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Was der Anstieg der Baukosten für Bauherren bedeutet

Bauen ist so teuer wie seit 50 Jahren nicht mehrIMAGO / blickwinkel

Holz, Stahl und Dämmstoffe sind für den Hausbau unerlässlich – in Zeiten von Lieferengpässen treibt die große Nachfrage nach den Materialien die Preise allerdings deutlich nach oben. Das macht sich auch beim Baupreisindex bemerkbar. Im Vergleich zum August 2020 stiegen die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude um 12,6 Prozent – dem Statistischen Bundesamt zufolge der höchste Anstieg seit November 1970.

Zwar hat die Mehrwertsteuersenkung in der zweiten Jahreshälfte 2020 einen Anteil an dem hohen Preissprung. Auch ohne die Konjunkturmaßnahme hätten die Baupreise aber um 9,7 Prozent zugelegt. Die Folge: Wer gerade selbst an seinem Eigenheim baut oder Sanierungen vornimmt, bekommt die Entwicklung im eigenen Geldbeutel zu spüren. Wie Bauherren und Sanierer auf die Preisentwicklung am besten reagieren, diskutieren Katarina Ivankovic und Peter Hettenbach, die Geschäftsführer des iib Instituts, deshalb im „Lagebericht“.

„Verglichen mit dem Wert von 2015 haben wir momentan eine Steigerung von etwa 30 Prozent“, erklärt Hettenbach mit Blick auf den Baupreisindex. Wer 2015 noch 300.000 Euro Baukosten hätte zahlen müssen, müsse 2021 schon 400.000 anbringen, ergänzt Ivankovic. Je nach Material oder nach Arbeitsbereich würden die Kosten aber noch einmal deutlich variieren. „Je nachdem welche Bauweise man wählt, ist es dann natürlich noch ein riesiger Unterschied“, bilanziert Ivankovic.

Auf absehbare Zeit dürfte sich der Trend weiter fortsetzen, erwarten die iib Geschäftsführer. „Das sind zwar die teuersten Preise bis jetzt, aber die günstigsten Preise, die es vermutlich in der Zukunft erst mal geben wird“, sagt Ivankovic. Zwar sei nicht mehr mit einem so steilen Anstieg wie in den vergangenen 18 Monaten zu rechnen, trotzdem bleibe die Tendenz.

Hohe Auslastung von Handwerkern

Darüber hinaus hätten Bauherren und Sanierer nicht nur mit steigenden Preisen zu kämpfen. „Ein weiteres Problem ist, dass sich niemand mehr zutraut, einen Fertigstellungstermin zu nennen, weil beispielsweise der Zimmermann nicht weiß, wann er welches Holz zur Verfügung hat“, sagt Hettenbach. Hier könne es helfen, sich an Handwerker zu wenden, zu denen man bereits früher Kontakt hatte. „Auch eine Empfehlung von einem Bekannten oder Verwandten ist an der Stelle nicht verkehrt“, rät Ivankovic.

Gleichzeitig sei es hilfreich, offen auf Dienstleister zuzugehen und partnerschaftlich über Preise und möglich Termine für Arbeiten und Fertigstellung zu reden. Viele Handwerker und Bauträger sähen sich nämlich in der Zwickmühle aufgrund der Lieferengpässe kaum verbindliche Zahlen und Daten nennen zu können. Wer an einem fixen Termin und einem fixen Preis festhalte, müsse sonst mit Leistungsmängeln und Minderleistungen rechnen. „Man kann natürlich auf seinen unterschriebenen Vertrag bestehen, aber man muss auch realistisch sein“, sagt Ivankovic.

Hören Sie außerdem in der 30. Folge des „Lageberichts“: