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Zweitligaklub SC Paderborn: Katholisch, konservativ, kurios

Donnerstags nach Siegen darf sich das Trainerteam beim Koch etwas wünschen. Ein Feiertag in Paderborn – leider nicht für alle. Es gibt Haxe, Sauerkraut und Knödel in der kleinen Mensa mit Blick auf die sattgrünen Trainingsplätze. Daran labt sich nun der Trainerstab. Die Profis bekommen Pute. Hm. Allerdings: Je nachdem, welcher Coach auswählt, kann es auch mal „Spaßbefreites“ geben. Fischfilet etwa. Das ist dann kompatibel für alle.

Die Laune ist ziemlich gut beim Sportclub Paderborn 07. Ein Sieg an diesem Samstag gegen die KSV Holstein (13.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur zweiten Liga sowie bei Sky), und der SCP bliebe Erster der zweiten Liga. Aufwärtstrend zementiert, Abstiegszone weit weg. Und das im ersten Jahr nach „Übertrainer“ Steffen Baumgart.

Für ihn kam Lukas Kwasniok aus Saarbrücken – kein großer Name. Aber was sollte der auch hier? Katholisch, konservativ, kurios: Der Klub ist bei aller Zurückhaltung kein bisschen langweilig. In den sechs Spielzeiten von 2014 bis 2020 ging es die Leiter runter und rauf: erste, zweite, dritte Liga. Dritte, zweite, erste Liga. Dann folgte eine erstaunlich normale Saison – Platz neun 2020/21, der letzten mit Baumgart.

„Profifußball-Standort Paderborn stabilisieren“

Kleinreden wollen sie hier nichts. Aber auch nicht mehr draus machen: „Wir wollen den Profifußball-Standort Paderborn weiter stabilisieren“, sagt Fabian Wohlgemuth, der Geschäftsführer Sport, „ein einstelliger Tabellenplatz wäre ein Erfolg für uns“. Vor allem will der frühere Kieler Sportchef das Jojo-Phänomen beenden. Sieben Ab- und Aufstiege haben an den Nerven gezerrt. Paderborn soll kein Fahrstuhlklub mehr sein. Die Zeiten der Exzentrik des verstorbenen Präsidenten Wilfried Finke sind auch vorbei. Der SCP war sein Lebenswerk. Spektakuläre Fehlgriffe gehörten dazu: Mit Stefan Effenberg als Trainer machte sich Paderborn 2016 lächerlich. Seit Baumgarts Einstieg 2017 wurde es zunehmend seriös.

Daran arbeitet Wohlgemuth in der Konstellation mit seinen Kollegen Martin Hornberger (Gesamtverein) und Ralf Huschen (Finanzen) seit Mai 2020. Nach dem Ausscheiden bei der KSV Holstein war Wohlgemuth ein gutes halbes Jahr ohne Job. Nun wendet er sein Rezept bei einem ähnlich strukturierten Verein an. „Der derzeitige Erfolg ist keinem Einzelnen zuzuordnen“, sagt der 42-Jährige, „es ist das Ergebnis von Teamarbeit.“ Dazu gehören die 16 Wirtschaftsräte, die den Verein in einer XXL-Struktur finanziell und ideell stützen und den Aufsichtsrat speisen. Eisproduzent, Softwareentwickler, Autozulieferer: Vieles aus der lokalen und regionalen Wirtschaft ist dabei.