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Waffe ist sicher, sagte der Regieassistent und übergab sie Alec Baldwin

Vor dem tödlichen Schuss auf eine Kamerafrau hat ein Regieassistent nach Informationen aus Gerichtsdokumenten Hollywood-Schauspieler Alec Baldwin eine geladene Waffe übergeben. Die Waffe sei sicher, sagte der Regieassistent zu Baldwin, wie aus einem Untersuchungsbeschluss vom Freitag hervorging. Stattdessen habe die Waffe scharfe Munition erhalten und die Kamerafrau Halyna Hutchins tödlich verletzt. Regisseur Joel Souza, der dem Beschluss zufolge hinter ihr stand, wurde verletzt.

Die Polizei in Santa Fe erwirkte den Durchsuchungsbeschluss am Freitag, damit die Ermittler den Tatort auf einer Ranch außerhalb von Santa Fe im US-Staat New Mexico dokumentieren konnten. Die Ermittler wollten Baldwins blutverschmiertes Kostüm für den Film „Rust“, die Waffe und andere Requisiten sowie eventuell vorhandenes Filmmaterial untersuchen.

Die Waffe war eine von dreien, die die Waffenmeisterin des Films, Hannah Gutierrez, auf einen Wagen außerhalb der Holzkonstruktion gelegt hatte, in der eine Szene gedreht wurde, wie es in den Unterlagen hieß. Der Regieassistent nahm die Waffe vom Wagen und brachte sie Baldwin, ohne zu wissen, dass sie mit scharfer Munition geladen war, wie ein Ermittler im Antrag auf den Durchsuchungsbefehl schrieb.

„Ich rannte hinaus, rief den Notruf“

Wie die Zeitung „Santa Fe New Mexican“ berichtet, feuerte Baldwin dann die Waffe ab und traf Hutchins in die Brust. Regisseur Joel Souza erlitt eine Schulterverletzung. Die 42-Jährige wurde mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen, erlag aber ihren Verletzungen. Der 48-jährige Souza wurde ebenfalls in einem Krankenhaus behandelt, konnte die Klinik aber später wieder verlassen.

Alec Baldwin wusste nichts von scharfer Munition in der Waffe

Polizeibehörden sichern die Bonanza Creek Ranch nach dem tödlichen Vorfall

Quelle: AP/Roberto E. Rosales

Es war unklar, wie viele Schüsse abgefeuert wurden. Waffenmeisterin Gutierrez entfernte nach der Schießerei eine Patronenhülse aus der Waffe und übergab die Waffe der Polizei, hieß es in den Gerichtsakten.

Mamie Mitchell, die sogenannte Skript-Aufseherin des Films, sagte, sie habe neben Hutchins gestanden, als sie getroffen worden sei. „Ich rannte hinaus, rief den Notruf und sagte: ‚Bringt alle her, schickt alle her‘“, sagte Mitchell der Nachrichtenagentur AP. „Diese Frau ist am Anfang ihrer Karriere gestorben. Sie war eine außergewöhnliche Frau.“ Mitchell sagte, dass sie und andere Crewmitglieder am Freitagabend an einer privaten Gedenkfeier in Santa Fe teilnehmen wollten.

Baldwin beschrieb den Tod der Kamerafrau als tragischen Unfall. Auf Twitter äußerte er am Freitag sein tiefes Bedauern und Entsetzen: „Es gibt keine Worte, um den Schock und die Trauer auszudrücken angesichts des tragischen Unfalls, der das Leben von Halyna Hutchins beendet hat – Ehefrau, Mutter und zutiefst bewunderte Kollegin von uns.“

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„Ich kooperiere vollkommen mit der polizeilichen Untersuchung, um herauszufinden, wie diese Tragödie geschehen konnte. Und ich stehe in Kontakt mit ihrem Ehemann, um ihm und seiner Familie meine Unterstützung anzubieten. Mein Herz zerbricht für ihren Ehemann, ihren Sohn und all diejenigen, die Halyna kannten und liebten.“

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Laut einem Bericht der „Los Angeles Times“ hatte es wenige Stunden vor dem tödlichen Unfall Spannungen am Set gegeben. Sechs Mitglieder des Filmteams verließen demnach aus Ärger über die Arbeitsbedingungen die Dreharbeiten. Dem Bericht zufolge hatte auch Hutchins bessere Sicherheitsmaßnahmen gefordert.

Filmfans und Filmemacher äußerten sich entsetzt über den Tod der Kamerafrau. Der Schauspieler Elijah Wood, der mit Hutchins für den Thriller „Archenemy“ zusammengearbeitet hatte, sprach von „entsetzlichen“ Nachrichten.

Die aus der Ukraine stammende Hutchins war 2019 vom Branchenmagazin „American Cinematographer“ als eines der aufstrebenden Nachwuchstalente an der Kamera ausgewählt worden. Das ukrainische Außenministerium teilte mit, sein Konsulat in San Francisco kooperiere mit den US-Behörden und sei im Gespräch mit Hutchins‘ Angehörigen.

Die Regeln für den Gebrauch von Requisitenwaffen an Drehorten sind üblicherweise sehr streng. Trotzdem gab es auch in der Vergangenheit schon tragische Unfälle. Der bekannteste dieser Fälle ist der Tod des Schauspielers Brandon Lee im Jahr 1993. Der Sohn des Kampfsport-Stars Bruce Lee starb damals am Set des Films „The Crow“ durch einen Bauchschuss.

Alec Baldwin wusste nichts von scharfer Munition in der Waffe

Alec Baldwin auf dem Parkplatz des Büros des Sheriffs von Santa Fe

Quelle: AP/Jim Weber

Das Branchenblatt „The Hollywood Reporter“ zitierte einen Sprecher der „Rust“-Produktionsfirma, wonach es sich um einen Unfall gehandelt habe. Die Waffe, die am Set verwendet wurde, hätte demnach mit Platzpatronen geladen sein sollen. Das Filmteam sei „von der heutigen Tragödie absolut erschüttert“.

Baldwin ist als Ko-Produzent und Hauptdarsteller an den Dreharbeiten für „Rust“ beteiligt. In dem Western verkörpert er Harland Rust, einen Gesetzlosen, der mit seinem wegen Mordes zum Tode verurteilten jugendlichen Enkel vor dem Gesetz flieht.

Der 63-Jährige ist unter anderem für seine Hauptrolle in dem Film „Jagd auf Roter Oktober“ und Auftritte in der Filmreihe „Mission: Impossible“ bekannt. Während der Amtszeit von Donald Trump imitierte er den mittlerweile Ex-US-Präsidenten regelmäßig in der Sendung „Saturday Night Live“.