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Zwei-Klassen Belegschaft - Impf-Outing am Arbeitsplatz

Er sagt, er habe es nur gut gemeint mit seinen Mitarbeitern. Doch jetzt steht der Chef einer Thüringer Druckguss-Firma massiv in der Kritik – weil in sozialen Netzwerken der Eindruck entstanden ist, er habe seine geimpften Mitarbeiter vor den ungeimpften Kollegen „gewarnt“.

Impf-Outing per Aushang: Namen und Fotos von 13 Ungeimpften hingen über mehrere Wochen auf einem Plakat an der Tür des Pausenraums.

Eine Zwei-Klassen-Belegschaft je nach Impf-Status, vor der es dem Rest der Republik graut.

Im BILD-Interview erklärt der Firmenchef, wie es zu dem Aushang kam: Er habe den Geimpften – rund 80 Prozent seiner Mitarbeiter – den Aufenthalt im Pausenraum ohne Maske ermöglichen wollen. Aus seiner Sicht war es „unfair, dass die geimpften Mitarbeiter Maske tragen müssen und den Pausenraum nicht oder nur sehr begrenzt nutzen können“.

Der Aushang zeigt die 13 ungeimpften Mitarbeiter
Der Aushang zeigt die 13 ungeimpften MitarbeiterFoto: Twitter

Die Lösung sei in Absprache mit allen Mitarbeitern erfolgt – auch den Ungeimpften, die dem Aushang ihrer Fotos schriftlich zugestimmt hätten – „Ich erpresse doch meine Leute nicht!“ Außerdem habe seine Firma dazu mit dem Amt für Datenschutz in Verbindung gestanden.

Zwei der betroffenen Mitarbeiter bestätigten am Mittwoch gegenüber BILD, dass sie freiwillig dabei waren.

▶︎ Christian S. (33): „An einen Pranger gestellt fühlten wir uns nicht. Es gab keinen Zwang, wir waren damit einverstanden.“

▶︎ Marko B. (47): „Der Aushang hing drei Wochen aus, keiner regte sich auf. Bis ihn ein Unbekannter ins Internet gestellt hat.“

Dennoch steht der Chef nun in der Kritik:

Datenschutzrechtler Prof. Niko Härting (57) zu BILD: „Das ist ein klarer Datenschutzverstoß. In einer solchen Drucksituation ist die Unterschrift des Arbeitnehmers nichts wert.“

Anja Piel, DGB-Vorstandsmitglied, stellt klar: „Die Forderung nach Selbstauskunft über den eigenen Impf-Status ist ein No-Go. Die Information, ob jemand geimpft ist, unterliegt wie alle anderen Gesundheitsdaten der Beschäftigten dem Datenschutz. Sie hat Arbeitgeber nicht zu interessieren.“

Der Chef zeigt sich zerknirscht in Anbetracht der vielen Kritik und übler Drohungen bis hin zum Mord (weshalb BILD seinen Namen abkürzt und die Firma nicht nennt): „Hätte ich das gewusst, hätte ich es auf gar keinen Fall gemacht.“