Nach einem anstrengenden Tag zusammen ins Bett gehen und am Morgen gemeinsam erholt aufwachen? Ein Traum. Den viele Menschen allerdings vergeblich träumen, weil ihr Partner schnarcht, mit den Zähnen knirscht oder sich unruhig hin und her wälzt. Und damit unwillkürlich die Beziehung gefährdet. Hilft da die Bettenscheidung?

„Aus schlafmedizinischer Sicht sollte man über getrennte Zimmer nachdenken, sobald ein Partner die Schlafgewohnheiten des anderen nicht tolerieren und deshalb selbst dauerhaft nicht gut schlafen kann“, erklärt Prof. Dr. Ingo Fietze (61), Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Berliner Charité. „Denn Körper und Geist leiden darunter, wenn wir zu wenig oder schlecht schlafen!“

Im Tiefschlaf wird der Abbau von Proteinen gebremst, die der Organismus für das Zellwachstum und die Reparaturen von Zellen braucht, die tagsüber durch Stress oder Umweltfaktoren beschädigt wurden. Außerdem nutzt das Gehirn die Schlafenszeit für wichtige Aufräumarbeiten: Nervenzellen, die am Tag stark beansprucht wurden, fahren sich im Schlaf herunter und regenerieren.

„Schon nach einer schlaflosen Nacht sind wir deshalb geistig nicht mehr so fit“, erklärt Fietze. „Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme und Nervosität können die Folge sein – und auch Gereiztheit.“ Die in dem Fall meist der Partner als Verursacher des „Ich bin so müde“-Gefühls abkriegt.

Eine Studie der Universität Berkeley bestätigt, dass unausgeschlafene Menschen weniger gut in der Lage sind, sich in die Perspektive ihres Partners zu versetzen und dessen Gefühle nachzuvollziehen. Die Folge ist oft ein Teufelskreis: Streit mit dem Liebsten, sich dadurch noch gestresster fühlen und noch schlechter schlafen.

„Getrenntes Schlafen ist die Rettung, wenn man ein sensibler Schläfer ist und durch unterschiedliche Lebensgewohnheiten oder durch das Schnarchen des Partners dauerhaft nicht ausreichend Nachtruhe findet“, bestätigt der Berliner Psychologe und Autor Dr. Wolfgang Krüger (73, „Macht und Leidenschaft in der Liebe“).

So kann die Bettenscheidung funktionieren

Allerdings sollte man dabei eines beachten: „Fällt das gemeinsame Insbettgehen und Aufwachen ganz weg, fehlt es der Partnerschaft irgendwann an Nähe“, erklärt der Experte. „Wenn man abends gemeinsam im Bett entspannt und sich in Schlafstimmung bringt, dann ist das gemütlich, schafft Nähe und Vertrautheit.“

Genauso wie das gemeinsame Aufwachen am Morgen: „In diesem Moment können wir uns fast kindlich naiv und unvoreingenommen begegnen, bevor uns der Alltag einholt.“

Sein Tipp deshalb: getrennte Zimmer oder zumindest Betten, wenn es die Räumlichkeiten nicht anders zulassen (Wer hat in Berlin schon ein extra Zimmer zur Verfügung?).

Also Betten-Scheidung – aber mit Dates! „Gehen Sie zwei- bis dreimal die Woche zusammen ins Bett und genießen Sie das. Umziehen können Sie dann ja immer noch.“ Und sich dann am Morgen entspannt und vor allem liebevoll in die Augen sehen.