atalanta Bergamo: Manchester United hat Tradition, Spiele umzudrehen. Trainer Ole-Gunnar Sulscher hat die Partie gegen Atalanta Bergamo in der Champions League für sich entschieden
Die Klubs von APL haben alle 4 Champions-League-Spiele in dieser Woche gewonnen. Die spanischen Teams haben 10 Punkte in 5 Spielen, die italienischen Teams haben 6 Punkte in 4 Spielen, die Bundesliga-Klubs haben 1 Sieg und 3 Niederlagen
Maguire über das Siegtor von Ronaldo Atalante: Das sieht man jeden Tag im Training. Wir haben in der ersten Halbzeit zwei abscheuliche Tore kassiert. Erst haben sie uns erwischt und dann die Standardsituation genutzt. Wir haben in der ersten Halbzeit viele Punkte gemacht und in der Pause gemerkt, dass das nächste Tor entscheidend sein wird
Thomas Tuchel: Lukaku hat sich das Sprunggelenk ausgerenkt, Werner hat sich eine Oberschenkelverletzung zugezogen
Ronaldo traf im Spiel gegen Atalanta zweimal aus dem Strafraum: Manchester United-Stürmer Cristiano Ronaldo schoss in der Champions League zwei Freistöße, der Portugiese schoss in der 56. Minute am Tor vorbei
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Ronaldo erzielte in allen drei Spielen für Manchester United in der Champions League. In der 81. Minute schoss der eingewechselte Cristiano Ronaldo einen Kopfball von Verteidiger Luke Shaw von der linken Seite und schloss das Comeback ab