Zwei Bier und Ohrstöpsel, bitte! Wenn sich Gäste bei Wirt Souhail Aina (55) auf der Terrasse niederlassen, verstehen die oft ihr eigenes Wort nicht mehr.

Seit Mitte vergangenen Jahres gibt‘s gegenüber von seinem Restaurant „Steakeria Satt und Selig“ in der Altstadt eine Baustelle.

Der Reformationsplatz bekommt ein neues Pflaster, die Parkanlage eine neue Bordüre aus Granitstein. Das Problem: Zwischen Vibrationsstampfer und seiner ersten Tischreihe liegen nur rund drei Meter.

Der Inhaber Souhail Aina vom Restaurant (Foto: David Heerde)
 Der Platz bekommt neues Pflaster und eine Bordüre aus Granitstein (Foto: David Heerde)

„Wegen der Baustelle musste ich meine Terrasse um zwei Tischreihen verkleinern“, so Aina. „Das Schlimmste aber ist der Lärm. Dadurch bleiben die Gäste weg!“

Wenn die Bauarbeiter mal Pause machen, würden sich zwar ein paar Passanten setzen. „Wenn der Lärm aber wieder losgeht, bezahlen die schnell ihre Getränke und verschwinden wieder“, sagt der Chef. „Was ich keinem verübeln kann. Ich selbst trage bei der Arbeit Ohrstöpsel. Ich arbeite auf einer Baustelle!“

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Was Aina besonders ärgert: „Es geht einfach nicht voran mit der Baustelle, wochenlang war sie verlassen. Oft sind nur zwei Leute zu sehen. Ich würde ja sogar meine eigenen Mitarbeiter zum Helfen rüberschicken, damit es endlich mal voran geht.“

Er betont: „Dass es später schön wird, steht außer Frage. Gegen die Bauarbeiten an sich habe ich absolut nichts. Ich muss sie nur finanziell überstehen …“

Der Inhaber Souhail Aina vom Restaurant (Foto: David Heerde)
Seit Mitte 2020 laufen die Bauarbeiten bereits (Foto: David Heerde)

Von den Behörden fühlt sich der Gastronom alleine gelassen. „Die Zuständigen verweisen immer auf andere. Ich bekomme keine Antworten auf ganz banale Fragen.“

Eine Entschädigung für entgangene Umsatzausfälle („Überbrückungshilfe“) habe er vom Senat trotz Antrag bislang nicht erhalten. „Ich wurde auf die Corona-Hilfen verwiesen“, sagt er. „Doch dafür sind die ja gar nicht gedacht.“