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Zurück zur kulturellen Normalität

Jahresausstellung der Glonner Fotofreunde wird am Freitag in der Klosterschule eröffnet

Glonn - Um den Ausstellungsort „Klosterschule“ werden die Glonner von so manchem Vereine in der Umgebung beneidet. Unter anderem die örtlichen Fotofreunde. 36 Jahre besteht die Gruppe in der Marktgemeinde inzwischen schon. Offiziell heißt sie „Fotofreunde Glonn - Forum für zeitgenössische Fotografie“. Der Nachsatz ist sozusagen Programm. Und erst recht sind es die Jahresausstellungen der Glonner Hobbyfotografen, die traditionell in den Herbstferien stattfinden. Ein echtes Forum eben für besagte zeitgenössische Fotografie.

Nachdem die große Präsentation des eigenen künstlerischen Schaffens im vergangenen Jahr coronabedingt „nur“ als Online-Veranstaltung hatte stattfinden können - das aber erstaunlich erfolgreich, wird es ab kommenden Freitag, 29. Oktober, in besagter Klosterschule erstmals wieder eine leibhafte Fotoausstellung geben. Die Vernissage dazu beginnt um 19.30 Uhr. Danach sind die aktuellen Arbeiten der Glonner Fotofreunde - das allermeiste Material stammt aus diesem Jahr - am 30. Oktober und 6. November (das sind jeweils Samstage) von 14 bis 18 Uhr und am 31. Oktober und 7. November (jeweils sonntags) von 10 bis 18 Uhr zu bewundern.

Vernissage am Freitag, 29. Oktober, um 19.30 Uhr in der Klosterschule Glonn

Sebastian Kugler, der frühere Vereinsvorsitzende, Volker Jäger, der amtierende Zweite Vorstand, und Gilbert Pinggera, seit August der neue erste Vorstand, wirken zufrieden in diesen Tagen. In den Räumen der Klosterschule im Klosterweg 7 ist längst alles hergerichtet für den Höhepunkt des Kalenderjahres, die Ausstellung 2021. „Nun fehlen nur noch die Besucher“, sagt das Trio übereinstimmend und erwartungsfroh. Eine gewisse Spannung liegt dabei in der Luft, denn nach so langer Zwangspause bedingt durch COVID 19 weiß im Klub derzeit niemand so genau, wie die Veranstaltung angenommen werden wird.

Einig sind sich die drei aber darin, dass es nun endlich Zeit sei, dass die kulturarme Zeit ein Ende finde. Mit der Jahresausstellung ab Freitag will und wird der Verein dazu einen nicht unwesentlichen Beitrag leisten.

Ja, sagt etwa Volker Jäger, Corona sei für alle eine Herausforderung gewesen. Nicht nur, dass sich das Vereinsleben lange Zeit reduzierte auf Online-Stammtische. Die Lockdowns der Vergangenheit hatten auch dazu geführt, dass sich die Motive beim Fotografieren veränderten, berichten sie. Jäger etwa spricht sogar von einer gewissen Wiederentdeckung der Umgebung vor der Haustür. Und seine Vereinskollegen scheinen ihm voll zuzustimmen.

Hoffen auf ein Ende der kulturlosen Zeit

Heimische Motive finden sich in der Tat oftmals wieder in den Aufnahmen der zehn Klubmitglieder, die jetzt dem interessierten Glonner Publikum präsentiert werden. Inge Kolb beispielsweise hat sich mit dem Stachus bei Nacht befasst. Sebastian Kugler, sozusagen ein Urgestein der Glonner Fotofreunde, hat besonders Eindrücke aus der Münchner U-Bahn in schwarz-weiß gesammelt. Und schreibt dazu: „Ich habe den Eindruck, die Leute reden nicht mehr miteinander. Jeder schaut in sein Smartphone, aus dem Fenster oder in die Zeitung“.

In gewisser Weise heimatliche Motive zeigt auch Klubchef Gilbert Pinggera. Eine kleine Serie von Schwarz-Weiß-Bildern, die ganz bewusst extrem kontrastreich nachbearbeitet wurden, zeigt auf den ersten Blick unterschiedlich lange Bitumenstreifen, die Straßenbauarbeiter im Asphalt hinterlassen haben. Im optischen Ausschnitt eines Fotos wirken sie dagegen schon wieder wie „Street Art“, so der Hobbyfotograf: „So mancher Mitarbeiter vom Straßenbauamt ist auch ein Künstler“, fügt der Schonstetter an.

