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„Unsere Freiheit wird uns scheibchenweise genommen“, rief er im Wahlkampf

Als Kandidat der „bürgerlichen Mitte“ präsentierte sich Thomas Kemmerich im dritten Wahlgang der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen. Mit Stimmen der AfD wurde er am Mittwoch tatsächlich zum Landesvater gekrönt.

„Unsere Freiheit wird uns in Deutschland scheibchenweise genommen!“, hatte der 54-jährige während einer Wahlkampfveranstaltung im vergangenen Herbst in Nordhausen vor halb besetztem Saal gerufen.

Kernthema war für Kemmerich, der Vater von sechs Kindern ist, im Wahlkampf die Bildung. Mit Online-Unterricht oder Online-Nachhilfe wolle er dem Unterrichtsausfall an den Thüringer Schulen entgegen treten. "Auf keinen Fall darf es noch einmal passieren, dass sich Abiturienten auf ihre Abschlussprüfungen nicht ordentlich vorbereitet fühlen, dass Schüler in manchen Fächern keine einzige Note bekommen“, sagte er.

Polizei stärken, Fachkräfte anwerben

Im Wahlkampf sprach Kemmerich sich auch dafür aus, Fachkräften aus dem Ausland eine dauerhafte Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis zu erleichtern. Zugleich setzte er sich für die Stärkung der Polizei ein. Er wolle hunderte zusätzlich Polizisten einstellen. Die Menschen dürften nicht das Gefühl haben, dass Falschparken stärker bestraft wird als Drogenhandel.

Der gebürtige Aachener absolvierte selbst parallel zu seinem Jurastudium, das er mit dem Ersten Staatsexamen abschloss, eine kaufmännische Lehre im Groß- und Einzelhandel. Nach der Wende baute sich der Katholik eine Existenz in Erfurt auf. Er machte sich zunächst als Unternehmensberater selbstständig. Anfang der 1990er Jahre übernahm der Mann mit der markanten Glatze mehrere Friseurläden und gründete eine Filialkette.

Nach Erfurt kam Kemmerich Ende der 1980er Jahre, weil einer seiner Mitstudenten gebürtiger Erfurter war und ihn mit zu einem Verwandtenbesuch nahm. "Von Thüringen und speziell Erfurt war ich von Anfang an fasziniert", sagte er 30 Jahre später.

Den Eintritt in die Politik wagte Kemmerich laut eigener Aussage auch, weil die Worte seines einstigen Geschichtslehrers ihm in den Ohren geklungen hätten: "Dass in Deutschland so schlimme Dinge wie unter den Nationalsozialisten passieren konnten, lag daran, dass sich zu wenige engagierten“, äußerte der Mann, der nun mit den Stimmen der AfD gewählt wurde.