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Zeitumstellung im Oktober: Gefahr von Wildunfällen steigt - Tipps für eine sichere Fahrt

Wildunfälle drohen verstärkt im Herbst.

Fast jeder dritte Unfall in Osthessen ist ein Wildunfall. In den meisten Fällen entsteht nur ein Sachschaden. So kann man die Gefahren eindämmen.

Hersfeld-Rotenburg - Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gab es 2020 es 653 Wildunfälle – 38 weniger als 2019 und fünf mehr als 2016. „Eine belastbare Tendenz ist im Landkreis nicht zu erkennen“, sagt Kriminalhauptkommissar Dominik Möller.

Unfälle unter Beteiligung von Wild stellen in Osthessen 29,70 Prozent des Gesamtunfallgeschehens dar. Somit handelt es sich bei jedem dritten Unfall in Osthessen, der alle drei Stunden passiert, um einen Wildunfall. „Glücklicherweise kommen bei derartigen Unfällen nur sehr selten Menschen zu Schaden. In den allermeisten Fällen bleibt es bei Sachschaden“, sagt Möller. 2020 wurde erfreulicherweise keine Person in Osthessen durch einen Wildunfall tödlich verletzt. Sieben Personen wurden schwer und 16 leicht verletzt.

Gefahr von Wildunfällen steigt: Der Grund ist, dass es morgens früher hell und abends früher dunkel wird

Am letzten Sonntag im Oktober werden die Uhren auf Winterzeit umgestellt. Damit wächst alljährlich das Risiko, einen Unfall mit Wild zu bauen, teilt Möller mit. Der Grund ist, dass es morgens früher hell und abends eine Stunde früher dunkel wird – damit fällt die Dämmerungszeit in die Hauptverkehrszeit. „Und viele Tiere, wie beispielsweise Rehe, sind besonders während der Morgen- und Abenddämmerung aktiv“, sagt Kriminalhauptkommissar Möller.

Deutschlandweit ist eine ansteigende Entwicklung zu erkennen, wie die Statistik des Deutschen Jagdverbands zeigt: Im vergangenen Jahr sind fast 200.000 Rehe, 31.150 Wildschweine, 4580 Stücke Damwild und 3060 Stücke Rotwild im Straßenverkehr zu Tode gekommen.

Und von einer hohen Dunkelziffer sei laut des Jagdverbandes auszugehen. Im Vergleich: 2014 waren es noch 183.140 Rehe, 23.270 Wildschweine, 3810 Stücke Damwild und 2620 Stücke Rotwild. Ein besonders starker Anstieg von 34 Prozent in sechs Jahren, ist nach dieser Statistik bei Wildschweinen zu erkennen.

Gefahr von Wildunfällen steigt: Fernlicht ausschalten - Hupen dagegen ist sinnvoll

Reh, Wildschwein oder Hirsch sind in der dunklen Jahreszeit vermehrt dann unterwegs, wenn auch Autofahrer auf der Straße sind. Die Folge: mehr Zusammenstöße als im Schnitt. Wolfgang Adam vom Forstamt Rotenburg und Wilfried Marchewka, der Vorsitzende des Kreisjagdvereins Bad Hersfeld, geben Tipps, wie Verkehrsteilnehmer sicher durch die dunkle Jahreszeit kommen. Darüber hinaus erklären sie, was mit den Tieren nach einer Kollision passiert.

„Taucht ein Tier am Fahrbandrand auf, sollten Autofahrer unbedingt das Fernlicht ausschalten. Das grelle Licht macht Tiere orientierungslos. Hupen hingegen ist sinnvoll. Der laute Ton treibt Rehe, Hirsche oder Wildschweine weg von der Fahrbahn und hilft dem Wild, die Richtung der Gefahr einzuordnen“, erklärt Wilfried Marchewka.

Für den Fall, dass bereits ein Tier die Fahrbahn überquert hat, sollte weiterhin mit besonderer Vorsicht und langsamer Geschwindigkeit weitergefahren werden. Denn Marchewka weiß: „Ein Wildtier kommt selten allein.“ Gerade im Winter würden einige Waldbewohner Gruppen bilden.

Gefahr von Wildunfällen steigt: An unübersichtlichen Wald- und Feldrändern Geschwindigkeit drosseln

Daher passiere es oft, dass gleich mehrere Tiere über die Straße wechseln, auch wenn im ersten Moment nur ein einziges zu sehen ist. „Deshalb gilt: An unübersichtlichen Wald- und Feldrändern Geschwindigkeit drosseln“, sagt Marchewka. Wer mit Tempo 80 statt 100 fährt, verringert den Bremsweg bereits um 25 Meter.

Droht dennoch ein Zusammenstoß, sollte „kontrolliert gebremst und das Lenkrad festgehalten werden“, rät Wolfgang Adam vom Forstamt Rotenburg. Auf keinen Fall sollte der Lenker verrissen werden. Ein Ausweichmanöver sei deutlich riskanter, da es oftmals für den Fahrer gefährlicher sei, gegen einen Baum zu knallen, als beispielsweise ein Reh umzufahren. Aber was passiert nach einem Wildunfall, wer kümmert sich um die toten oder verletzten Tiere?

Gefahr von Wildunfällen steigt: Auf keinen Fall darf das getötete Tier mitgenommen werden

Dann kommen die zuständigen Jäger und Förster ins Spiel. „Wir werden von der Polizei informiert. Die wissen, welcher Jäger für die jeweiligen Waldgebiete zuständig ist“, sagt Wolfgang Adam. Daher sei es besonders wichtig, dass nach einem Unfall die Polizei informiert wird, auch wenn der Schaden geringfügig ist und das Tier geflüchtet ist.

„Der Polizei sollte umgehend mitgeteilt werden, ob das Tier tot am Straßenrand liegt, oder noch flüchtig ist, damit wir Jäger es im zweiteren Fall schnellstmöglich nachsuchen und erlösen können“, so Adam.

Er habe es schon öfter erlebt, dass diese wichtige Information im Stress nach dem Unfall untergegangen sei und die Nachricht, dass sich noch ein verletztes Tier rumtreibt, erst einen Tag später bei ihm angekommen sei. Auf keinen Fall darf das getötete Tier mitgenommen werden, „denn das ist Wilderei“, warnt Adam.

Mit Blick in die Unfallstatistik auf den Zeitraum 1. September 2020 bis zum 30. November 2020 zeigt sich, dass in und um Hofgeismar auch deutlich mehr Kollisionen mit Wildtieren stattgefunden haben: 129 im Kreisteil Hofgeismar und 80 im Altkreis Wolfhagen. (Carolin Eberth)