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Zwist an Hochschule Neubrandenburg: Streit um Bäume bringt Studenten auf die Palme

Die Diskussion um die Lindenreihe an der Neubrandenburger Hochschule hat eine neue Dimension erreicht: Die Studenten, die sich für den Erhalt der Linden vor dem Hauptgebäude einsetzen, haben in einer E-Mail, die hochschulintern versendet wurde und auch an den Nordkurier gegangen ist, das Verhalten von Rektor Gerd Teschke und Professor Roman Oppermann öffentlich kritisiert.

Linden haben auch ideellen Wert

Nachdem am Montag eine studentische Gruppe über eine Plakataktion zu einer Demonstration zum Erhalt der Bäume aufgerufen hatte, war in der Nacht zu Dienstag eine der sechs Linden gefällt worden. In der Folge zeigte sich neben den Studenten auch Rektor Gerd Teschke erschüttert über dieses Vorgehen und verurteilte, dass dadurch Tatsachen geschaffen würden, obwohl die Diskussion zu den Linden noch laufe. Sie sollen weichen, da an dieser Stelle der Erweiterungsbau der Bibliothek wachsen soll.

Teschke hatte das Engagement der Studenten gelobt, jedoch klargemacht, dass er deswegen den lang ersehnten Erweiterungsbau nicht gefährden wolle. Hinter den besagten Linden steht noch ein ideeller Wert: Sie sind ein Geschenk von Studenten des ersten Jahrgangs Landschaftspflege.

Studenten kritisieren Art und Weise der Debatte

„Wenn sich nun jemand im Recht sieht, einen dieser Bäume einfach abzusägen, verstehen wir das als eine Konsequenz aus der Art und Weise, wie dieser Diskurs bisher geführt wurde“, heißt es in dem Schreiben der Studenten. Für den Rektor stehe außer Frage, dass an dem aktuellen Entwurf zur Bibliothekserweiterung nochmals gerüttelt werde. Und Oppermann „lässt sich in würdeloser Art und Weise ... über die Studierenden, die sich engagieren, aus“, lautet ein direkter Vorwurf.

Offensichtlich habe sich nun jemand im Recht gesehen, das Resultat aus einem solchen Diskurs gleich vorwegnehmen zu können und kurzen Prozess zu machen (...) „Dass das nun passiert ist, drückt für uns die Art und Weise aus, wie an dieser Hochschule nicht nur mit Bäumen, sondern auch mit uns Studierenden umgegangen wird.“

Kompromissvorschlag, aber auch spitze Bemerkung

Oppermann hatte vorgeschlagen, die Bäume andernorts weiterleben zu lassen. Auf dem Gelände der Hochschule sei Platz, die Linden umzusetzen. „Fortschritt und Zukunftsinvestition (Bibliotheksneubau) und Nachhaltigkeit im Umweltbereich (Linden) können konfliktfrei bewältigt werden“, schlug er vor, fügte in seinem Kommentar aber an: „Hoffentlich werden keine Baumhäuser errichtet...“ Damit spielte er auf die Proteste gegen Baumfällungen für einen Braunkohle-Tagebau im Hambacher Forst an, wie er dem Nordkurier bestätigte. Oppermann betonte auf Nachfrage, dass er als Privatperson geschrieben, einen Kompromiss vorgeschlagen habe und gern bereit sei, einen Diskurs zu führen – aber mit offenem Visier.

Rektor Gerd Teschke betonte auf Nachfrage, dass es ihm um Kompromisse gehe. Dass der Erweiterungsbau aber so gebaut würde wie geplant, könne er nicht kippen – und er wolle es auch nicht. Allerdings verurteilte er „den Vorgriff auf das Ende der Debatte“ durch die illegale Baumfällung. Nur weil es keine Lösung gebe, die Bäume womöglich dort zu erhalten, habe niemand das Recht, den Baum zu fällen, sagte er.