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Wie der Männerrock den Weg in die Alltagsgarderobe geschafft hat

Billy Porter im Tüllrock

Billy Porter im Tüllrock

Quelle: Getty Images/Kevin Winter

Nicht jeder Trend ist dazu bestimmt, den Mainstream zu erobern. Aber manche versuchen es immer wieder. So wie der Männerrock. Seit Jahrzehnten setzen sich einige der visionärsten kreativen Talente dafür ein, dass er endlich als Standard in der Männergarderobe akzeptiert wird. Jean Paul Gaultier holte ihn auf den Laufsteg (1984), Marc Jacobs trug ihn zur Met-Gala (2009), Kanye West auf der Bühne (2012) und Jayden Smith in einer Louis Vuitton-Kampagne (2016).

Solche Auftritte haben stets für viel Aufregung gesorgt, aber wer sich heute umschaut, was in der Popkultur passiert, auf dem Laufsteg, und, ja, auch auf der Straße, stellt fest: Männerrocke sind heute so präsent, dass sie kaum noch als ungewöhnlich wahrgenommen werden. Auf Red-Carpet-Veranstaltungen treten Stars wie Daniel Levy oder Billy Porter inzwischen ganz selbstverständlich in langen Roben auf, der Rapper Lil’Nas X besuchte im vergangenen Mai die Sendung des Talkshow-Moderators Jimmy Fallon im roten Kilt, bei den Männerschauen in Paris im vergangenen Juni dokumentierten die Streetstyle-Fotografen zahlreiche Männer in Kilts und Röcken und in den Kollektionen für den aktuellen Sommer und kommenden Herbst reihen sich verschiedene Rockmodelle ins Hosenangebot ein.

Auch auf der Straße, wie hier während der Männerschauen in Paris im Juni, sieht man Röcke immer öfter

Auch auf der Straße, wie hier während der Männerschauen in Paris im Juni, sieht man Röcke immer öfter

Quelle: Getty Images

Die Bandbreite der Entwürfe zeigt zudem, dass es längst nicht mehr nur den einen, explizit femininen Rock gibt. Stattdessen entwickeln Designer Modelle für verschiedene Typen und Stilrichtungen, denken an Fans des „Gender-Bending“ ebenso wie an Anzugträger oder Skater. Der New Yorker Thom Browne, der für klassische Herrenschneiderei bekannt ist, kombiniert seit mehreren Jahren aufgeräumte Faltenröcke zu seinen Sakkos und hat damit solchen Erfolg, dass diese laut Modesuchmaschine Lyst zu den meistgesuchten Kleidungsstücken der vergangenen drei Monate gehören.

Der Faltenrock von Thom Browne hat es sogar zum Bestseller geschaff

Der Faltenrock von Thom Browne hat es sogar zum Bestseller geschaff

Quelle: Thom Browne

Bei Celine kleidet Hedi Slimane schmächtige Jungs mit langen Haaren in Daunenwesten und Kilts, die über Hosen getragen werden, ein Stylingtrick, der gerade für Anfänger geeignet ist und nicht ganz so viel Mut abverlangt. Die langen, glockenförmigen Silhouetten von Virgil Abloh für Louis Vuitton sind hingegen schon eher etwas für Erfahrene, ebenso die knappen Miniskirts mit Tartan-Muster des Pariser Designers Ludovic de Saint Sernin, der mit seiner freizügigen, androgynen Mode gezielt Männer anspricht, die sich für zarte feminine Schnitte interessieren (und die entsprechende Figur dafür haben). „Ich finde, das fühlt sich total befreiend an. Aber man muss bei so einem kurzen Teil natürlich aufpassen, dass der Look am Ende auch elegant aussieht“, sagt der Designer dem britischen „Guardian“.

Bei Celine wird der Rock über einer Hose getragen

Bei Celine wird der Rock über einer Hose getragen

Quelle: Celine

Die wohl wichtigste Bedingung dafür ist, dass ein Mann sich in seinem Rock wohl fühlt. Und das scheint bei immer mehr von ihnen der Fall zu sein. In Großstädten wie New York oder Berlin sieht man junge Männer in bauchfreien Tops, Kleidern und mit lackierten Fingernägeln, Looks, die sich in den Kollektionen von Labels wie Rick Owens oder Fendi widerspiegeln. Berühmte Millennials wie Timothée Chalamet oder Harry Styles, der sich im vergangenen Jahr für die US-„Vogue“ in Gucci-Kleidern und Röcken von Comme des Garçons fotografieren ließ, beweisen, dass man als männlicher Star erfolgreich sein, mit Modeltöchtern auf Yachten knutschen (wie Chalamet mit Lily Rose Depp im Jahr 2019) und dennoch einen extravaganten Modegeschmack haben kann.

Virgil Abloh setzt in seiner Louis-Vuitton-Kollektion für den Frühling 2022 auf besonders lange, opulente Modelle

Virgil Abloh setzt in seiner Louis-Vuitton-Kollektion für den Frühling 2022 auf besonders lange, opulente Modelle

Quelle: picture alliance / Photoshot

Auch für Männer kann Mode ein Mittel sein, um sich als Individuum auszudrücken – oder ein Ausdruck von Tagesform, Stimmung und Kommunikationsziel. Das haben schon Popstars wie Mick Jagger oder David Bowie in den 70er-Jahren vorgeführt, aber interessanterweise wenig daran geändert, dass Männern nur minimale modische Möglichkeiten zugestanden wurden (grob gesagt: Anzug oder Jeans). Der Rock wurde auch Jahrzehnte nach Bowies Albumcover „The Man who sold the world“ als Kuriosität für Sonderlinge gesehen. Nun aber scheint er ein fast normales Kleidungsstück für die Herrengarderobe zu werden. „Mode ist dafür da, um mit ihr zu experimentieren und Spaß zu haben“, sagte Harry Styles der „Vogue“. „Und sobald man sich von diesen Schubladen verabschiedet – das ist für Frauen, und das für Männer – eröffnen sich einem ganz neue Möglichkeiten.“

Besonders gewagt sind die Entwürfe des Jungdesigners Ludovic de Saint Sernin, wie zum Beispiel dieser Minirock für den kommenden Herbst

Besonders gewagt sind die Entwürfe des Jungdesigners Ludovic de Saint Sernin, wie zum Beispiel dieser Minirock für den kommenden Herbst

Quelle: Ludovic de Saint Sernin

Der Männerrock ist nur eine davon. Und gerade längere, weite Modelle aus steifen Stoffen sind leichter zu tragen, als man denkt. Er kann, wie bei Louis Vuitton, zu Sneakers kombiniert werden, zu Derbys oder Loafern. Er passt zu Sakkos, Sweatshirts oder Bomberjacken. Und natürlich zu Humor: Der verstorbene schottische Designer Alexander McQueen nahm im Jahr 2008 den Applaus für eine Schau entgegen und trug dabei einen Kilt zum knallroten Micky-Maus-Pullover.

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