Germany

Verglichen mit der Überalterung ist die Pandemie ein laues Lüftchen

Alle reden vom Klimawandel. Doch eine Krise, die Deutschlands Wirtschaft und Wohlstand in den nächsten Jahren unter Garantie viel härter trifft, spielt in den öffentlichen Debatten allenfalls eine Nebenrolle: die rasante Alterung der hiesigen Bevölkerung. Schon 2026 frisst die demografische Entwicklung mehr als ein Drittel der deutschen Wachstumskraft, wie eine Mittelfrist-Projektion des Instituts für Weltwirtschaft zeigt.

Statt im Jahr durchschnittlich wie bisher gut 1,4 Prozent zuzulegen, ist künftig nur noch mit 0,9 Prozent Plus zu rechnen. Denn eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung muss dann die rasch wachsende Zahl an Ruheständlern alimentieren.

Die katastrophale Botschaft lautet: In den 15 darauffolgenden Jahren entfaltet der demografische Wandel seine volle Wucht, und auch nach 2040 wird die Gesellschaft dauerhaft überaltert bleiben. Verglichen mit dieser Veränderung gleicht die Coronakrise – ökonomisch gesehen – einem lauen Lüftchen.

Dass Deutschland rasant altert, droht bald zu immer größeren Personal-Engpässen zu führen und die Innovationskraft nachhaltig zu schwächen. Vor allem aber stellt die Demografie einen nie dagewesenen Stresstest für das gut ausgebaute deutsche Sozialsystem dar.

Statt die Rentenversicherung, die Pflege und das Gesundheitswesen auf diese seit 30 Jahren absehbare Entwicklung vorzubereiten, hat die große Koalition den langen Aufschwung vor der Pandemie nicht zur Vorsorge genutzt. Im Gegenteil: In allen drei Sozialversicherungen bauten SPD und Union mit immer neuen Wohltaten wie etwa der Mütterrente oder verbesserten Pflegeleistungen dauerhaft wirksame Kostentreibsätze ein und verschärften damit das langfristige Finanzierungsproblem noch.

Im Wahlkampf versprechen SPD, Linke und Grüne, dass diese zukunftsblinde Sozialpolitik in den nächsten Jahren einfach so weitergehen soll.

Olaf Scholz gibt gar eine „Rentengarantie“ ab, obwohl renommierte Ökonomen und Forschungsinstitute immer wieder vor den finanziell verheerenden Folgen einer solchen „Nach-uns-die-Sintflut-Strategie“ gewarnt haben – und von Finanzminister Scholz daraufhin als unseriös gerügt wurden. Aber auch die Union bietet keinerlei Lösung zur Entschärfung der demografischen Gefahr.

Weniger blind als die Politik zeigt sich die Wirtschaft bei dem Thema. Laut einer aktuellen Umfrage unter Unternehmern im Auftrag des „Handelsblatts“ steht das Thema „Rente und Sozialsysteme“ an erster Stelle der Aufgaben, die eine neue Regierung umgehend anpacken sollte. Erst dann folgen Wirtschaft, Digitalisierung und Klima.

Bei den Zukunftsthemen kann es nicht darum gehen, das eine zu tun und das andere zu lassen. Doch um zu verhindern, dass schon bald erdrückende Soziallasten die Wirtschaft lähmen, muss sich die künftige Koalition als allererstes auf eine mutige Sozialreform-Agenda verständigen.

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