Die Gesundheitsminister fordern die Impfung ab fünf Jahren. Das leuchtet nicht ein, denn Kinder erkranken besonders selten schwer an Corona und sind auch keine Pandemietreiber, meint Gunnar Schupelius.

In der sechsten Klasse eines Berliner Gymnasiums wurde erreicht, was in Deutschland sonst nicht funktioniert hat: Die Impfquote beträgt 90 Prozent. Ein Ärztepaar in der Elternschaft setzte sich stark für die Impfung ein, offensichtlich mit durchschlagendem Erfolg.

Die Klasse war damit schneller als die Europäische Union: Deren Arzneimittelbehörde (EMA) hat am letzten Donnerstag die Impfung von Kindern unter zwölf und ab fünf Jahren empfohlen.

In Deutschland ist dafür die Ständige Impfkommission (STIKO) beim RKI zuständig. Sie will sich der Empfehlung aus Brüssel bisher nicht anschließen. Die Prüfung werde noch bis zum 20. Dezember dauern, hieß es.

Die Gesundheitsminister der Bundesländer wollen so lange nicht warten und fordern die STIKO auf, ihre Entscheidung vorzuziehen.

Sie hatten der STIKO schon einmal vorgegriffen, als es um die Impfung der Jugendlichen unter 18 Jahren ging. Wieso ist die Politik gerade im Hinblick auf Kinder so forsch, dass sie meint, eine Expertenkommission übergehen zu können? Wurde nicht in der Pandemie immer behauptet, jede politische Entscheidung sei „wissenschaftlich abgesichert“?

Es ist nicht Aufgabe der Politik, medizinische Maßnahmen auf eigene Faust zu empfehlen. Der mRNA-Impfstoff ist ein Impfstoff neuen Typs. Ihn zu prüfen und zu empfehlen ist allein Aufgabe der STIKO.

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Dort ist der Kinder-Facharzt Rüdiger von Kries seit 20 Jahren Mitglied. Die Kinderimpfung sieht er kritisch. Der Nutzen müsse größer sein als das mögliche Impfrisiko, sagte er dem Deutschlandfunk.

Zu den Risiken der Impfung für Kinder sei bisher zu wenig bekannt und der Nutzen für die große Mehrheit nicht erkennbar. Kinder erkranken selten schwer an Corona, es sei denn, sie haben eine Grunderkrankung, dann sei die Impfung „wahrscheinlich ein Segen“.

Von Kries vertritt mitnichten eine ungewöhnliche Einzelmeinung. Kinder sind nicht nur selbst entschieden weniger gefährdet, sie sind auch nicht die großen Pandemietreiber.

Dennoch wurden sie von Anfang an so eingestuft. Im Frühjahr 2020 wurden zuerst die Spielplätze geschlossen. Deutsche Schüler waren länger im Lockdown als alle anderen in Europa.

Alle Experten wurden überhört, die erklärten, dass Kinder weniger gefährdet sind und der Schulhof kein Hotspot ist. Und dabei wird ja an Berlins Schulen häufiger auf Corona getestet als in jedem Altersheim.

Woher kommt dieser Eifer hinsichtlich der Kinderimpfung? Kinder werden standardmäßig nicht einmal gegen Grippe geimpft. Sollen sie gegen Corona geimpft werden, damit Erwachsene geschützt sind?

Die Kinder spüren den Druck. In den Schulklassen wird genau ausgemacht, wer geimpft ist und wer nicht. Das ist eine Katastrophe.

Wir kennen doch die Risikogruppen jetzt. Sie müssen angesprochen werden und schnell die Booster-Impfung bekommen. Wenn das getan ist, dann können wir über junge Erwachsene, dann über Jugendliche und ganz zuletzt über Kinder reden.

Bis dahin lasst die Kinder in Ruhe!

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