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Wie steht es um die Zukunft der Industrie 4.0?

Was bedeutet der enorme Fortschritt in der Informationstechnologie für die deutsche Wirtschaft? Vor zehn Jahren hatten der ehemalige SAP-Vorstandsvorsitzende Henning Kagermann, der frühere Chef des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, Wolfgang Wahlster, und Wolf-Dieter Lukas, der inzwischen Staatssekretär im Bundesforschungsministerium ist, dafür ein Konzept ersonnen und einen prägenden Begriff erdacht: Industrie 4.0. Was ist daraus geworden?

„Die erste Halbzeit kann man dadurch charakterisieren, dass wir erst einmal alle Produktionsdaten digital erfasst, übertragen und gespeichert haben. Das ist heute selbstverständlich“, bilanzierte Wahlster während einer Diskussionsrunde der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech). „Jetzt kommt aber in der nächsten Halbzeit die umfassende digitale Auswertung und Nutzung dieser Daten mittels Künstlicher Intelligenz (KI) hinzu, um eine Null-Fehler-Produktion zu ermöglichen.“

„Öko-Systeme, nicht Ego-Systeme“

Konkret nutzbar machen möchte das beispielsweise der Traditionskonzern Bosch in seiner gerade eingeweihten neuen Halbleiterfabrik in Dresden. „Jeden Tag fallen dort Daten im Volumen von 42 Millionen gedruckten DIN-A4-Seiten an“, sagte der Bosch-Vorstandsvorsitzende Volkmar Denner. Um diese auswerten zu können, setzt Bosch KI ein, anders geht das gar nicht – einerseits, um die Qualität zu kontrollieren, andererseits aber auch, um die Fertigung selbst zu steuern. Denner mahnte zudem an, Europa dürfe in der Halbleiterfertigung nicht zu weit zurückfallen im Wettstreit mit Amerika und China. Seiner Ansicht nach muss dabei der Fokus indes zwingend darauf liegen, mit den kleinsten Strukturen mithalten zu können. Europa brauche „nicht nach Nanometern rennen, sondern danach, wo wir hier Abnehmer haben“.

Einer der drei Erfinder des Begriffs „Industrie 4.0“: Henning Kagermann

Einer der drei Erfinder des Begriffs „Industrie 4.0“: Henning Kagermann : Bild: action press

Für Deutschland und Europa müsse es darüber hinaus darum gehen, nicht nur in zentralen industriellen Technologien führend zu werden oder zu bleiben, sondern auch in den verwendeten Standards. „Sonst landen wir am Ende bei 100. 000 digitalen Zwillingen, die miteinander nichts zu tun haben wollen“, betonte Siemens-Vorstand Cedrik Neike. SAP-Vorstand Thomas Saueressig bekräftigte, es benötige technologische „Öko-Systeme, nicht Ego-Systeme“, um das zu gewährleisten.

Für die deutsche Industrie insgesamt gehe es darum, die führende Position in vielen Bereichen zu verteidigen, sagte BDI-Präsident Siegfried Russwurm. „Wir wollen der Fertigungsvorbereiter der Welt bleiben.“ Ein Schlüssel dazu liege in der verstärkten Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, großen wie kleinen. Ein anderer in der Fähigkeit, das eigene Geschäft skalieren zu können, also auf einem großen Markt anbieten zu können. „Uns hilft keine 50er-Jahre-Nostalgie, wir müssen mindestens europäisch denken.“ Und dies gerade auch, weil der internationale Wettstreit zugenommen hat. „Die anderen haben nicht geschlafen“, sagte seinerseits Henning Kagermann.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann mahnte an, dass nach wie vor in vielen Unternehmen „Digitalisierungsgrundkompetenzen fehlen in der Breite“. Der Bedarf an Weiterbildungen angesichts des technischen Fortschritts nehme zu, nicht ab.

Wahlster wiederum erläuterte, dass nun verschiedene Technologien ineinandergreifen, in denen neue Niveaus erreicht werden – im Mobilfunk (5G), im Cloud-Computing und nicht zuletzt in der KI. „Dabei wird der gesamte Kognitionszyklus vom Wahrnehmen über das Verstehen bis hin zum Agieren implementiert.“ Entsprechende Forschung solle auch die nächste Regierung unterstützen.

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