Pinggera hat erst vor einigen Monaten den Vorsitz bei den Glonner Fotofreunden übernommen. Zuvor war er Gründungsmitglied der Wasserburger Fotogruppe und dort auch einige Jahre Vorstand. Nach Glonn fand er, weil ihn die sogenannte Wettbewerbsfotografie mehr und mehr reizte und sein Stammverein in Wasserburg diesbezüglich wenige eigene Ambitionen hatte.

Wettbewerbsfotografie, so erklärt Volker Jäger, sei anders. Glonn sei nun auch kein Verein, in dem diese spezielle Disziplin nun vollkommen im Mittelpunkt stehe, aber die Fotofreunde seien doch eine Gemeinschaft, in der zumindest der eine oder andere Wettbewerbs-Ambitionen nachgehen könne.

Wettbewerbsbilder, so referiert Volker Jäger, müssten aus seiner Sicht zweierlei Aspekte ganz besonders erfüllen: Sie müssen insbesondere als Einzelbilder funktionieren und zweitens vom Betrachter schnell erfasst werden können.

Die Bilder, die ab Freitag in der Jahresausstellung zu bestaunen sind, erfüllten diese Bedingungen nicht unbedingt. Man habe, so heißt es, heuer bei der Vorbereitung darauf geachtet, dass die Teilnehmer kleine Serien (und alle im gleichen Format) präsentieren.

Ein Raum nur für Minimalistisches

Speziell sei nur ein Raum, in dem Minimalistisches im Mittelpunkt stehe. Minimalismus war schließlich das Jahresthema für 2021. Unter minimalistischer Fotografie versteht man Aufnahmen, heißt es, „die so weit auf das Wesentliche reduziert sind, bis der Fotograf nichts mehr weglassen kann“. Dabei lehnt sich die Philosophie des Minimalismus an den berühmten französischen Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry an, dem folgendes Zitat zugeschrieben wird: „Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern nichts mehr weglassen kann“.

Was das fotografisch bedeutet, können die Fotofreunde Glonn durchaus eindrucksvoll zeigen. Norbert Alexy, Harald Biebel, Alexander Gohlke, Volker Jäger, Sebastian Kugler, Gilbert Pinggera und Gisela Wimmer liefern dazu Beispiele. Letztere etwa hat Lichtinstallationen abgelichtet, die sie an einer Rolltreppe hinauf zu einem Museum auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen entdeckte.

Stets von besonderem Interesse waren in Glonn in den Jahren zuvor die AV-Schaubeiträge. Auch heuer wird es sie wieder geben. Unter anderem von Bernhard Jungwirth, dessen Idee es war, ein Musikstück zu bebildern. Dunkle Wolken visualisieren ein Stück von Franz Liszt aus dem Jahr 1881.

Die Schauen sind maximal drei Minuten lang. Vorführungen finden nicht nach einem strengen Zeitplan statt, sondern je nach Nachfrage. Zwischendurch wird man immer mal wieder lüften müssen. Bei aller Vorfreude, dass es künstlerisch nun endlich wieder losgeht in Glonn und Umgebung, darf und will man im Fotoklub nicht vergessen, dass die Pandemie schließlich noch nicht überstanden ist. Daher gelten für die Fotoausstellung auch die 3-G-plus-Regeln; samt Kontrollen beim Einlass.

Übrigens: Seit ein paar Wochen gibt es wieder an jedem ersten und dritten Mittwoch im Monat jeweils ab 19.30 Uhr Stammtische in der Klosterschule in gewohnter, herkömmlicher Art und Weise. Neue Interessenten sind dort herzlich willkommen, um sich mit anderen Hobbyfotografen über das faszinierende Hobby auszutauschen - und im Idealfall voneinander zu lernen. Im kommenden Frühjahr wird es übrigens schon wieder eine Ausstellung der Glonner geben. Dann sind den Fotokünstlern keine Grenzen gesetzt. Ohne Limit und vogelwild soll’s dann zugehen.